Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG

Hauptsitz: Köln
Inhaber*innen: Harald Goost, Matthias Goost, Brigitte Goost, Dr. Friedrich Goost
Mitarbeiter*innen Deutschland: 110, Weltweit: 260
Unternehmensumsatz: 41 Mio. € im Jahr 2014
Vertriebsstruktur: Produzent und Händler
Produktionsländer: Mazedonien, Türkei, China, Pakistan, Vietnam, Tunesien
Produzierte/ vertriebene Marken: BP ®

Das Unternehmen Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG hat seinen Hauptsitz in Köln. Es beschäftigt in Deutschland 110 MitarbeiterInnen und 260 MitarbeiterInnen weltweit. Das Unternehmen ist Hersteller von Arbeits- und Schutzbekleidung.

1. Transparenz
Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt und weitere Informationen und Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur. Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher auf der firmeneigenen Website veröffentlicht ist. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Maßnahmen und Standards im Bereich Unternehmensverantwortung. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Zulieferkette, Produktionsländer und Produktionsstätten; die Kontaktdaten der Produktionsstandorte liegen der Fair Wear Foundation (FWF) vor. Durch die Mitgliedschaft bei FWF verpflichtet sich Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG sein Lieferantenregister der FWF offenzulegen, außerdem jährlich einen „workplan“ zu erstellen (liegt der CIR vor), in dem Ziele, Beschaffungsmethoden, Beschwerdemanagement etc. beschrieben werden, jährlich einen „social report“ zu erstellen, sich einem jährlichen System-Audit („brand performance check“) durch die FWF zu unterziehen, öffentlich über die FWF-Mitgliedschaft zu informieren und nach den Audits Korrekturpläne mit einem Nachweis der erledigten Punkte abzuarbeiten. Auch diese Dokumente werden von dem Unternehmen offengelegt.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht voraussichtlich zwischen 10 und 25 % des Umsatzes von Bierbaum-Proenen aus. Das Unternehmen beliefert Kommunen und zentrale Beschaffungseinrichtungen mit Arbeits- und Schutzbekleidung – in der Regel über Händler*innen. Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Standards in Form eines Nachweises über die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Überprüfungsinitiative und mit Berichten über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen erbringen zu müssen. Da das Unternehmen die öffentliche Hand über Händler*innen beliefert, stammt die Einschätzung, dass Umwelt- und Arbeitsbedingungen in der Lieferkette von der öffentlichen Hand als wichtig eingestuft werden, von den Händler*innen. Die Städte Dortmund und Bremen sind für die Thematik Nachhaltigkeit als positive Beispiele angegeben.

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen produziert in einer firmeneigenen Fabrik in Tunesien und bezieht Produkte von 11 Direktlieferanten und über eine Agent*in aus Europa, Asien und Afrika. Das Unternehmen unterstützt Händler bei Ausschreibungen. Zu der Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt BP an, seit mehr als 10 Jahren mit 50 % seiner Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 20 %, seit weniger als 5 Jahren mit 30 % und seit weniger als 2 Jahren mit 0 % der Lieferanten zusammen zu arbeiten.

4. Verhaltenskodex
Die Firma Bierbaum-Proenen verfügt über einen eigenen Verhaltenskodex, der auf der firmeneigenen Website in vier Sprachen veröffentlicht ist. Bierbaum-Proenen hat den FWF-Verhaltenskodex übernommen und verpflichtet sich über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen hinaus dazu, dem Anrecht der Arbeiter*innen auf einen Existenzlohn nachzukommen (d.h., dass der Lohn bei einer Regelarbeitszeit den Grundbedarf der Arbeiter*innen und ihren Familien deckt und zusätzlich frei verfügbares Einkommen übrig lässt) und für ein sicheres Beschäftigungsverhältnis sowie eine angemessene Überstundenregelung Sorge zu tragen. Das Unternehmen hat folgende vertraglich verpflichtende Vorgaben für im Ausland produzierte Waren: Alle Konfektionär*innen verpflichten sich, den sogenannten „Questionnaire“ (Fragebogen & Forderungskatalog) der FWF auszufüllen und ihm zuzustimmen (Auszüge des Vertrags wurden im Rahmen der Befragung vorgelegt). Darin werden die Kriterien und Anforderungen der FWF an eine menschenwürdige Beschäftigung explizit benannt und erklärt. Die Lieferanten müssen eine entsprechende Mitarbeiter*inneninformation öffentlich aushängen (abgefasst in der jeweiligen Landessprache), um alle Mitarbeiter*innen bzgl. der Verpflichtungserklärung zur Einhaltung der Standards zu informieren. Die Lieferant*innen müssen Audits durch externe Audit-Teams zulassen und sich zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen verpflichten.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex gilt für alle Agent*innen, Direktlieferanten und deren Subproduzenten, die Materialien vernähen (konfektionieren). Für die Materialzulieferer von Bierbaum-Proenen gelten die ILO Kernarbeitsnormen. Um die Konfektionäre in der Zulieferkette bei der Umsetzung des Verhaltenskodex zu unterstützen, werden folgende Maßnahmen ergriffen:
- Informationsweitergabe und Unterstützung bei sämtlichen Fragen bzgl. Verbesserung der Arbeitsbedingungen
- Technische Unterstützung (Besuche von Mitarbeiter*innen der Technik) bzgl. Effizienzsteigerung und dadurch Möglichkeit der Lohnerhöhung
- Workplace Education Programme, ein Training für Mitarbeiter*innen und das Management durch die FWF
- Aufzeigen von Risiken (Arbeitssicherheit) und Verbesserungspotential mittels Audits
- Training für alle MitarbeiterInnen im Eigenbetrieb bzgl. des Umgangs mit Gas und Elektrizität
Für alle genannten Maßnahmen kommt das Unternehmen selbst auf.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Um die Einhaltung des Verhaltenskodex zu überprüfen, führt das Unternehmen soziale Audits bei allen Direktlieferanten durch. Subunternehmer müssen die gleichen Kriterien erfüllen und werden durch Bierbaum-Proenen entsprechend überwacht, sobald sie mehr als 2 % Produktionsvolumen für das Unternehmen fertigen.
Da das Unternehmen Mitglied der Multistakeholder-Initiative FWF ist, werden die Sozial-Audits durch ein Audit-Team der externen Organisation FWF durchgeführt. Der abschließende Bericht wird an das Unternehmen weitergeleitet. Die FWF auditiert das Unternehmen und veröffentlicht die Ergebnisse gemeinsam mit den Ergebnissen der Sozialaudits bei den einzelnen Direktlieferanten in Form des „brand performance check“. Bierbaum-Proenen berichtet in seinem „social report“ über die Auditergebnisse.
Die Audits werden alle 3 Jahre durchgeführt. Werden allerdings gravierende Verstöße festgestellt, finden Audits in kürzeren Abständen statt.
Die Audits werden den Direktlieferanten immer angekündigt um sicherzustellen, dass die Gesprächspartner*innen (Betriebsleiter*in, Sicherheitsfachkraft, Arbeitnehmervertreter*in etc.) anwesend sind. Interviews mit den Mitarbeiter*innen außerhalb der Firma werden zusätzlich gemacht und vorab nicht angekündigt. Die Direktlieferanten müssen zusätzlich durch Dokumente, Fotos, etc. das Abarbeiten des Korrekturplanes nachweisen. Die Kosten der Audits trägt BP. Durch die Mitgliedschaft können Arbeiter*innen in Fabriken, in denen BP produziert, anonym bei einer Beschwerdestelle anrufen. Die Anrufe werden in Landessprache entgegengenommen.
Weitere Maßnahmen zur Kontrolle der Einhaltung des Verhaltenskodex sind regelmäßige Besuche seitens Mitarbeiter*innen von Bierbaum-Proenen in den Fabriken.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist Mitglied der Fair Wear Foundation, einer unabhängigen Multistakeholder Verifizierungsinitiative, die die soziale Verantwortung der Unternehmen nicht nur durch Audits, sondern auch durch eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen verifiziert und bei der auch die Überprüfung der Einkaufspraktiken der Unternehmen eine Rolle spielt.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Für Ende 2015 oder Anfang 2016 ist der Beitritt zum Fairtrade Cotton Program geplant, sodass 5 % des gesamten Baumwollbedarfs (inkl. Mischgewebe) aus Fairtrade Baumwolle besteht. Die Mehrzahl der Produkte ist nach Oeko-Tex Standard 100 geprüft.

5. Kommentar der CIR
Bierbaum-Proenen GmbH & Co. KG hat, wie schon bei der vorherigen Umfrage, den Fragebogen umgehend beantwortet und beweist im Vergleich zur Befragung 2014 eine noch größere Transparenz hinsichtlich Informationen zum Umsatz und weiterer Dokumente zur Veranschaulichung im Bereich Unternehmensverantwortung. Als Mitglied der FWF seit 2010 verpflichtet sich Bierbaum-Proenen zu hohen Standards im sozialen Bereich und kommt somit den Forderungen der CIR/CCC nach einem glaubwürdigen Umgang mit dem Thema Sozialstandards nach. Das Engagement des Unternehmens im Rahmen der FWF Mitgliedschaft ist überdurchschnittlich, u.a. besitzt Bierbaum-Proenen den Leader Status innerhalb der FWF. Des Weiteren beteiligt sich das Unternehmen aktiv an weiteren Prozessen und politischen Maßnahmen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Produktion von Bekleidung: So beteiligt sich Bierbaum-Proenen rege an öffentlichen Veranstaltungen und Debatten um das Thema sozial verantwortliche öffentliche Beschaffung. Das Unternehmen diskutiert offen und gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen über das Thema Unternehmensverantwortung. Außerdem wird laut Unternehmensauskunft auf Wunsch von Institutionen der öffentlichen Hand viel Aufklärungsarbeit bei denselben geleistet bezüglich der Charakteristika von sozial fairen Arbeitsbedingungen. Der Gesamteindruck von Bierbaum-Proenen und ihren Aktivitäten im Bereich Sozialstandards und Unternehmensverantwortung ist folglich sehr positiv.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
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