Aktiv für menschenwürdige Löhne

Befreit Frauen aus der Armut!

Zum Internationalen Frauentag (08. März) macht die Kampagne für Saubere Kleidung auf die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen in der asiatischen Bekleidungsindustrie aufmerksam und fordert Unternehmen auf, einen existenzsichernden Lohn zu zahlen. Gerade Frauen leiden schwer unter den in der Branche üblichen Hungerlöhnen. Sie können ihre Familien trotz harter Arbeit nicht ausreichend versorgen. Die ‚Asia Floor Wage’-Kampagne schlägt einen ‚Asiatischen Grundlohn’ vor, der Frauen und ihre Familien aus der Armut befreien soll.

Beteiligen Sie sich hier und fordern Sie internationale Unternehmen auf, einen existenzsichernden Lohn zu zahlen. 

Frauen in der asiatischen Bekleidungsindustrie
In vielen Ländern Asiens wie beispielsweise in Pakistan, Bangladesch oder Indien stellen Frauen 80 bis 90 Prozent der Arbeitskräfte in der Bekleidungsindustrie. Viele der jungen Frauen kommen vom Land und arbeiten in den Textilfabriken in den Städten, um ihren Familien beim Überleben zu helfen. Die Beschäftigung stellt für viele Frauen zum einen ein Gewinn dar, denn sie verdienen ein wenig Geld und das hat sie in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Zum anderen leben sie entwurzelt in den Städten und sind der Willkür von Aufsehern ausgesetzt.

Zu niedrige Mindestlöhne
Die gesetzlichen Mindestlöhne in asiatischen Ländern reichen nicht aus, um den Grundbedürfnissen nach Nahrung, Obdach, Bekleidung, Bildung und Gesundheitsfürsorge nachzukommen. In einigen Ländern wie Indien, Sri Lanka, Vietnam, Bangladesch, Pakistan und Kambodscha erreicht der gesetzliche Mindestlohn noch nicht einmal international definierte Armutsgrenzen. Durch verbreitete Missachtung von gesetzlichen Lohnbestimmungen erhalten die ArbeiterInnen aber oft noch niedrigere Nettolöhne, die zur Deckung der zusätzlich steigenden  Lebenshaltungskosten nicht ausreichen. Die gesundheitlichen Folgen für Frauen, insbesondere Schwangere, sowie Kinder sind dramatisch. Hunger prägt ihren Alltag.

Diskriminierung von Frauen
Frauen werden noch schlechter bezahlt als Männer, sogar wenn sie dieselbe Tätigkeit ausüben. In Kambodscha beispielsweise liegt der Verdienst von Frauen bis zu 40 Prozent unter dem von Männern. Die Ungleichbehandlung der Geschlechter führt auch dazu, dass Arbeiterinnen — wenn sie denn in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis stehen — schlechtere Chancen auf Beförderung haben. Im Allgemeinen ist der Großteil der Vorgesetzten männlich, während die Mehrheit der ArbeiterInnen weiblich ist. Die Arbeitsbereiche sind meistens nach Geschlechtern aufgeteilt, wobei die “männlichen” Beschäftigungen besser bezahlt werden.

In der Schattenwirtschaft
Besonders niedrig sind die Löhne in den sich ausbreiteten informellen Arbeitsverhältnissen, in denen gerade Frauen beschäftigt sind. Sie werden als Gelegenheitsjobber und Heimarbeiterinnen eingesetzt, um als zusätzliche flexible Arbeitskräfte Aufträge in letzter Minute fertig zu stellen oder Auftrags- und Preisfluktuationen abzufangen.

Arbeiten bis zum Umfallen
Überstunden und Zusatzschichten werden gefahren, da dies der einzige Weg zum Überleben ist. „Wenn Hochbetrieb herrscht, arbeiten wir bis zwei oder drei Uhr morgens. Und zwar immer in Doppelschichten. Wir haben keine Wahl. Wir brauchen Überstunden, weil unsere Grundlöhne zu niedrig sind“, berichtet eine thailändische Arbeiterin. Aber die hohe Zahl an Arbeitsstunden lässt keinen Raum mehr für Ausbildung, den Haushalt, die Erziehung der Kinder oder andere soziale Aktivitäten.

Dreifache Belastung: Arbeit, Haushalt und Erziehung
Frauen stehen vor einer dreifachen Belastung: Erstens ernähren sie ihre Familie; oft arbeitet der Ehemann nicht, verdient zu wenig oder zu unregelmäßig oder hat die Familie verlassen. Zweitens tragen Frauen neben ihrer Lohnarbeit auch die Verantwortung für den Haushalt; nach langen und anstrengenden Tagen müssen sie noch Wäsche waschen, putzen und kochen. Im Gegensatz zu den Brüdern müssen die Mädchen auf Bildung oder Freizeit verzichten, um im Haushalt zu helfen. Und drittens sind Frauen dafür verantwortlich, die Kinder aufzuziehen und zu erziehen. Ihr unermüdlicher Einsatz wird jedoch selten in der Gesellschaft anerkannt.

Allein im täglichen Kampf
Die langen Arbeitstage und die große Belastung lassen Frauen wenig Zeit für Gewerkschaftstreffen. Ohne einen regulären Vertrag oder eine andere Form von Beschäftigungssicherheit ist es auch viel schwieriger, sich an gewerkschaftlichen Aktivitäten zur Durchsetzung von Lohnerhöhungen zu beteiligen. Zudem ist es Frauen oft schwer möglich, sich in einer von Männern dominierten Gesellschaft oder Betriebsleitung Gehör zu verschaffen oder sich zu beschweren, da ihnen oft das Selbstbewusstsein fehlt. Schikane und Diskriminierung von Frauen ist in Betrieben häufig genug ein wirksames Mittel, um die Arbeiterinnen zu verängstigen und unterwürfig zu halten.

Stress und Krankheit
Die vielen Überstunden wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Durch die langen Schichten fehlt den Arbeiterinnen frische Luft und Sonnenlicht sowie Schlaf und Erholung. Gesundheitliche Anfälligkeit und ständiges Unwohlsein sind die Folge. Jahrelange Arbeit in heißen und überfüllten Räumen mit schlechter Belüftung und Beleuchtung, Staub und giftigen Chemikalien sowie schlechte ergonomische Ausstattung des Arbeitsplatzes, dazu Überarbeitung, dies alles zusammen fordert unweigerlich seinen Tribut von den Menschen. Arbeiterinnen, die nicht mehr Schritt halten können oder aufgrund von Alter, arbeitsbedingten Unfällen und Krankheiten gezwungen sind, ihren Arbeitsplatz aufzugeben, finden sich dann nur allzu oft ohne Gesundheitsversicherung und Rente wieder.

Zerstörtes Familienleben
Übermäßige Überstunden reißen auch das Familienleben auseinander. Die Frauen stehen vor dem unvereinbaren Spagat der langen Arbeitstage und ihrer Verpflichtung für die Familie. „Morgens um sechs Uhr breche ich zuhause auf und komme um neun Uhr abends zurück. Wenn ich gehe, liegt meine Tochter noch in ihren Träumen, wenn ich nachhause komme, ist sie schon wieder zu Bett gegangen. Mein Gesicht sieht sie nur an einem Tag der Woche,“ erzählt Amanthi, eine Arbeiterin aus Sri Lanka. In anderen Fällen werden die Kinder zu weit entfernt lebenden Verwandten geschickt, und können nur wenige Male im Jahr besucht werden. Kinder werden aus der Schule genommen, da die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können oder die Kinder zum Familieneinkommen beitragen oder auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen müssen.

In Krisenzeiten bekommen Frauen und Mädchen die negativen Auswirkungen deutlicher zu spüren als Männer. Mädchen werden schlechter ernährt und früher aus der Schule genommen als ihre Brüder. Frauen sind die ersten, die die finanzielle Verantwortung übernehmen, wenn ihre Familien es nicht mehr schaffen, über die Runden zu kommen.