Schöffel Sportbekleidung GmbH

Hauptsitz: Schwabmünchen
Inhaber: Hubert Schöffel, Peter Schöffel
Geschäftsführung: Peter Schöffel, Hubert Schöffel, Felix Geiger
Mitarbeiter*innen: 202 in Deutschland
Unternehmensumsatz: 98 Mio. € (2014)
Produktionsländer: u.a. China, Vietnam, Indonesien
Produzierte/ vertriebene Marken: Eigenmarken: Schöffel, Schöffel Professional Wear

Das Unternehmen Schöffel Sportbekleidung GmbH hat seinen Hauptsitz in Schwabmünchen. Es beschäftigt in Deutschland 202 Mitarbeiter*innen. Laut Firmenauskunft ist das Unternehmen internationaler Marktführer im Bereich Sportbekleidung. Das Unternehmen ist Hersteller von Schutzbekleidung, Ski-, Outdoor- und Funktionsbekleidung. Das Unternehmen hat ca. 2400 Verkaufsstellen in Deutschland.

1. Transparenz
Schöffel Sportbekleidung GmbH hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt und weitere Informationen und Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur. Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist und ist daher transparent im Hinblick auf Maßnahmen und Standards im Bereich Unternehmensverantwortung. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Zulieferkette, Produktionsländer und Produktionsstätten, die Kontaktdaten der Produktionsstandorte liegen der Fair Wear Foundation (FWF) vor.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht unter 10 % des Umsatzes des Unternehmens Schöffel aus. Die Belieferung mit Schutzbekleidung und Outdoorbekleidung, wie z. B Regenjacken, erfolgt an Länder, Bund und zentrale Beschaffungseinrichtungen.
Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Mindeststandards in Form einer abgestuften Bietererklärung (mit den Möglichkeiten Eigenerklärung, Zertifikat oder Zusicherung), Vorlage eines Verhaltenskodex, Siegel oder Zertifikat, Nachweis über die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Multistakeholder-Initiative (MSI), Berichte über die Einhaltung der Kernarbeitsnormen in der Produktion erbringen zu müssen. Diesen Forderungen kommt Schöffel nach eigenen Angaben nach.
Das Unternehmen schätzt die genannten Faktoren für die öffentliche Hand wie folgt ein: Preis sehr wichtig (6/6), die Qualität wichtig (5/6), die Umwelt und die Arbeitsbedingungen von mittlerer Bedeutung (4/6).

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen besitzt keine eigene Produktionsfirma, sondern 20 Direktlieferanten, die in eigener Fabrik produzieren, 13 Subproduzenten der Direktlieferanten und 8 Agent*innen. Das Unternehmen hat Verträge mit Lieferanten in Deutschland (0,6 % Produktionsanteil), Lettland (2,6 % Produktionsanteil), Polen (0,7 % Produktionsanteil), Moldawien (0,05 % Produktionsanteil), Bulgarien (6,5 % Produktionsanteil), Serbien (3,3 % Produktionsanteil), Italien (0,6 % Produktionsanteil), Türkei (5,3 % Produktionsanteil), Tunesien (0,5 % Produktionsanteil), China (36,05 % Produktionsanteil), Vietnam (34,2 % Produktionsanteil), Indonesien (9,6 % Produktionsanteil) und ein Produktionspartner besitzt eine Fabrik in Äthiopien.
Zur Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt das Unternehmen an, seit mehr als 10 Jahren mit 21,5 % der Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 25 %, seit weniger als 5 Jahren mit 32 % und seit weniger als 2 Jahren mit 21,5 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist. Er ist in deutscher und englischer und in mehr als 20 weiteren Sprachen veröffentlicht. Als Mitglied der FWF verpflichtete sich die Firma auf einen weitreichenden Kodex und über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen hinaus dazu, dem Recht der Arbeiter*innen auf einen Existenzlohn nachzukommen (d.h., dass der Lohn bei einer Regelarbeitszeit den Grundbedarf der Arbeiter*innen und ihrer Familie deckt und zusätzlich frei verfügbares Einkommen übrig lässt) und für ein sicheres Beschäftigungsverhältnis sowie eine angemessene Überstundenregelung Sorge zu tragen.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex gilt vertraglich für Agent*innen, Direktlieferanten und deren Subproduzenten. Das Unternehmen hat folgende vertraglich verpflichtende Vorgaben für im Ausland produzierte Waren: Alle Konfektionär*innen verpflichten sich, den sogenannten „Questionnaire“ (Fragebogen & Forderungskatalog) der FWF auszufüllen und ihm zuzustimmen (Auszüge des Vertrags wurden im Rahmen der Befragung vorgelegt). Darin werden die Forderungen der FWF explizit benannt und erklärt. Die Lieferanten müssen eine entsprechende Mitarbeiter*inneninformation öffentlich aushängen (abgefasst in der jeweiligen Landessprache), um alle Mitarbeiter*innen bzgl. der Verpflichtungserklärung zur Einhaltung der Standards zu informieren. Die Lieferanten müssen Audits durch externe Audit-Teams zulassen und sich zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen verpflichten.
Das Unternehmen hat folgende Vorgaben, wenn es Waren in Ländern außerhalb Deutschlands produzieren lässt: Declaration of Product Compliance (beinhaltet alle Anforderungen bezüglich Sozialstandards und Produktsicherheit und muss von jedem Produzenten eingehalten und schriftlich bestätigt werden) und die Beantwortung des Fragebogens der Fair Wear Foundation.
Das Unternehmen ergreift folgende Maßnahmen, um die Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes zu unterstützen: Infomaterial, persönliche Beratung und ggf. auch finanzielle Unterstützung; Vermehrt werden auch Trainings der Arbeiter*innen in den Zulieferfabriken von Schöffel von Seiten der FWF durchgeführt; jede Einkäufer*in ist aufgefordert, aufmerksam durch die Fertigung zu gehen und zu melden, wenn ihm etwas Ungewöhnliches auffällt - fehlende Schutzkleidung, versperrte Rettungswege, schlechte Belüftung o.ä. Für diese Maßnahmen kommen das Unternehmen und der Zulieferer auf.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Um die Einhaltung des Verhaltenskodexes zu überprüfen, führt das Unternehmen bei allen Lieferanten soziale Audits durch. Das Unternehmen beauftragt die externe Organisation FWF mit der Durchführung der Audits. Dort wo die FWF nicht aktiv ist (Äthiopien, Serbien, Indonesien), werden die Auditunternehmen Sumations, UL oder TÜV Rheinland mit der Durchführung beauftragt. Bei den Audits werden Direktlieferanten, Subproduzenten und Agent*innen geprüft. Die Audits finden seltener als alle zwei Jahre statt. Die Audits werden immer angekündigt. Die Kosten für die Audits trägt das Unternehmen Schöffel selber. Im Jahr 2014 wurden 91 % des Produktionsvolumens aus auditierten Fabriken bezogen. Um die Fortschritte der Lieferanten zu überprüfen, besuchen die Einkäufer*innen des Unternehmens die Fabriken regelmäßig. Außerdem führt die FWF in regelmäßigen Abständen Verification Audits durch.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist Mitglied der Fair Wear Foundation, einer unabhängigen Multi-Stakeholder Verifizierungsinitiative, die die soziale Verantwortung der Unternehmen nicht nur durch Audits, sondern auch durch eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen verifiziert und bei der auch die Überprüfung der Einkaufspraktiken der Unternehmen eine Rolle spielt.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Das Unternehmen verfügt nicht über Fairtrade zertifizierte Baumwolle. Ein bis zwei Prozent der verwendeten Baumwolle ist als Organic Cotton gekennzeichnet und GOTS oder OE Blended zertifiziert. Das Unternehmen schreibt zur Zahlung existenzsichernder Löhne, dass sie als Mitglied der FWF die Zahlung existenzsichernder Löhne unterstützen und schrittweise mit den Produzenten an der Verbesserung des Lohnniveaus arbeiten, um langfristig die Zahlung der existenzsichernden Löhne zu garantieren. Hier gibt es aber keine zeitlichen Fristen.

5. Kommentar der CIR
Die Mitgliedschaft von Schöffel Sportbekleidung GmbH bei der FWF und die damit verbundene Verpflichtung zu hohen sozialen Standards seit 2011 ist lobenswert. Das Engagement in Bezug auf soziale Verantwortung des Unternehmens ist überdurchschnittlich. Das Unternehmen hat mit dem Brand Performance Check 2015 den Leader-Status erreicht und gehört zu den 10 % der engagiertesten Mitglieder der FWF. Die Verwendung von Fairtrade-zertifizierter Baumwolle und eine detaillierte Offenlegung der Produktionsstätten auf der Webseite sowie die Verpflichtung auf einen zeitlichen Rahmen zur Implementierung eines existenzsichernden Lohns wären zusätzliche Schritte, die zu begrüßen wären.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
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