Adidas - Der Fall Hermosa

Nothilfefonds eingerichtet

Nach monatelangem Druck auf die ehemaligen Hermosa-Auftraggeber wie Adidas und Nike konnte die FLA am 22. Dezember 2006 verlautbaren, dass ein Nothilfefonds für die entlassenen GewerkschafterInnen eingerichtet worden ist. Dies ist ein riesiger Erfolg für die GewerkschafterInnen und die sie unterstützenden Gruppen weltweit.

Vorangegangen waren weltweite Proteste gegen die Entlassung der GewerkschafterInnen und die Schließung der Fabrik Hermosa Manufacturing aufgrund der Gewerkschaftsgründung.

Im Dezember 2005 legte die CIR bei der Fair Labor Association (kurz: FLA), bei der viele der ehemaligen Auftraggeber von Hermosa (Adidas, Nike, Puma u.a.) Mitglied sind, eine externe Beschwerde ein. Aufgrund fortgesetzter Bemühungen der CIR und des internationalen Sekretariats der CCC willigte die FLA ein, einen Nothilfefonds für die entlassenen ArbeiterInnen einzurichten, in den die Markenfirmen einzahlen sollten. Die ArbeiterInnen, die sich in Hermosa in einer Gewerkschaft organisiert hatten, standen auch über eineinhalb Jahre nach der Fabrikschließung auf der Straße: Ohne Entschädigung, ohne Gesundheitsversorgung und ihre Namen auf „schwarzen Listen“, die verhinderten, dass sie anderswo eine Anstellung finden konnten.

Am 22. Dezember erklärte die FLA in einer Presseerklärung, dass sie den Nothilfefonds eingerichtet hatte. Die Anfangssumme betrage 36.000 US-Dollar, die den benachteiligten und diskriminierten ArbeiterInnen über die salvadorianische Organisation FESPAD ausgezahlt werden solle, was mit den ArbeiterInnen und der CCC so vereinbart worden war.

Am 29. Dezember informierte FESPAD, dass an 57 der 63 entlassenen GewerkschafterInnen die ihnen zustehende Summe übergeben worden sei.

Erfolg und Nachbesserungsbedarf

Die Einrichtung eines Nothilfefonds durch die FLA zum ersten Mal in ihrer Geschichte und die Einzahlung einiger Markenfirmen in diesen Fonds stellt einen großen Erfolg der entlassenen GewerkschafterInnen und für die sie unterstützenden Gruppen weltweit dar. Allerdings muss klar darauf verwiesen werden, dass die 36.000 Dollar keine Entschädigung der ArbeiterInnen darstellen. Hierfür ist die Summe viel zu gering – so wurden alle ehemaligen Hermosa-ArbeiterInnen über die Jahre hinweg laut einer FLA-Berechnung um über 800.000 Dollar betrogen. Zum anderen bezeichnet die FLA den Fonds selbst als Nothilfefonds. Der berechtigten Forderung der ArbeiterInnen nach der ihnen gesetzlich zustehenden Entschädigung kann dies keinesfalls gerecht werden. Auch wurde noch nichts unternommen, um den ArbeiterInnen eine neue Arbeitsstelle zu verschaffen oder den Zugang zum Gesundheitssystem für Angestellte.

Gerade die Markenfirmen, die über Jahre hinweg in Hermosa fertigen ließen und die über Jahre hinweg die konkreten Hinweise seitens der CCC über massive Arbeitsrechtsverletzungen in dieser Fabrik ignoriert haben, kommt die Verantwortung zu, den ArbeiterInnen  die ihnen zustehende Entschädigung zu bezahlen. Des weiteren müssen adidas & Co. endlich konkrete Schritte unternehmen, damit die Entlassenen und als GewerkschafterInnen Diskriminierten in anderen Fabriken, die für die Marken fertigen, eine Anstellung finden sowie dass ihnen Zugang zu einer ausreichenden Gesundheitsversorgung gewährleistet wird.

© 2017 Christliche Initiative Romero e.V.