CWS-boco Deutschland

Hauptsitz: Dreieich
Inhaberin: Franz Haniel & Cie. GmbH
Mitarbeiter*innen CWS-boco Deutschland (CbD): 3600, CWS-boco International (CbI): 7600
Unternehmensumsatz: CbI 780 Mio. €, CbD 400 Mio. €
Produktionsländer CbSCM bezieht Berufsbekleidung aus der Türkei, Albanien, Bulgarien, Ukraine, Slowakei, Mazedoniern, Dom. Rep.
Produzierte/ vertriebene Marken: CWS und boco

Das Unternehmen CWS-boco Deutschland GmbH ist Teil der CWS-boco International GmbH (CbI). CWS-boco Deutschland GmbH (CbD) hat seinen Sitz in Dreieich und die Anzahl der Mitarbeiter*innen beläuft sich in Deutschland auf 3.600, weltweit auf 7.600 (CbI). Es werden Dienstleistungen im Bereich Textilien und Waschraumhygiene angeboten. Die Berufsbekleidung, welche die CWS-boco Deutschland GmbH bezieht, wird über die CWS-boco Supply Chain Management GmbH (CbSCM) beschafft. Die CbD besitzt 60 Wäscherei- und Servicestandorte in Deutschland. Die CWS-boco Gruppe ist Hersteller und Dienstleister. Sie vermietet / verkauft Arbeitsbekleidung, Corporate Fashion, Schutzbekleidung, Schuhe, Textilien wie Flachwäsche, Schmutzfangmatten und Waschraumlösungen.

1. Transparenz
CbD und CbSCM haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt und weitere Informationen und Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur. Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist . Die CbI veröffentlicht darüber hinaus Nachhaltigkeitsberichte, die den Anforderungen der Global Reporting Initiative (GRI G4) entspricht und ist Mitglied im UN-Global Compact. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Maßnahmen und Standards im Bereich Unternehmensverantwortung. Das Unternehmen gibt Informationen zu Produktionsländern und Produktionsstätten und ist damit auch transparent im Hinblick auf diese Kategorien.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht zwischen 10 und 25 % des Umsatzes des Unternehmens CbD aus. Das Unternehmen beliefert Kommunen, Länder, Bund und zentrale Beschaffungseinrichtungen mit Arbeits- und Schutzbekleidung, sowie mit Corporate Fashion, Flachwäsche, Schmutzfangmatten und Waschraumlösungen. Nach eigenen Angaben muss das Unternehmen der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung sozialer Standards beibringen, und zwar in Form der Vorlage eines Verhaltenskodexes, durch Siegel oder Zertifikate, Berichte über die Einhaltung der Kernarbeitsnormen in der Produktion und in Form einer Eigenerklärung zur Tariftreue, Mindestentlohnung, Sozialversicherung und weiteren Punkten. Diesen Forderungen kommt CbD nach eigenen Angaben nach. Laut CbD sind der öffentlichen Hand Themen wie Qualität (4/6) sowie Umwelt- und Arbeitsbedingungen (beide 3/6) in der Produktionskette minder wichtig - im Gegensatz zur Preisfrage (5/6).

3. Struktur der Lieferkette
CbSCM fertigt ca. 50 % der Berufsbekleidung in der passiven Lohnveredelung (PLV), d.h. dass CbSCM den Produktionsstätten die Gewebe und Zutaten zur Verfügung stellt und diese daraus die Bekleidung konfektionieren. Die andere Hälfte bezieht das Unternehmen von seinen Direktlieferanten und Handelswarenpartnern. Die hier gemachten Angaben beziehen sich auf die Bekleidungskonfektionäre und Direktlieferanten. Das Unternehmen besitzt keine firmeneigenen Produktionsstätten. Die 14 Konfektionäre und Direktlieferanten produzieren in eigenen Fabriken und es gibt weitere 2 Subproduzenten, die für die Direktlieferanten produzieren. CbSCM hat PLV-Verträge mit Lieferanten in Albanien (2 Partner, ca. 36 % Produktionsanteil PLV), Bulgarien (3 Partner, 19 % Produktionsanteil PLV), der Ukraine (1 Partner, 18 % Produktionsanteil PLV), Slowakei (1 Partner, 10 % Produktionsanteil), Dominikanische Republik (1 Partner, 9 % Produktionsanteil) und Mazedonien (1 Partner, 8 % Produktionsanteil). Zu der Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt CbSCM an, seit mehr als 10 Jahren mit 60 % seiner Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 20 %, seit weniger als 5 Jahren mit 10 % und seit weniger als 2 Jahren mit weiteren 10 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
CbSCM verfügt über einen Verhaltenskodex und entsprechende Umsetzungsbedingungen (TIMP) welche öffentlich im Internet zugänglich sind. Der Verhaltenskodex liegt in deutscher, englischer, albanischer, bulgarischer, ukrainischer, türkischer und in weiteren Sprachen vor. Als Mitglied der Monitoring-Initiative BSCI hat CbSCM den BSCI Verhaltenskodex übernommen und um einige Punkte, wie Umweltschutz und Vermeidung von Korruption, erweitert. In Übereinstimmung mit den ILO-Konventionen wird das Recht auf Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen gewahrt; es besteht das Verbot von Diskriminierung, Kinderarbeit, Zwangsarbeit und der prekären Beschäftigung; gesetzliche Mindestlöhne müssen anerkannt und eine angemessene Vergütung gezahlt werden; die Überstundenzahlung ist geregelt, wie auch Gesundheit- und Arbeitssicherheit und der besondere Schutz junger Mitarbeiter*innen.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex gilt vertraglich auch für die Agenturen, Direktlieferanten und deren Subproduzenten sowie für die Gewebe- und Zutatenlieferanten der CbSCM. CbSCM hat weitere Maßnahmen ergriffen, um ihre Lieferanten bei der Umsetzung der Standards ihres Verhaltenskodexes zu unterstützen: Trainings, Workshops und Maßnahmen auf Produktionsebene zur Produktionssteigerung und zur Einkommensverbesserung der Näher*innen. Für diese Maßnahmen kommen das Unternehmen, die Zulieferer und BSCI auf. Die Kostenverteilung ist abhängig von der Maßnahme und dem Produktionsanteil der CbSCM bei Lieferanten. Zum Beispiel werden die Kosten für die zweijährigen Vollaudits der PLV-Partner von der CbSCM getragen, genauso wie die Maßnahmen zur Produktionssteigerung, welche durch eigene Techniker*innen vor Ort durchgeführt werden. Reaudits, welche aufgrund von Korrekturmaßnahmen notwendig sind, werden von den Produzenten übernommen.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Um die Einhaltung des Verhaltenskodexes zu überprüfen, führt CbSCM soziale Audits bei seinen PLV- und Direktlieferanten, nicht jedoch deren Subproduzenen durch. CbSCM beauftragt externe Audit-Organisationen (z.B. SGS, TÜV) und/oder FLO-CERT) mit der Durchführung der Audits. Die Audits werden alle 2 Jahre durchgeführt. Sie werden manchmal angekündigt und manchmal nicht. Die Kosten für das Audit trägt CbSCM selber.
Die Fortschritte der Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes werden durch folgende Maßnahmen überprüft: Alle 2 Jahre erfolgt ein Vollaudit, notwendige Korrekturen werden dokumentiert und bis zu einem vereinbarten Termin abgearbeitet. Danach erfolgt ein externes Re-Audit. Lediglich bei kleineren Abweichungen kann die Beseitigung des Mangels durch ein externes Desktop Audit als abgearbeitet anerkannt werden.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
CbSCM ist Mitglied bei der Monitoring-Initiative BSCI und bei der Sustainable Apparel Coalition (SAC) .

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Seit Anfang 2016 hat die CbD den Baumwollanteil ihrer Berufsbekleidungslinie „boco Profi Line“ auf 100% Fairtrade certified cotton umgestellt. Von Handelswarenpartnern bezieht das Unternehmen Produkte mit folgenden Gütesiegeln oder Zertifizierungen zur Einhaltung sozialer Standards: FWF (Bierbaum-Proenen, Greiff Mode und Kwintet), Fairtrade (Dibella und MIP); Diverse andere Lieferanten sind laut eigener Angabe SA8000 zertifiziert. 

5. Kommentar der CIR
Die vollständige Beantwortung des Fragebogens, die Bereitstellung weiterer Dokumente, die das Engagement von CWS-boco Deutschland und CWS-boco SCM belegen sollen, sowie die Bereitschaft für Nachfragen von NGO-Seite aus jederzeit zur Verfügung zu stehen, zeigen, dass das Unternehmen dem Thema soziale Unternehmensverantwortung Bedeutung beimisst und gegenüber Zivilgesellschaft und allgemeiner Öffentlichkeit transparent ist, was der Nachhaltigkeitsbericht nach den Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI G4) unterstreicht. Das Interesse von CWS-boco an sozialer Unternehmensverantwortung wird auch durch das aktive Einbringen des Unternehmens in öffentlichen Debatten und Treffen zu Unternehmensverantwortung deutlich.
Konkretere Informationen zur Zulieferkette, die auch hier für Transparenz sorgen könnten, werden noch nicht der allgemeinen Öffentlichkeit bekannt gemacht, sind aber der CIR nach Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung zur Verfügung gestellt worden. Damit ist das Unternehmen transparent im Hinblick auf die Lieferkette.
Als Mitglied der Monitoring-Initiative BSCI hat CbSCM deren Verhaltenskodex übernommen und um weitere Aspekte zu Umweltschutz und Ethik ergänzt. Der BSCI-Kodex erfüllt allerdings nicht die Kriterien, die von der CCC/CIR an einen vollständigen Kodex gestellt werden, beispielsweise in Bezug auf die Verpflichtung der Unternehmen, einen Existenzlohn zu zahlen. In Fällen, in denen die Löhne weder die Grundbedürfnisse decken noch frei verfügbares Einkommen belassen, werden die Unternehmen bei BSCI lediglich ermutigt, eine angemessene Vergütung zu zahlen. Sie werden aber in keiner Weise dazu verpflichtet.
Für eine glaubwürdige Verifizierung der Einhaltung der im Kodex vorgesehenen Kriterien in der Lieferkette sollte CbSCM systematischer mit lokalen Akteur*innen wie Gewerkschafter*innen und NGOs bei der Verifizierung der Ergebnisse der Audits zusammenarbeiten und anonyme Beschwerdemechanismen stärker berücksichtigen.
Somit besteht hier – trotz des positiv zu bewertenden Engagements im Bereich Berufsbekleidung aus fair gehandelter Baumwolle - noch Potential seitens des Unternehmens, eigenständig den Kodex zu erweitern und seine CSR-Bemühungen von einer unabhängigen und damit glaubwürdigeren Multistakeholder-Initiative wie der Fair Wear Foundation (FWF) für die gesamte Charge verifizieren zu lassen.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
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