Haarsträubende Vorwürfe gegen Feministinnen in Nicaragua

Solidaritätsaufruf
Die von der CIR unterstützte Demonstration gegen die Kriminalisierung der Feministinnen.

Die nicaraguanische Organisation ANPDH (Asociación Nacional Pro Derechos Humanos, Nationale Vereinigung für Menschenrechte) versucht mit haarsträubenden Vorwürfen prominente Vertreterinnen der nicaraguanischen Frauenbewegung zu verfolgen und zu kriminalisieren. Über die ANPDH und deren Aktivitäten ist kaum etwas bekannt außer, dass sie einen legalen Status besitzt und dass sie unter dem Schutz des Sekretariats der Bischofskonferenz und der katholischen Rechten in Nicaragua steht. Die offiziell von der ANPDH vorgetragenen Anschuldigungen stehen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft der neunjährigen "Rosita", die Folge von mehrfachen Vergewaltigungen war und die vor einigen Jahren einelandesweite Diskussion über das in Nicaragua weit verbreitete Phänomen sexueller Gewalt (insbesondere gegenüber Jugendlichen und Kindern) und über das bis dahin weitgehend ebenfalls tabuisierte Thema der Abtreibung provoziert hatte. Damals haben die Frauen gegen die Gewalt "Rosita" in Schutz genommen. Das Mädchen hat aus eigenem Willen, mit Zustimmung der Eltern und durch einen entsprechenden Gerichtsbeschluss legal eine Abtreibung durchführen lassen. Damals hatten die FSLN und auch der Präsident Bolaños sich noch für dieses Recht ausgesprochen.

Aber inzwischen sind der neue Präsident Daniel Ortega und seine Frau Rosario Murillo ein enges Bündnis mit den konservativsten Kreisen der katholischen Kirche, was u.a. dazu führte, dass das Parlament am 13.11.2007 ausdrücklich bei nur – leider muss man unter den heutigen politischen Bedingungen in Nicaragua sogar sagen: immerhin – 19 Gegenstimmen beschloss, Abtreibungen sogar dann zu verbieten, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist oder wenn die Schwangerschaft das Ergebnis einer Vergewaltigung ist. Während der Präsident und seine Frau immer häufiger davon sprechen, dass Ortega eine "göttliche" Mission erfüllt, ist die Frauenbewegung in Nicaragua inzwischen zur stärksten unabhängigen Bewegung des Landes geworden. Da der Präsident und seine Frau persönlich in sexuellen Missbrauch und dessen Vertuschung verwickelt sind, ist zu befürchten, dass sie all ihre Macht dazu benutzen werden, um die mutigen Frauen einzuschüchtern und gegebenenfalls sogar ins Gefängnis zu werfen.

Da es sich hiermit um einen Angriff auf jegliche selbstständige Organisierung und um jegliche freie Meinungsäußerung handelt, ist dies nicht nur ein frauenspezifisches Thema, sondern eins, das die gesamte Gesellschaft angeht.

Die Christliche Initiative Romero unterstützte eine Demonstration gegen die Kriminalisierung der Feministinnen. Um den Frauen auch weiterhin finanziell zur Seite stehen zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Bitte helfen sie den Angeklagten unter dem Stichwort: Kampagne Frauen in Nicaragua