Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co KG

Hauptsitz: Plüderhausen
Inhaber: Thomas Kübler
Mitarbeiter*innen: 221 in Deutschland
Unternehmensumsatz: 35 Mio. €
Produktionsländer: Ungarn, Mazedonien, Armenien, Deutschland, Türkei, China, Pakistan
Produzierte/ vertriebene Marken: Eigenmarke: Kübler

Das Unternehmen Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co KG wurde 1956 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Plüderhausen. Es beschäftigt in Deutschland 221 Mitarbeiter*innen. Das Unternehmen ist Hersteller von Arbeitskleidung, Corporate Fashion und Schutzbekleidung. Kübler hat eine Verkaufsstelle in Deutschland.

1. Transparenz
Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co KG hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt und weitere Informationen und Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur. Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist und ist damit transparent im Hinblick auf Maßnahmen und Standards im Bereich Unterneh-mensverantwortung. Das Unternehmen macht Angaben zu den Produktionsländern, nicht aber zu den Produktionsstätten. Das Unternehmen ist damit bemüht, transparent zu sein im Hinblick auf Zulieferkette und Produktionsländer, es ist jedoch nicht transparent im Hinblick auf die Veröffentlichung der Produktionsstätten.

1. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht zwischen 10 und 25 % des Umsatzes des Unternehmens aus. Die Belieferung mit Arbeitskleidung, Corporate Fashion und Schutzbekleidung erfolgt an Kommunen. Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Mindeststandards in Form der Vorlage eines Verhaltenskodexes erbringen zu müssen. Dieser Forderung kommt Kübler nach eigenen Angaben nach.
Das Unternehmen schätzt die genannten Faktoren für die öffentliche Hand wie folgt ein: Preis, die Umwelt und die Arbeitsbedingungen sehr wichtig (6/6) und die Qualität wichtig (5/6).

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen besitzt nach eigenen Angaben eine eigene Produktionsfirma und 20 Direktlieferanten, die jeweils in eigenen Fabriken produzieren. Das Unternehmen hat Verträge mit Lieferanten in Ungarn (13 % Produktionsanteil), Mazedoniern (24 % Produktionsanteil), Armenien (15 % Produktionsanteil), Deutschland (6 % Produktionsanteil), Türkei (3 % Produktionsanteil) und in China (35 % Produktionsanteil) und Pakistan (2 % Produktionsanteil). Die eigene Produktionsfabrik befindet sich in Deutschland. Inwiefern und wenn ja, wie viel dort noch produziert wird, darüber macht das Unternehmen jedoch keine Angaben.
Zur Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt Kübler an, seit mehr als 10 Jahren mit 80 % der Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 10 % und seit weniger als 5 Jahren mit weiteren 10 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
Das Unternehmen hat einen weitreichenden Verhaltenskodex und verpflichtet sich über die ILO-Kernarbeitsnormen hinaus dazu, dass dort, wo es keine tariflichen oder gesetzlichen Lohnrahmen gibt, die Löhne für regelmäßige Vollarbeitszeit hinreichend sind, um den Grundbedürfnissen der Arbeitnehmer*innen gerecht zu werden. Es verpflichtet sich, für ein sicheres Beschäftigungsverhältnis Sorge zu tragen und besitzt eine Überstundenregelung.
Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben folgende weitere Vorgaben, wenn es Waren in Ländern außerhalb Deutschlands produzieren lässt: je nach Produkt europäische Normen und den Ausschluss der Nutzung von Baumwolle aus Usbekistan.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex gilt vertraglich für Agent*innen und Direktlieferanten. Das Unternehmen gibt an Maßnahmen zu haben, um die Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes zu unterstützen, es geht aus dem Fragebogen jedoch nicht konkret hervor, welche das sind und auf Nachfragen wurde nicht reagiert.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Um die Einhaltung des Verhaltenskodexes zu überprüfen, führt das Unternehmen soziale Audits bei den Direktlieferanten durch. Dabei werden keine externen Firmen beauftragt, sondern das Unternehmen führt die Audits selbst durch. Welchen Standards die Audits entsprechen, bzw. welche Vorgaben das Unternehmen dafür hat, bzw. ob es überhaupt Vorgaben oder Kriterien gibt, ist nicht bekannt. Die Audits finden laut Unternehmen häufiger als einmal pro Jahr statt. Die Audits werden manchmal angekündigt und manchmal nicht. Die Kosten für die Audits trägt das Unternehmen selber. Um die Fortschritte der Lieferanten zu überprüfen besuchen die Einkäufer*innen des Unternehmens die Fabriken regelmäßig. Das Unternehmen gibt nicht an, ob und welche Maßnahmen bei Nichteinhaltung des Kodex stattfinden. Es benennt auch keine Vorgaben oder Maßnahmen, um gemeinsam mit den Lieferanten an Verbesserungen zu arbeiten.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist Mitglied bei der Monitoring Initiative BSCI.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Das Unternehmen verfügt nicht über Fairtrade zertifizierte Baumwolle. Das Unternehmen schreibt zur Zahlung existenzsichernder Löhne, dass die Zahlung sehr wichtig sei und durch Abfrage kontrolliert wird.

5. Kommentar der CIR
Kübler hat den Fragebogen nicht sofort, sondern erst auf telefonische Nachfragen hin beantwortet. Die Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co KG ist transparent in Bezug auf Unternehmensstruktur, Produktionsländer und Angaben zu den Anforderungen der öffentlichen Hand und berichtet umfassend und bereitwillig über seine CSR-Maßnahmen. Die Produktionsstätten legt das Unternehmen jedoch nicht offen. Der Verhaltenskodex der Fa. Kübler ist umfangreich und geht über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen hinaus. Die Aufnahme von Kriterien wie die Zahlung eines Grundbedürfnis-Lohns und die Vorgaben zu einem sicheren Beschäftigungsverhältnis lassen darauf schließen, dass sich das Unternehmen mit Fragen der Arbeits- und Menschenrechte in der Lieferkette auseinandergesetzt hat. Leider entsprechen die Vorgaben jedoch (noch) nicht den Anforderungen der CIR/CCC an einen umfassenden Kodex, beispielsweise in Hinblick auf den Existenzlohn: Der Hinweis des Unternehmens, dass die Zahlung eines existenzsichernden Lohns wichtig sei, weist eher darauf hin, dass sich Kübler nicht selbst in der Verantwortung sieht, gemeinsam mit seinen Lieferanten an der Lohnproblematik zu arbeiten, sondern sie eher an diese abschiebt. Die Lohnfrage kann aber nur über eine Zusammenarbeit gelöst werden, schließlich ist es der Preisdruck der Hersteller, der oft zu niedrigen Löhnen in den Produktionsländern führt. Darüber hinaus ist es aus CIR-Sicht nicht zielführend, ein Land wie Usbekistan aufgrund vorhandener Kinderarbeit auszuschließen. Anstelle eines Boykottes sollte in Zusammenarbeit mit lokalen Akteur*innen darauf hingewirkt werden, die Bedingungen vor Ort zu verbessern. Auch wenn die Mitgliedschaft bei BSCI ein erster Schritt ist, erfüllt BSCI nicht die Kriterien, die von der CCC gestellt werden, beispielsweise in Bezug auf die Verpflichtung der Unternehmen, einen Existenzlohn zu zahlen oder die Forderung nach einem Management System Audit. Würde Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co KG einer unabhängigen Verifizierungsinitiative wie z.B. der Fair Wear Foundation (FWF) beitreten, wäre dies ein wichtiger Schritt hin zu einem glaubwürdigeren, weil extern verifizierten und durch weitere Maßnahmen unterstützten Engagement im Bereich der Unternehmensverantwortung.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
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