Glossar

In unserem Glossar erläutern wir die grundlegenden Begriffe, die in den Unternehmensprofilen der Grünen Modelabels sowie in der Studie zu den Gütesiegeln verwendet werden.

Beschwerdemanagement

Das Beschwerdesystem vor Ort sollte von unabhängigen MitarbeiterInnen betreut werden. Sie prüfen die etwaigen Beschwerden und geben sie an das Unternehmen oder die Sozialstandardinitiative weiter. Das Beschwerdesystem muss den ArbeiterInnen vorgestellt werden, die AnsprechpartnerInnen vor Ort müssen bekannt sein und die Sozialstandards müssen in der jeweiligen Landessprache öffentlich aushängen.

Anpassung der Einkaufspolitik

Nur wenn das Unternehmen seine Einkaufspolitik anpasst, können die geforderten Arbeitsstandards in der Zulieferkette eingehalten werden. Das Unternehmen muss langfristige Lieferbeziehungen eingehen, angemessene Abnahmepreise zahlen und massive Auftragsspitzen verhindern. Die Überprüfung der Einkaufspolitik nennt die FWF Management System Audit (MSA).

Existenzsichernde Löhne (living wages)

Existenzsichernde Löhne decken die Ausgaben, die eine Arbeiterin und die von ihr Abhängigen für ein menschenwürdiges Leben benötigen bzgl. Nahrung, Unterkunft, Kinderbetreuung, Bildung, Gesundheitsversorgung etc. Mindestlöhne hingegen sind gesetzlich vorgeschriebene Löhne, die in aller Regel für ein menschenwürdiges Leben nicht ausreichen.

Einen Lohn zum Leben fordert auch die "Kampagne für einen Asiatischen Grundlohn" (Asia Floor Wage, AFW).

Greenwashing

Greenwashing ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden (Werbemaßnahmen), die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen. Der Begriff spielt auf Grün als Symbol für Natur und Umweltschutz und Waschen im Sinne von Geldwäsche oder sich reinwaschen an.

ILO-Übereinkommen und Kernarbeitsnormen

Die ILO-Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (International Labour Organization) wurden 1998 beschlossen. Damit bekennen sich alle Mitgliedsstaaten der Organisation ausdrücklich zu den Kernarbeitsnormen, selbst wenn sie nicht alle darin enthaltenen Normen einzeln ratifiziert haben.
Vier Grundprinzipien bestimmen das Selbstverständnis und das Handeln der ILO: Vereinigungsfreiheit sowie das Recht auf Kollektivverhandlungen, die Beseitigung der Zwangsarbeit, die Abschaffung der Kinderarbeit, Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf.

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Korrekturmaßnahmen

Korrekturmaßnahmen sollten vor genommen werden, wenn bei einer Fabrikkontrolle Verstöße gegen die Arbeitsrichtlinien festgestellt wurden. Ein sogenannter Anpassungs- oder Korrekturplan setztfest, welche korrigierenden Maßnahmen durchgeführt werden und in welchem Zeitraum die Verstöße überwunden werden sollen.

Monitoring

Kontrollen des Arbeitsalltags in den Fabriken sowie die Überwachung der Einhaltung von Arbeitsnormen. Ein internes Monitoring muss es sowohl bei  Verifizierung wie auch bei Zertifizierung geben.

Multistakeholder-Initiative (MSI) 

Multistakeholder-Initiativen (MSIs) sind solche Einrichtungen, die in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Nicht-Regierungsorganisationen (NROs) und lokalen Organisationen funktionieren. Nur so können ethische Einkaufspraktiken etabliert und Transparenz gefördert werden. Die Mitgliedschaft in einer MSI ist für Unternehmen ein wertvoller Schritt, die Einhaltung ihres Verhaltenskodexes zu verbessern. Dies beinhaltet Verfahren für unabhängige Überprüfungen, die Erstellung von Verbesserungsmaßnahmeplänen (Corrective Action Plans), ethische Einkaufspraktiken, branchenweite Zusammenarbeit und die Berücksichtigung genderrelevanter Themen.

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Die komplexe Produktionskette von Kleidung im Überblick

© Sabrina Gröschke

Prüfung/Kontrolle/Audit

Als Audit wird eine formelle Kontrolle der Geschäftsbücher und Finanzberichte auf deren Richtigkeit bezeichnet. Ein Audit sollte von externen unabhängigen Personen durchgeführt werden. Beim Sozialaudit werden Belege (z.B. Arbeitszeiterfassung, Lohnzettel) untersucht und auf ihre Richtigkeit überprüft. Teilweise werden Gespräche mit einzelnen Beschäftigten geführt. Das Management-Audit überprüft, ob die Geschäftsfelder des Unternehmens so ausgestaltet sind, dass die Einhaltung des Verhaltenskodex möglich ist. Es wird dabei auch die Einkaufspraxis der Unternehmen überprüft, unter anderem die Lieferfristen und die Auftragsvergabe.

Stakeholder

Dazu gehört jede Gruppe oder Organisation, die von den Aktivitäten einer Firma betroffen ist bzw. diese selbst beeinflusst, z.B. ArbeiterInnen, Gewerkschaften, KonsumentInnen, AnwohnerInnen, LieferantInnen, AbnehmerInnen usw. Oft bestehen Interessenskonflikte mit den Aktionären (Shareholder).

Verhaltenskodex

Ein verbindlicher Verhaltenskodex ist entscheidend für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben. Er sollte drei wesentliche Anforderungen erfüllen: Vollständigkeit, Glaubwürdigkeit und Transparenz. Orientierung gibt der Verhaltenskodex der Kampagne für Saubere Kleidung, der in Anlehnung an die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) entstanden ist.

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Verifizierung

Als Verifizierung wird die Überprüfung eines Monitoringprozesses bezeichnet. Die unabhängige Verifizierung erfolgt im Rahmen einer Multistakeholder-Initiative und zielt darauf ab, herauszufinden, ob der Monitoringprozess eines Unternehmens die wichtigen Beobachtungsfelder erfasst, Probleme erkennt, und diese zielgerichtet und effektiv behebt.

Zertifizierung

Eine Zertifizierung bedeutet eine regelmäßige Inspektion auf Farmen oder in Fabriken, auf deren Grundlage ein  Siegel vergeben werden  kann. Der Anteil gelabelter Produkte ist i.d.R. relativ gering an der Gesamtmenge, spielt aber trotzdem in der öffentlichen Wahrnehmung eine wichtige Rolle.

© 2017 Christliche Initiative Romero e.V.