Engelbert Strauss GmbH & Co. KG

(Überarbeitet im März 2017)

Hauptsitz: Biebergemünd
Inhaberin: Familie Strauß
Mitarbeiter*innen: Ca. 1100 in Deutschland
Unternehmensumsatz: Dreistelliger Millionenbereich (2014)
Produktionsländer: Vor allem Asien (siehe Abschnitt 3. Struktur der Lieferkette)
Produzierte/ vertriebene Marken Eigenmarken: Engelbert Strauss, Stonekit

Das Unternehmen Engelbert Strauss GmbH & Co. KG hat seinen Hauptsitz in Biebergemünd. Es beschäftigt in Deutschland ca. 1.100 Personen. Es ist sowohl Hersteller, als auch Dienstleister, Einzel- und Großhändler für Arbeitskleidung, Corporate Fashion, Schutzbekleidung, Schuhe, Textilien wie Flachwäsche, Werkzeug und Büroartikel.

1. Transparenz
Engelbert Strauss GmbH & Co. KG hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt und weitere Dokumente und Informationen mitgeliefert. Die Daten zum Unternehmensumsatz und zur Anzahl der weltweiten Mitarbeiter*innen sind nicht genau angegeben, daher ist das Unternehmen lediglich bemüht, transparent zu sein im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur. Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist, und ist damit transparent im Hinblick auf Maßnahmen und Standards im Bereich Unternehmensverantwortung. Das Unternehmen gibt Informationen zur Struktur der Zulieferkette, den Produktionsländern und den Produktionsstätten und ist damit überdurchschnittlich transparent im Hinblick auf diese Kategorien.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht zwischen 25 und 50 % des Umsatzes von Engelbert Strauss aus. Das Unternehmen beliefert Kommunen, Länder, Bund und zentrale Beschaffungseinrichtungen mit Schuhen, Arbeitskleidung, Corporate Fashion, Schutzbekleidung und Flachwäsche. Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Standards in Form von Abgestufter Erklärung (mit den Möglichkeiten Eigenerklärung, Zertifikat oder Zusicherung), Vorlage eines Verhaltenskodex, ein Siegel oder Zertifikat, Nachweis über die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Überprüfungsinitiative, Informationen, ob Herstellungsland der bestellten Produkte auf der DAC -Liste der Entwicklungsländer steht, erbringen zu müssen. Diesen Forderungen kommt das Unternehmen nach eigenen Angaben nach. Der öffentlichen Hand ist der Preis und die Qualität sehr wichtig (6/6), Umweltaspekte werden weniger oft nachgefragt (3/6), Arbeitsbedingungen in der Lieferkette dagegen immer häufiger (4/6).

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen besitzt keine firmeneigenen Produktionsstätten. Nach eigenen Angaben hat sich auf Grund langjähriger Zusammenarbeit eine hohe Auslastung einzelner Produktionsstätten entwickelt. Über 2/3 der Arbeitsbekleidung wird in Betrieben gefertigt, die exklusiv für Engelbert Strauss GmbH & Co. KG produzieren. 85 % der Lieferanten sind Direktlieferanten, 15 % Agent*innen und unter 1 % sind Subproduzenten bei Direktlieferanten. Das Unternehmen bezieht Produkte von Direktlieferanten aus den europäischen Ländern Deutschland, Belgien, Bulgarien, Italien, Lettland, Luxemburg, Mazedonien, Moldawien, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Türkei und Ungarn (insgesamt ca. 25 % Produktionsanteil), aus den asiatischen Ländern Laos, Vietnam, China, Bangladesch, Indien, Malaysia, Myanmar, Pakistan, Sri Lanka, Thailand (insgesamt ca. 70 % Produktionsanteil) und aus den afrikanischen Ländern Tunesien und Simbabwe (insgesamt ca. 5 % Produktionsanteil).
Zu der Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Zulieferern gibt Engelbert Strauss an, seit mehr als 10 Jahren mit 28 % seiner Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 40 %, seit weniger als 5 Jahren mit 24 % und seit weniger als 2 Jahren mit 8 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
Engelbert Strauss GmbH & Co. KG verfügt über einen umfassenden Kodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist und in deutscher, englischer, chinesischer, bengalischer und vietnamesischer Sprache vorliegt. Er basiert auf den ILO Konventionen, der Menschenrechtserklärung der UN, dem Global Compact und nach eigenen Angaben auf den OECD Guidelines für multinationale Unternehmen. Der Kodex beinhaltet auch Regelungen zu Löhnen: „die Vergütung, die für die reguläre Arbeitszeit gezahlt wird, muss mindestens dem jeweils gültigen gesetzlichen Mindestlohn zuzüglich sonstiger gesetzlich geforderter Leistungen entsprechen und ausreichend sein, um die Lebenshaltungskosten zu decken und einen zusätzlichen Betrag zur freien Verfügung zu haben“, Überstunden müssen vergütet werden und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gewährleistet sein. Zudem gilt eine Sozialversicherungspflicht. Es gelten die ILO-Konventionen 26, 102 und 131.
Das Unternehmen hat folgende vertraglich verpflichtende Vorgaben für seine Lieferanten außerhalb von Deutschland: Engelbert Strauss Verhaltenskodex, Verpflichtung zur Teilnahme am Monitoring-Programm, Verpflichtung zum Verbot von Sandstrahltechnik und der Nutzung von Baumwolle aus Usbekistan. Alle Vorgaben gelten sowohl für Direktlieferanten als auch für Agent*innen.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex gilt für Agent*innen, für Direktlieferanten und deren Subproduzenten und hängt in den Produktionsstätten aus. Das Unternehmen ergreift folgende Maßnahmen, um die Lieferanten bei der Umsetzung der Standards ihres Kodex zu unterstützen: Im Kodex ist vorgesehen, dass die Beschäftigten der Unternehmen über ihre Rechte und Pflichten informiert und in der Umsetzung geschult werden müssen. Weiterhin verlangt der Kodex die gemeinsame Vereinbarung eines verbindlichen Maßnahmenplans, wenn Abweichungen vom Kodex bei den Audits festgestellt werden (Corrective Action Plan (CAP)) und unterstützende Beratung bei der Implementierung. Die Kosten für die Beratung trägt Engelbert Strauss. Für die Umsetzung des Maßnahmenplans kommt auch das Unternehmen selber auf.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Engelbert Strauss GmbH & Co. KG führt nach eigenen Angaben bei den Lieferanten in den von der Fair Wear Foundation (FWF) als Risikoländer eingestuften Ländern Audits durch. Das bedeutet, ein verstärkter Fokus ist auf die Arbeitsbekleidungs- und Schuhproduktion in Asien gelegt. Bei dem Audit werden Agent*innen, Direktlieferanten und Subproduzenten geprüft. Das Unternehmen beauftragt die externe Organisation Sumations GmbH. Die Audits werden 1x pro Jahr durchgeführt. Die Audits werden manchmal angekündigt und manchmal nicht. Die Kosten für die Audits trägt Engelbert Strauss. Die Fortschritte der Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes werden durch folgende Maßnahmen überprüft: Regelmäßige Besuche der Mitarbeiter*innen des Unternehmens in der Fabrik, erneute Audits nach einigen Monaten, Desktop follow-ups, Follow-up Besuche, Qualifizierungsmaßnahmen, gemeinsame Audits mit Fair Wear Foundation (FWF)-Mitgliedsunternehmen, bei denen auch lokale NGOs einbezogen sind. Onside (in der Fabrik) und soweit wie möglich auch Offside Interviews (außerhalb der Fabrik) mit Arbeiter*innen sind laut eigener Angaben von Engelbert Strauss fester Bestandteil der Audits. Es finden sowohl Einzel- als auch Gruppeninterviews statt. Arbeitnehmerverteter*innen – soweit vorhanden – werden ebenfalls interviewt und sind bei den Audits anwesend.

Das Unternehmen ist seit November 2016 Mitglied bei der Mutistakeholder-Initiative Fair Wear Foundation (FWF), in deren Rahmen das Unternehmen seine Maßnahmen zur Umsetzung und Kontrolle des Kodex extern verifiziert. Über diese Maßnahmen berichtet das Unternehmen auch in jährlichen Sozialberichten, die von der Fair Wear Foundation geprüft werden. 

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen trat im November 2016 der Fair Wear Foundation (FWF) bei, einer unabhängigen Multistakeholder Verifizierungsinitiative, die die soziale Verantwortung der Unternehmen nicht nur durch Sozialaudits, sondern auch durch eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen verifiziert. Bei der Fair Wear Foundation (FWF) werden auch die Einkaufspraktiken der Unternehmen überprüft.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Das Unternehmen verfügt nicht über Fairtrade zertifizierte Baumwolle. Nach eigenen Angaben besitzen einige Lieferant*innen ein SA 8000 Zertifikat. Weitere Lieferanten nehmen an Better Work Programmen der ILO teil. Einige Lieferanten sind Mitglied bei bluesign technologies. Es erfolgt aber keine Kennzeichnung der Produkte. Im Bereich der Baumwolle unterstützt das Unternehmen die Initiative „Cotton made in Africa“. Weitere Baumwollartikel (2/3 der Unterwäsche und Artikel der Oberbekleidung) bestehen aus Biobaumwolle (Kennzeichnung mit „Organic Cotton“). Die Lieferanten fertigen diese gemäß GOTS oder OCS.

5. Kommentar der CIR
Engelbert Strauss hat den Fragebogen umgehend beantwortet und weitere Dokumente geschickt. Das Unternehmen hat der CIR direkt eine Übersicht über die Produktionspartner geschickt und ist somit sehr transparent. Eine Veröffentlichung der Produktionsstandorte für alle einsehbar auf der Webseite wäre hier ein begrüßenswerter nächster Schritt. Der umfangreiche Verhaltenskodex und die Einbeziehung von Arbeitnehmer*innenvertretungen bei Kontrollen in den Zulieferbetrieben – sofern vorhanden - zeigen, dass Engelbert Strauss sich bereits ausführlicher mit sozialen Standards und deren Kontrolle in der Lieferkette beschäftigt hat und dem Thema Bedeutung beimisst.

Erfreulich ist, dass Engelbert Strauss im November 2016 der Fair Wear Foundation (FWF) beitrat. Als Mitglied bei der Multistakeholder-Initiative kann das Unternehmen sein Management-System für die Lieferkettenverantwortung stärken und seine Anstrengungen in diesem Bereich in Zukunft glaubwürdig verifizieren lassen. Positiv ist auch hervorzuheben, dass Engelbert Strauss mit seiner Definition einer „fairen Vergütung“ der Definition existenzsichernder Löhne der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) nahe kommt.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
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