Wattana GmbH

Hauptsitz: Hohenstein-Ernstthal
Inhaberin: Gabriele Götze
Geschäftsführung: Gabriele Götze
Mitarbeiter*innen: 40 in Deutschland, 42 weltweit
Unternehmensumsatz: Knapp 3 Mio. € 2013 (Rohergebnis)
Produktionsländer: Mazedoniern, Bulgarien, Türkei, Albanien, Tschechien
Produzierte/ vertriebene Marken: Eigenmarke: Wattana

Das Unternehmen Wattana GmbH wurde 1950 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Hohenstein-Ernstthal. Es beschäftigt in Deutschland 40 Mitarbeiter*innen und weltweit 42. Das Unternehmen ist Hersteller von Arbeitskleidung, Corporate Fashion und Schutzbekleidung.

1. Transparenz
Wattana GmbH hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Das Unternehmen ist bemüht transparent zu sein im Hinblick auf die Unternehmensstruktur. Für die Umsätze verweist es auf den Bundesanzeiger. Das Unternehmen hat sich dem Verhaltenskodex von BSCI verpflichtet, der aber auf der firmeneigenen Website nicht einzusehen ist. Das Unternehmen macht zwar Angaben zu den Produktionsländern, ist aber nicht bereit, weitere Informationen zu Standorten oder Prozentangaben zur Auftragsverteilung bei Lieferanten zu geben.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht über 75 % des Umsatzes der Wattana GmbH aus. Die Belieferung mit Arbeitskleidung und Schutzbekleidung erfolgt an Kommunen, Länder, Bund und an zentrale Beschaffungseinrichtungen. Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Mindeststandards in Form von Vorlage eines Verhaltenskodex bzw. Nachweis über die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Überprüfungsinitiative erbringen zu müssen. Diese Nachweise erfolgen laut eigenen Angaben des Unternehmens.
Das Unternehmen schätzt die genannten Faktoren für die öffentliche Hand wie folgt ein: Preis als sehr wichtig (6/6), die Qualität wichtig (5/6), die Umwelt und die Arbeitsbedingungen von mittlerer Wichtigkeit (4/6).

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen besitzt keine eigene Produktionsfirma, sondern 15 Direktlieferanten, die in eigener Fabrik produzieren und 3 Agent*innen. Das Unternehmen hat Verträge mit Lieferanten in Mazedonien, Bulgarien, Türkei, Albanien und Tschechien. Zur Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt die Wattana GmbH an, seit mehr als 10 Jahren mit 30 % der Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 30 %, seit weniger als 5 Jahren mit 30 % und seit weniger als 2 Jahren mit 10 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
Das Unternehmen hat sich dem Verhaltenskodex von BSCI verpflichtet. In Übereinstimmung mit den ILO-Konventionen wird das Recht auf Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen gewährt, es besteht das Verbot der Diskriminierung, gesetzliche Mindestlöhne müssen anerkannt werden und die Überstundenzahlung ist geregelt. In Fällen, in denen die Löhne weder die Grundbedürfnisse decken noch frei verfügbares Einkommen belassen, werden die Unternehmen lediglich ermutigt, eine angemessene Vergütung zu zahlen. Sie werden aber in keiner Weise dazu verpflichtet. Eine Regelung sicherer Beschäftigungsverhältnisse wird nicht berücksichtigt.
Das Unternehmen hat folgende Vorgaben, wenn es Waren in Ländern außerhalb Deutschlands produzieren lässt: „Kundenanforderungen“. Welche das genau sind und ob die auch Kriterien zu Arbeits- und Sozialstandards in der Lieferkette umfassen, ist unklar.

4.1 Kodexumsetzung
Aus der Beantwortung des Fragebogens wird nicht ersichtlich, für wen der Verhaltenskodex gilt.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Das Unternehmen führt keine Audits durch, gibt aber an, darauf zu achten, dass sich Vorlieferanten selbst zu einem Verhaltenskodex verpflichtet haben oder gewisse Standards dort, z.B. durch andere Auftraggeber, die Mitglied bei BSCI oder FWF sind, ohnehin gelten. Um Fortschritte der Lieferanten zu überprüfen gibt Wattana an, dass die Einkäufer*innen des Unternehmens regelmäßig die Fabriken besuchen.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist Mitglied bei der Monitoring Initiative BSCI.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Das Unternehmen verfügt über Fairtrade zertifizierte Baumwolle in einer Menge die von der Nachfrage des Kunden abhängt. Das Unternehmen gibt jedoch nicht an, um welchen Prozentsatz es sich handelt. Das Unternehmen schreibt zur Zahlung existenzsichernder Löhne, dass es nur mit Lieferanten und Produzenten zusammenarbeitet, in deren Ländern ein gesetzlicher Mindestlohn gilt.

5. Kommentar der CIR
Das Unternehmen Wattana hat zwar den Fragebogen der CIR umfangreich und unverzüglich beantwortet, ist jedoch nicht transparent im Hinblick auf Offenlegung der Zulieferkette oder der Produktionsstätten. Das Unternehmen verweist auf den BSCI Verhaltenskodex, den es als Mitglied der Monitoringorganisation verabschiedet hat, dieser findet sich aber nicht auf der firmeneigenen Webseite. Auch führt das Unternehmen keine unabhängigen Kontrollen oder Verifizierungsmaßnahmen durch, um die Einhaltung des Kodex sicherzustellen. Als Maßnahmen zur Umsetzung und Kontrolle der Sozialstandards in den Zulieferketten gibt es lediglich an, dass die Einkäufer*innen die Betriebe regelmäßig besuchen; weitergehende Maßnahmen wie Trainings gibt es nicht. Die Angaben von Wattana z.B. zum existenssichernden Lohn vs. Mindestlohn (was nicht dasselbe ist) und zu den Maßnahmen zur Umsetzung des Kodex lassen vermuten, dass sich das Unternehmen bisher noch nicht sehr intensiv mit dem Thema Sozialstandards in Zulieferketten auseinandergesetzt hat, bzw. darauf setzt, dass die Fabriken von sich aus Standards einhalten oder diese über andere Auftraggeber abgedeckt sind. Auch wenn die Mitgliedschaft bei BSCI ein erster Schritt ist, erfüllt BSCI nicht die Kriterien, die von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) gestellt werden, wie beispielsweise in Bezug auf die Verpflichtung von Unternehmen, einen Existenzlohn zu zahlen, die Regelung sicherer Beschäftigungsverhältnisse oder die Forderung nach einem Management System Audit. Auch gilt BSCI nicht als unabhängiges Verifizierungsinstrument. Um Arbeitsrechte und soziale Mindeststandards in den Zulieferketten glaubwürdig um- und durchzusetzen und mehr Transparenz zu beweisen, wird Wattana GmbH dringend empfohlen, seinen Kodex auszuweiten, Maßnahmen und Aktivitäten zur Umsetzung des Kodexes zu entwickeln und diese Aktivitäten durch eine unabhängige Multistakeholder-Initiative, wie z.B. der Fair Wear Foundation, verifizieren zu lassen.

Ihr Ansprechpartner

Christian Wimberger

Christian Wimberger

Arbeitsrechte, verantwortliche öffentliche Beschaffung
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