Atlas Schuhfabrik GmbH & Co. KG

Hauptsitz: Dortmund
Inhaber: Werner Schabsky
Geschäftsführung: Thomas Lanzki
Mitarbeiter*innen Deutschland: 250, Weltweit: 1450
Unternehmensumsatz: 95 Mio. € (2013)
Produktionsländer: Deutschland und Brasilien (zwei firmeneigene Fabriken)
Produzierte/ vertriebene Marken: Eigenmarke: ATLAS-Sicherheitsschuhe; vertriebene Marken: HAKRO, Kübler, Sioen und Mascot

Das Unternehmen Atlas Schuhfabrik GmbH & Co. KG hat seinen Hauptsitz in Dortmund. Das Unternehmen wurde 1910 gegründet. Es beschäftigt in Deutschland 250 und weltweit 1450 Mitarbeiter*innen. Das Unternehmen hat eine Verkaufsstelle in Deutschland.
Das Unternehmen ist Hersteller von Schuhen und Großhändler von Arbeitskleidung und Schutzbekleidung. Die folgenden Angaben beziehen sich auf Atlas als Schuhhersteller.

1. Transparenz
Atlas Schuhfabrik GmbH & Co. KG hat den Fragebogen im Jahr 2014 vollständig ausgefüllt und Informationen und Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur. Es verfügt über einen Verhaltenskodex in englischer Sprache, welcher auf Anfrage erhältlich ist. Das Unternehmen ist somit nicht sehr transparent im Hinblick auf Sozialstandards. Es ist als Hersteller transparent im Hinblick auf Zulieferkette, Produktionsländer und Produktionsstätten der eigenen Schuhproduktion.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Aus der Belieferung der öffentlichen Hand berechnet sich ein Anteil zwischen 25 und 50 % am Umsatz der Atlas GmbH.Das Unternehmen beliefert Kommunen, Länder, Bund, zentrale Beschaffungseinrichtungen und Händler*innen mit Arbeitskleidung, Schutzbekleidung und Schuhen. Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Mindeststandards erbringen zu müssen. Diese Nachweise erfolgen in Form von Vorlage eines Verhaltenskodex und einer formlosen Erklärung bzw. Selbstverpflichtung. Das Unternehmen stuft die genannten Faktoren für die öffentliche Hand wie folgt ein: Preis als sehr wichtig (6/6), die Qualität als wichtig (4/6), die Umwelt und die Arbeitsbedingungen von mittlerer Wichtigkeit (3/6 und 4/6).

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen besitzt zwei eigene Produktionsfirmen für die Produktion von Arbeitsschuhen. Die Fabriken befinden sich in Deutschland (40 % der Produktion) und in Brasilien (60 % der Produktion). Weitere Komponenten für die Schuhe, die nicht selbst hergestellt werden, werden über Direktlieferanten eingekauft.

4. Verhaltenskodex
Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher auf Anfrage erhältlich ist. Unter der Überschrift „Labour“ wird nur im Punkt Kinderarbeit explizit auf die entsprechende Kernarbeitsnorm der ILO hingewiesen. Auf die Punkte Zwangsarbeit, Antidiskriminierung, Belästigung und Missbrauch, Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird ohne Verweise auf die entsprechenden Kernarbeitsnormen der ILO eingegangen. Hinsichtlich der Löhne wird von den Lieferanten verlangt, mindestens den gesetzlichen Regelungen zu entsprechen. Die Zahlung existenzsichernder Löhne, die über die Mindestlöhne hinausgehen, ist im Code of Conduct nicht vorgesehen. Außerdem wird von den Zulieferbetrieben verlangt, Management Systeme einzuführen, durch welche die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen und des Verhaltenskodex gewährleistet werden soll. Allerdings werden keine konkreteren Anforderungen an diese Management Systeme gestellt.
Das Unternehmen hat folgende Vorgaben, wenn es Waren aus Ländern außerhalb Deutschlands produzieren lässt: Ausschluss von low cost countries (Niedriglohnländer) in Asien. Ab welchem Betrag man von „low cost“ spricht, ist auf Nachfrage nicht erläutert worden.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex gilt für die firmeneigenen Fabriken und für die Direktlieferanten. Das Unternehmen ergreift Maßnahmen, um die Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes zu unterstützen, gibt aber nicht an, welche.  

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Das Unternehmen führt bei 70 % der Direktlieferanten der Schuhmaterialien Audits durch. Das Audit führt das Unternehmen selber durch. Die Audits werden manchmal angekündigt und manchmal nicht. Die Kosten für das Audit trägt das Unternehmen selber. Um die Fortschritte der Lieferanten zu überprüfen, besuchen die Einkäufer*innen des Unternehmens regelmäßig die Fabriken.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist kein Mitglied bei einer Kontroll-, Verifizierungs- oder Monitoring Initiative.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Da das Unternehmen hier als Schuhersteller vorgestellt wird, besteht keine Möglichkeit, Fairtrade Baumwolle zu verwenden.

5. Kommentar der CIR
Im Unterschied zu den meisten Berufsbekleidungsunternehmen, welche die Konfektionierung bei Zulieferfabriken in Auftrag geben, führt Atlas Schuhfabrik GmbH & Co. KG die Verarbeitung des Leders und die Endanfertigung der Arbeitsschuhe in firmeneigenen Fabriken in Brasilien und Deutschland durch. Außerdem legt Atlas GmbH die Haupt- und Kleinlieferanten offen, welche die Materialien für die Schuhproduktion liefern. Insofern ist das Unternehmen transparent, was die Zulieferkette der firmeneigenen Schuhproduktion angeht.
Hinsichtlich des Verhaltenskodex und seiner Überprüfung sollte das Unternehmen aber Verbesserungen vornehmen. Inhaltlich sollten die ILO Kernarbeitsnormen explizit benannt werden. Außerdem fehlt die Forderung nach einem existenzsichernden Lohn. Das Unternehmen schließt zwar ein „low cost sourcing nach Asien“ aus, allerdings reicht der gesetzlich festgelegte Mindestlohn auch in Brasilien nicht aus, um die Grundbedürfnisse einer Familie zu decken. Das Unternehmen sollte effektive und transparente Maßnahmen zur Umsetzung des Verhaltenskodexes ergreifen, wie die Durchführung von Trainings, Einrichtung einer Beschwerdehotline oder das Aushängen des Kodexes in den Fabriken. Die Audits werden von dem Unternehmen in den Zulieferbetrieben der Schuhmaterialien durchgeführt. Atlas Schuhfabrik GmbH & Co. KG führt in der firmeneigenen Fabrik in Brasilien keine Audits durch und begründet dies damit, dass es in der Fabrik eine unabhängige Arbeitnehmer*innenvertretung gibt. Ob diese zu einem Gewerkschaftsverbund gehört, wurde auf Nachfrage nicht beantwortet. Die Existenz einer unabhängigen Arbeitnehmer*innenvertretung in einem Produktionsbetrieb ist begrüßenswert. Wir empfehlen trotzdem sowohl im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben für die Vorprodukte der Schuhe, als auch in den firmeneigenen Fabriken die Umsetzung der Sozialstandards extern verifizieren zu lassen, wie z.B. durch eine unabhängige Multistakeholder-Initiative (MSI) wie der Fair Wear Foundation (FWF).
Positiv hervorzuheben ist, dass Atlas als Händler die Stadt Dortmund im Rahmen eines langfristigen Liefervertrages in Höhe von über 100.000 Euro mit Arbeitsbekleidung nachhaltiger und sozial verantwortlicher Hersteller beliefert, die den Fairtrade- und den FWF- Standard vorlegen konnten. Dies zeigt, dass es Atlas als Händler von Arbeitsbekleidung gelungen ist, sozialverantwortliche Unternehmen zu identifizieren und als Hersteller für die öffentliche Hand zu gewinnen.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
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