Konzerne unter der Lupe
Adidas

Adidas Gruppe

Herzogenaurach, Deutschland

Adidas und Mizuno müssen endlich Verantwortung zeigen!

Wichtiges Treffen steht bevor

Seit Jahren schon fordern die Arbeiter*innen Entschädigungen. Foto: Clean Clothes Campaign

11. Oktober 2016 - Mizuno und Adidas wehren sich noch immer dagegen, 346 Arbeiterinnen in Indonesien eine angemessene Entschädigung zu zahlen nachdem sie aus einer Zulieferfabrik fristlos entlassen wurden. Einige von ihnen hatten bereits 5 Jahre in der Fabrik gearbeitet und dort tausende Mizuno und Adidas Sportschuhe genäht. Ihnen wurde nach der Kündigung nur eine lächerliche niedrige Abfindung geboten. -Weit entfernt von 500 Euro, der Summe, die ihnen rechtmäßig zustehen würde. Die Frauen haben Mizuno für diesen Donnerstag eingeladen, um endlich zu einer abschließenden Einigung zu kommen

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Zu geringe Löhne für Näher*innen, Intransparenz beim Umweltschutz und bei der Gentech-Baumwolle

Dachverband fordert Hainer-Nachfolger Rorsted auf, Situation in Zulieferfirmen zu verbessern

Pressemitteilung des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre

10.05.2016 - Bei der Hauptversammlung der Adidas AG am 12. Mai in Fürth fordert der Dachverband vom künftigen Vorstandsvorsitzenden Kasper Rorsted mehr Transparenz im Umweltschutzbereich und bei  gentechnisch manipulierter Baumwolle sowie spürbare Verbesserungen für Arbeiter*innen in Zulieferfirmen.  "Wir werfen dem zweitgrößten Sportartikelkonzern der Welt vor, dass in seinen Zulieferfabriken keine existenzsichernden Löhne, sondern nur der gesetzlichen Mindestlohn gezahlt wird", sagt der Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionäre, Markus Dufner.

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Arbeitsrechte am Pranger

 

Adidas ging aus der 1924 gegründeten Gebrüder Dassler Schuhfabrik hervor. Namensgeber Adi Dassler begann mit der Produktion von Sportschuhen, seit den 1960er Jahren stellt das Unternehmen auch zunehmend Sporttextilien und Zubehör her. Mit einem Anteil von jeweils knapp 45% am Gesamtumsatz liegt der Fokus auf der Schuh- und Bekleidungsproduktion. Die Marken Adidas und Reebok sind im Groß- bzw. Einzelhandelssegment zusammengefasst.

Beschaffung

Die weltweite Beschaffung wird von der hundertprozentigen Tochtergesellschaft Adidas Sourcing Ltd. mit Sitz in Hongkong verantwortet. Adidas besitzt 13 eigene Produktionsfirmen, bezieht allerdings den Großteil seiner Produkte von über 1.200 Direktlieferanten aus 69 Ländern und arbeitet mit 45 Lizenznehmern zusammen, die ihre Produkte wiederum von über 300 Firmen in 45 Ländern beziehen.

Zulieferer

Adidas veröffentlichte zuletzt im Mai 2013 eine Liste mit allen Fabriken. Leider wird in dieser nicht zwischen direkten Zulieferern und Unterlieferanten unterschieden. Auch wird keine Auskunft über die Angestelltenzahlen und die Produktionsraten der einzelnen Fabriken gegeben. In punkto Transparenz gibt es hier also noch Verbesserungsbedarf.

Zahlen und Daten zum Unternehmen

Adidas Group

Marken: Adidas, Reebok, TaylorMade, Rockport

Unternehmensform

Aktiengesellschaft

Unternehmenssitz

Herzogenaurach

Anzahl der Mitarbeitenden

46.623 (2012) weltweit

Umsatz

14,88 Mrd. Euro (2012)

Gewinn

524 Mio. Euro (2012)

Produktion und Zulieferer

Adidas ließ 2013 weltweit bei ca. 1.000 direkten Zulieferern und sogenannten Sub-Lieferanten sowie Lizenznehmern in mehr als 60 Ländern produzieren. Mehr als die Hälfte davon in China. Die wichtigsten Produktionsländer sind:

  • Amerika: USA (110 Fabriken), Argentinien (26), Brasilien (53), Kanada (33), Mexiko (22)
  • Asien: China (503), Vietnam (107), Indonesien (72), Japan (70), Taiwan (53), Indien (50), Südkorea (42), Kambodscha (32)
  • Europa: Deutschland (32), UK (32), Spanien (21), Italien (20), Türkei (18)

Adidas veröffentlichte zuletzt im Mai 2013 eine Liste mit allen Fabriken. Leider wird in dieser nicht zwischen direkten Zulieferern und Unterlieferanten unteschieden. Auch wird keine Auskunft über die Angestelltenzahlen und die Produktionsraten der einzelnen Fabriken erteilt. In punkto Transparenz gibt es also Verbesserungsbedarf.

Die Position von Adidas zu existenzsichernden Löhnen

Die Adidas-Gruppe gibt an, sich mit der Frage der fairen Löhne beschäftigt zu haben und zu dem Schluss gekommen zu sein, dass der beste Weg, um das allgemeine Wohlergehen der Arbeiter*innen zu verbessern, eine Zusammenarbeit mit ihren Geschäftspartnern auf der Unternehmensebene einschließe, um lohnbestimmende Maßnahmen einzuführen, die transparent seien und unter Berücksichtigung der Inputs von Arbeiter*innen entwickelt wurden.
Adidas führt zudem an, das Engagement von Nichtregierungsorganisationen in punkto Asia Floor Wage* (Asiatischer Grundlohn) zu schätzen und den Asiatischen Grundlohn als einen nützlichen Referenzlohn anzuerkennen, der eine breite Unterstützung von Seiten der Zivilbevölkerung und internationaler Gewerkschaften erfahre. Adidas verlange jedoch von seinen Zulieferern nicht, dieser Methode zur Berechnung der Lebenshaltungskosten ihrer Arbeite*innen zu folgen. Adidas beschäftige sich weiterhin mit dem Thema Löhne im Rahmen ihres Engagements im Fair Wage Network.

* Die Asia Floor Wage Alliance, ein Zusammenschluss von asiatischen Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen (inkl. CCC), hat eine Formel zur Berechnung eines asiatischen Existenzlohns (Asia Floor Wage) festgelegt.

 

Adidas Lohn-Strategie

Adidas ist Mitglied des Fair Wage Networks und glaubt, dass die Arbeit des Unternehmens zur Ermittlung von fairen Löhnen sowohl den individuellen Zulieferern als auch der Adidas-Gruppe selbst dabei helfen wird, Management-Praktiken zu identifizieren, die zur Implementierung von fairen Löhnen führt.(Adidas bezieht sich hierbei auf die 12 Fair Wage Dimensionen basierend auf dem Ansatz des Fair Wage Networks). Diese Praktiken sollen in den nächsten fünf Jahren schrittweise entwickelt werden. Dazu gehöre auch die Entwicklung eines Maßstabs zur Berechnung eines existenzsichernden Lohns. Adidas macht weder Aussagen dazu, worin diese Maßstäbe bestehen, noch dazu, wann und wie sie sich konkret auf die realen Löhne der Arbeiter*innen auswirken werden.

Konkrete Maßnahmen

Laut eigenen Angaben nutzt Adidas eine sogenannte Strategische Zulieferer-Liste, über die 85 % aller Aufträge vergeben werden. Das Unternehmen gibt an, die Weitergabe von Aufträgen an Sub-Lieferanten nicht zu unterstützen.

Die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohn bzw. des vorherrschenden Industrielohns bei den jeweiligen Zulieferern von Adidas wird als Maßstab angeführt, um zu überprüfen, ob faire Löhne gezahlt werden.

Kommentar der CIR/ Kampagne für Saubere Kleidung

Es ist bedauerlich, dass ein derart großes Unternehmen wie Adidas immer noch nicht anerkennt, dass ein existenzsichernder Lohn weit über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen müsste. Obwohl sie nach ihren Angaben die „Frage der fairen Löhne“ im Rahmen ihrer Mitgliedschaft im Fair Wage Network prüfen, hat dies keinerlei praktische Verpflichtung zur Einführung fairer Löhne in den Fabriken zur Folge. Dass Adidas immer noch Daten sammelt und mehr über existenzsichernde Löhne lernen will, wird der Dringlichkeit des Problems schon lange nicht mehr gerecht. Solange der Adidas-Konzern seine signifkante Marktmacht nicht nutzt, um effektive Verbesserungen der Lohnsituation in den Zuliefererfabriken anzustoßen, bleiben Adidas’ Bemühungen hinsichtlich fairer Löhne reine CSR-Rhetorik. Die Verantwortung für Löhne, die die Grundbedürfnisse der Arbeiter*innen abdecken, darf nicht auf die Zulieferer abgewälzt werden! Zumal diese von Konzernen wie Adidas massiv unter Druck gesetzt werden, billig zu produzieren.

In einem Interview für die Wirtschaftswoche kommentierte Adidas Vorstandsvorsitzender und CEO Herbert Hainer, dass das Unternehmen aufgrund der signifikanten Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns in China plant, die Produktion an einen anderen Standort zu verlagern. Dieses Vorgehen hinterlässt bei den asiatischen Regierungen das eindeutige Signal, dass die Konsequenz einer Anhebung von Mindestlöhnen ist, dass sich internationale Auftrageber aus dem Land zurückziehen.

Stand: April 2014

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