MIP Europe GmbH

Hauptsitz: Hamburg
Inhaber*in: MIP Inc. Kanada
Geschäftsführung: Thomas Fuest, Tor Lund
Mitarbeiter*innen: 49 in Deutschland, 49 weltweit
Unternehmensumsatz: 12,5 Mio. €
Produktionsländer: Deutschland, Polen, Serbien und Marokko
Produzierte/ vertriebene Marken Eigenmarke: HOSPITEX, Verkaufte Marke: MIP

Das Unternehmen MIP Europe GmbH hat seinen Hauptsitz in Hamburg. Es beschäftigt in Deutschland 49 und weltweit weitere 49 Mitarbeiter*innen. Das Unternehmen ist Hersteller und Großhändler von Arbeitskleidung und anderen Textilien wie Flachwäsche, spezialisiert auf das Gesundheitswesen.

1. Transparenz
MIP Europe GmbH hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt und weitere Informationen und Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf seine Umsätze und Unternehmensstruktur. Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist und ist damit transparent im Hinblick auf Maßnahmen und Standards im Bereich Unternehmensverantwortung. Das Unternehmen gibt Informationen zur Zulieferkette, Produktionsländern und Produktionsorten und ist damit transparent im Hinblick auf diese Kategorien. Das Unternehmen hat für das Jahr 2014 erstmalig einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, in dem Umsätze, Unternehmensstruktur und auch die Produktionsländer angegeben werden – und zwar für alle interessierten Kreise .

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Aus der Belieferung der öffentlichen Hand berechnet sich ein Anteil zwischen 25 und 50 % am Umsatz des Unternehmens. Die Belieferung mit Arbeitskleidung und anderen Textilien wie Flachwäsche erfolgt an Kommunen, Länder und zentrale Beschaffungseinrichtungen. Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Mindeststandards in Form einer abgestuften Erklärung mit den Möglichkeiten Eigenerklärung, Zertifikat oder Zusicherung erbringen zu müssen. Diesen Forderungen kommt das Unternehmen nach eigenen Angaben nach. Das Unternehmen schätzt die genannten Faktoren für die öffentliche Hand wie folgt ein: Preis sehr wichtig (6/6), Qualität, Umwelt und die Arbeitsbedingungen nicht wichtig (2/6).

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen besitzt eine eigene Produktionsstätte in Deutschland, 49 Direktlieferanten, die in einer eigenen Fabrik produzieren, 3 Subproduzenten für Direktlieferanten und 48 Agent*innen. Das Unternehmen hat Verträge mit Lieferanten in Deutschland (34 % Produktionsanteil), Polen (16 % Produktionsanteil), Serbien (36 % Produktionsanteil) und in Marokko (13 % Produktionsanteil) für die Produktion von Berufsbekleidung. Zur Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt MIP an, seit mehr als 10 Jahren mit 30 % der Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 30 %, seit weniger als 5 Jahren mit weiteren 30 % und seit weniger als 2 Jahren mit 10 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten. 

4. Verhaltenskodex
Das Unternehmen hat einen Verhaltenskodex, welcher in deutscher, englischer und französischer Sprache veröffentlicht ist . Der Kodex verweist auf die Kernarbeitsnormen der ILO und auf die int. Deklaration der Menschenrechte. Diese Normen der ILO und die Inhalte der Menschenrechtsdeklaration werden im Kodex nicht konkret benannt, aber im Nachhaltigkeitsbericht angegeben. In dem MIP-Verhaltenskodex geht es lediglich in einem Unterabschnitt um die spezifischen Anforderungen an Arbeits- und Sozialstandards in der Lieferkette. Unter dem Titel Supply Chain Kodex der Ethik formuliert MIP dort Anforderungen an die Lieferanten, die dazu verpflichtet werden, nationale Gesetzgebungen, die Erklärung der Menschenrechte und nationale Umweltvorgaben einzuhalten. Auch hier werden die Normen nicht konkret benannt. Bei der Auswahl seiner Lieferanten verpflichtet sich das Unternehmen zu einem Auswahlprozess, der die Geschäftspraktiken beurteilt. Welche Rolle bei diesem Auswahlprozess die Arbeitsbedingungen spielen, geht aus dem Kodex nicht hervor.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex des Unternehmens gilt für Agent*innen, Direktlieferanten und deren Subproduzenten. Das Unternehmen ergreift keine Maßnahmen um die Lieferanten bei der Umsetzung der Inhalte des Verhaltenskodexes zu unterstützen. 

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Um die Einhaltung des Verhaltenskodexes zu überprüfen, führt das Unternehmen bei ca. 10 % der Direktlieferanten Audits durch. Das Unternehmen führt die Audits über externe Organisationen, wie z.B. SGS durch. Geprüft wird nach eigenen Angaben durch SEDEX/SMETA und BSCI, oder anderen Standards, die die Forderungen des Unternehmens abdecken. Die Audits finden alle zwei Jahre statt. Die Audits werden manchmal angekündigt und manchmal nicht. Die Kosten für die Audits trägt das Unternehmen.
Um die Fortschritte der Lieferanten zu überprüfen besuchen die Einkäufer*innen des Unternehmens die Fabriken regelmäßig. Außerdem wird, sofern Abhilfemaßnahmen vereinbart wurden, weil Verstöße gegen die Kriterien des Kodex festgestellt wurden, nach 6 Monaten erneut ein so genannten Re-Audit durchgeführt.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist kein Mitglied bei einer Monitoring Initiative. Die Produkte, die das Unternehmen als Großhändler vertreibt, besitzen in der Regel das Oeko-Tex Siegel.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Das Unternehmen verfügt über Fairtrade zertifizierte Baumwolle. MIP hat öffentlich verlautbart, dass es seine gesamte Berufsbekleidungscharge für das Gesundheitswesen (Mischgewebe mit 65 % Polyester und 35 % Baumwolle) bis zum 1. Quartal 2016 zu 100% mit Fairtrade zertifizierter Baumwolle herstellen will. Demzufolge wären dann 18 % des Gewebes (Hauptmengenträger) welches MIP für die Berufsbekleidungsproduktion verwendet Fairtrade zertifiziert. Das Unternehmen schreibt zur Zahlung existenzsichernder Löhne, dass sie die Menschenrechte der „Universal Declaration of Human Rights“ und die 8 ILO- Kernarbeitsnormen unterstützen und fördern. Zudem gibt das Unternehmen an, dass es in der Eigenproduktion im Rahmen der Fairtrade Zertifizierung an der schrittweisen Erreichung existenzsichernder Löhne arbeitet, deren Zahlung in den Konfektionsstätten nach eigenen Angaben durch das FLO-CERT Zertifikat belegt würden.

5. Kommentar der CIR
MIP Europe hat den Fragebogen unvermittelt beantwortet und ist sehr transparent im Hinblick auf Unternehmensverantwortung. Das Unternehmen hat der CIR eine Übersicht der Produktionspartner geschickt und ist damit transparent im Hinblick auf die Lieferkette. MIP steht der Arbeit von NGOs offen gegenüber und verarbeitet einen verhältnismäßig hohen Anteil Fairtrade Baumwolle, den das Unternehmen noch weiter ausbauen will. Anzumerken ist, dass sich die Kriterien von Fairtrade nicht auf die gesamte Produktion des Unternehmens beziehen. Dieser Teil wird über den Verhaltenskodex geregelt, der jedoch nicht den Anforderungen der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und CIR entspricht: Zum einen widmet er sich nur zu einem sehr kleinen Teil den Arbeitsbedingungen in den Zulieferketten und formuliert keine konkreten Normen oder Regeln – es wird lediglich auf die allg. Erklärung der Menschenrechte und die ILO-Normen ohne die Inhalte dieser Normen konkret zu benennen verwiesen. Außerdem macht MIP in seinem Kodex keine Aussagen zu einem existenzsichernden Lohn. Der Nachhaltigkeitsbericht hingegen ist sehr detailliert und formuliert die ILO-Kernarbeitsnormen, enthält aber auch keine Aussagen zu einem existenzsichernden Lohn. Ob die Unternehmen die Standards im Verhaltenskodex einhalten, kontrolliert MIP lediglich bei 5 % der Direktlieferanten. Ob die MIP Standards auch bei den 48 Agent*innen und 3 Subproduzenten eingehalten werden, scheint das Unternehmen nicht weiter zu kontrollieren oder zu begleiten. MIP gibt an, keine weiteren Maßnahmen, wie Trainings- oder Seminare für ihre Zulieferer anzubieten. Als Fazit lässt sich sagen, dass in dem Unternehmen durchaus ein Bewusstsein zur Notwendigkeit mit der Beschäftigung von Sozial- und Umweltstandards in der Lieferkette vorherrscht und die Umstellung auf Fairtrade lobenswert ist, aber an der effektiven Umsetzung hapert es noch insbesondere in den Bereichen, die nicht durch den Anteil an Fairtrade zertifizierter Baumwolle abgedeckt werden. Um die CSR-Bemühungen auch im Rahmen der konventionellen Produktion von MIP zu verbessern, wären die Nachbesserung des Verhaltenskodex durch die Anlehnung an den Musterkodex der CCC und die Mitgliedschaft in einer Multistakeholder-Initiative wie beispielsweise der Fair Wear Foundation (FWF), die u.a. auch lokale Akteure zur Verifizierung der Audits mit einbezieht, wichtige noch ausstehende Schritte für MIP Europe.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
Öffnet einen E-Mail-Link zum VersandwimbergernoSpam@ci-romero.de

© 2017 Christliche Initiative Romero e.V.