Öffentliche Beschaffung - Nahrungs- und Genussmittel

Kaffee, Tee, Orangensaft
Die Klassiker des Fairen Handels
Kaffee, Tee und Orangensaft trinken wir täglich, obwohl die Pflanzen nicht in unseren Breitengraden wachsen, die Produkte bzw. ihre Grundstoffe also importiert werden müssen. Während Kaffee zu rund 80 Prozent von Kleinbauernfamilien angebaut wird, werden Tee und Orangen vor allem auf Plantagen für den Export produziert.
Viele Kleinbauernfamilien können mit den Preisen, die ihnen die Kaffeehändler zahlen, oft nicht einmal ihre Produktionskosten decken. Die Preise für Rohkaffee richten sich nach dem Weltmarktpreis. Und in guten Erntejahren mit einem großen Angebot an Rohkaffee sinken die Preise auf den internationalen Börsen. Zusätzlich fehlt den KaffebäuerInnen häufig sowohl der Zugang zu Informationen über die Weltmarktpreise als auch die Verhandlungsmacht gegenüber den KaffeehändlerInnen. Insbesondere in abgelegenen Regionen können die Bauern und Bäuerinnen nicht wählen, wem sie ihre Kaffeebohnen verkaufen und haben daher wenig Verhandlungsspielraum. Die niedrigen Verkaufspreise führen dazu, dass Familien sich nicht ausreichend ernähren können und die Kinder im gleichen Maße wie Erwachsene in der Landwirtschaft mitarbeiten müssen.
Auf den Kaffee-, Tee- und Orangenplantagen sind die ArbeiterInnen häufig ausbeuterischen Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Lange Arbeitstage im Akkord und zu Hungerlöhnen bestimmen ihren Alltag. Das Einkommen reicht nicht für eine angemessene Ernährung aus. Aufgrund der niedrigen Löhne ist Kinderarbeit auch auf den Plantagen ein verbreitetes Phänomen. Die Kinder erhalten einen noch geringeren Lohn als Erwachsene. Viele PlantagenbetreiberInnen ersetzen daher erwachsene ArbeiterInnen durch Kinder. Diese müssen dann auch Arbeiten verrichten, die sie körperlich überfordern, wie zum Beispiel das Tragen schwerer Lasten. Langfristige Gesundheitsschäden sind die Folge.
Neben Hungerlöhnen und ausbeuterischer Kinderarbeit sind vor allem fehlende Organisationsfreiheit und Gesundheitsrisiken durch Pestizide die drängendsten Probleme der ArbeiterInnen. Ihre Arbeitsverhältnisse sind geprägt von Entrechtung und Unterdrückung.
Kaffee, Tee und Orangensaft werden von kommunalen Einrichtungen meist in so geringen Mengen eingekauft, dass sie im Verfahren der freihändigen Vergabe ohne öffentliche Ausschreibung gekauft werden. Sie werden häufig auch dezentral von den jeweils zuständigen MitarbeiterInnen eingekauft. Das bedeutet, dass es wichtig ist, dass nicht nur zentrale Beschaffungsstellen über einen Beschluss zur öko-sozialen Beschaffung informiert sind, sondern alle MitarbeiterInnen der kommunalen Einrichtungen.
Kaffee, Tee und Orangensaft gibt es fair gehandelt. Der faire Handel bietet vor allem für die Kleinbauernfamilien wichtige Abnahme- und Preisgarantien. Darüber hinaus hat er für kleinbäuerliche und Plantagenproduktion strenge Sozial- und Umweltstandards festgelegt. Der faire Handel bietet Kaffee und Tee auch mit biologisch-organischer Zertifizierung an. Die Produkte findet man inzwischen in fast allen Supermärkten, Bioläden und Weltläden.
(Text: Gertrud Falk, FIAN Deutschland, aus: Öko-soziale Beschaffung jetzt! Ein Leitfaden für lokale Initiativen. Hrsg.: CIR, CorA, FIAN, u.a., 2010)



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