Adidas - Der Fall Hermosa

Chronik des Falls
2005
ArbeiterInnen des adidas-Zulieferers Hermosa Manufacturing in El Salvador litten jahrelang unter massiven Arbeitsrechtsverletzungen. Im Mai 2005 nahmen die ArbeiterInnen allen Mut zusammen und gründeten eine Betriebsgewerkschaft. Daraufhin wurden sie von der Arbeit suspendiert. Ein klarer Bruch des adidas-Verhaltenskodex. Lange protestierten die Arbeitslosen trotz massiver Einschüchterungsversuche vor den Fabriktoren. Von heute auf morgen standen die ArbeiterInnen ohne Einkommen da und wussten nicht, wie sie ihre Familien satt bekommen sollten, die Fabrik wurde geschlossen. adidas verweigerte die Unterstützung entlassener Gewerkschafterinnen, die Jahre lang für den Konzern nähten obwohl adidas in seinem Kodex Gewerkschaftsfreiheit und Sozialleistungen zusichert. Die CCC informierte adidas seit dem Jahr 2000 über die Missstände bei dem salvadorianischen Zuliefererer Hermosa, ohne dass adidas seiner Verantwortung nachkam. Und auch nach der endgültigen Fabrikschließung stellte adidas sich stur. Eine der renommiertesten juristischen Stiftungen El Salvadors, FESPAD, untersuchte vier Jahre nach der Fabrikschließung die Lebensverhältnisse der Ex-Hermosa-ArbeiterInnen: Lediglich fünf Prozent der vormals bei Hermosa Angestellten hatten wieder eine Festanstellung gefunden. Grund dafür sind die sog. ‚Schwarzen Listen’. Auch hat sich der Gesundheitszustand ihrer Kinder mit der Fabrikschließung verschlechtert; oftmals mussten Minderjährige den Schulbesuch unterbrechen und arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen.
2006
Dank des Aufsehens, den der Fall verursacht hat, musste sich der Fabrikbesitzer, Salvador Montalvo, 2006 vor Gericht verantworten, weil er den ArbeiterInnen Sozialbeiträge veruntreut hatte und ihnen noch den Lohn schuldet. Und natürlich verstieß auch die Fabrikschließung wegen der Gründung einer Gewerkschaft gegen die Landesgesetze. Dass der Prozess überhaupt statt fand, war alleine schon ein großer Erfolg in einem Land, in dem die Mächtigen in den meisten Fällen noch immer straffrei ausgehen. Montalvo wurde zu zwei Jahren Gefängnis wegen der Veruntreuung der Sozialbeiträge verurteilt.
In Zivilprozessen haben 16 ArbeiterInnen ebenso Recht bekommen. Allerdings hieß dies noch lange nicht, dass eine Entschädigung an sie gezahlt wird. Bereits im Dezember 2005 legte die CIR, bei der Fair Labor Association (kurz: FLA), bei der viele der ehemaligen Auftraggeber von Hermosa (adidas, Nike, Puma u.a.) Mitglied sind, eine externe Beschwerde ein. Aufgrund fortgesetzter Bemühungen der CIR und des internationalen Sekretariats der CCC willigte die FLA ein, einen Nothilfefonds für die entlassenen ArbeiterInnen einzurichten, in den die Markenfirmen einzahlen sollten. Im Dezember 2006 wurde ein Nothilfefonds für die ArbeiterInnen ins Leben gerufen, in den auch adidas ca. 17.000 US-Dollar eingezahlt hat. Eine geringe Summe im Verhältnis zu dem, was den ArbeiterInnen eigentlich zusteht.
2007
Die CCC hat – neben der Verantwortung der Markenunternehmen – immer auch die Verantwortung der Regierung El Salvadors für die Arbeitsrechtsverletzungen betont. Am 29.10.07 veröffentlichte adidas ganzseitige Zeitungsanzeigen in den beiden großen Zeitungen El Salvadors. Sollte sich die arbeitsrechtliche Situation in den Maquilas El Salvadors nicht verbessern, so adidas, sehe sich der Weltkonzern genötigt, sich aus El Salvador zurück zu ziehen.
Im Dezember 2007 brachten die entlassenen Hermosa-GewerkschafterInnen, gemeinsam mit anderen Organisationen der Zivilgesellschaft (Gewerkschaften, Frauenorganisation u. a. – viele davon CIR-PartnerInnen) über die FMLN, die Linksparte El Salvadors, eine Petition ins Parlament ein.
2009
Die CCC forderte die adidas-Aktionäre bei der Hauptversammlung 2009 in Fürth auf, den Vorstand und den Aufsichtsrat so lange nicht zu entlasten, bis der „Hermosa-Skandal“ ausgeräumt ist.



Diese Website wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union betreut. Die darin vertretenen Standpunkte geben die Ansicht der Christlichen Initiative Romero wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Europäischen Gemeinschaft dar.
Das DZI bescheinigt der Christlichen Initiative Romero einen verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern.