Die Armen trifft es am schlimmsten

Mit Spenden den Opfern des Hurrikans Ida in El Salvador helfen

San Salvador, 3. Dezember 2009. Die Eindrücke, die ich in diesen Tagen auf meiner Dienstreise durch El Salvador sammle, könnten bedrückender nicht sein: Zerstörte Häuser. Ganze Stadtviertel ohne sauberes Wasser. Verwüstete Felder. Um Angehörige trauernde und traumatisierte Menschen.

In der Nacht vom 7. auf den 8. November ist der Hurrikan Ida über El Salvador hinweggetobt. Innerhalb von vier Stunden fielen so viele Niederschläge wie bei dem verheerenden Hurrikan Mitch 1998 innerhalb der vier schlimmsten Tage. 12 Flüsse traten über die Ufer, es gab über 100 Erdrutsche. 37 Brücken wurden beschädigt, 3500 Häuser in Mitleidenschaft gezogen oder vollständig zerstört. 200 Menschen starben in den Geröll- und Schlammmassen, die zur Schlafenszeit über sie hereinbrachen. 75.000 Menschen sind von der Katastrophe betroffen. Die Regierung hat den nationalen Notstand ausgerufen.

Am schlimmsten hat es wieder einmal die Ärmsten getroffen. Während man in den guten Vierteln San Salvadors ruhig schlief, ging es in den tiefer gelegenen Teilen des Landes ums nackte Überleben. Wasser, Schlamm und Geröll brachen in die Siedlungen der Armen, spülten ihre Blech- und Lehmhütten fort oder brachten sie wie Kartenhäuser zum Einsturz.

Mit der Landarbeiterorganisation ANTA, einer Partnerorganisation der Christlichen Initiative Romero, habe ich die Hurrikan-Opfer am Coatepeque-See im Osten San Salvadors besucht. Hier entkam eine siebenköpfige Familie knapp dem Wasser und dem ins Haus eindringenden Schlamm, indem sie ein Loch in die Seitenwand des Hauses brach – die Tür war schon versperrt. Ein Kleinbauer zeigte mir seine Felder. An Steilhängen hatte er Bohnen angebaut. Die Ernte stand kurz bevor. Ihm ist nichts geblieben. „Der Regen hat den Boden weggeschwemmt. Die rutschende Erde riss alles mit sich“, berichtete der Mann. „Ich habe die ganze Ernte verloren. Was sollen wir nun essen?“ Nicht nur die Ernte, auch das Saatgut für das nächste Jahr hat der Bauer verloren. Und: Das Land ist nur gepachtet. Er schuldet dem Besitzer einige Säcke Bohnen. Bohnen, die er nicht ernten konnte. „Zahle ich nicht, bekomme ich nächstes Jahr das Land nicht mehr“, erklärte mir der Campesino. Insgesamt werden die Ernteschäden in El Salvador auf 27 Millionen Dollar geschätzt.

Mit unserer Partnerorganisation ORMUSA bin ich nach La Libertad gefahren, einem südlich von San Salvador gelegenen Küstenort. Insgesamt 160 Häuser wurden hier komplett zerstört. „Um ein Uhr nachts kam eine drei Meter hohe Flutwelle voller Steine und Geröll den Berg herunter und hat alles mitgerissen“, schilderte einer der Überlebenden. Die Betroffenen haben all ihr Hab und Gut verloren. „Auch alle unsere Dokumente wurden von den Fluten vernichtet. Ohne die Papiere können wir unsere Kinder nicht rechtzeitig zur Schule anmelden, keine Unterstützung beantragen, nicht einmal zum Arzt gehen“, erläuterte mir eine Frau aus einem der betroffenen Wohngebiete.

Die Menschen in La Libertad, die nichts mehr haben, sind übergangsweise in zwei Schulen und einer Polizeistation untergebracht. Diejenigen, die ihr Wellblechdach im Schlamm wieder auftreiben konnten und noch zwei bis vier Wände besitzen, mussten zurückkehren und versuchen nun, ihr Leben neu zu organisieren.

Der Hurrikan Ida war ein extremes Naturereignis. Zur Katastrophe konnte er allerdings erst werden, weil die Armen El Salvadors gezwungen sind, ihre Behausungen an äußerst gefährdeten Stellen zu errichten. Stabile Häuser zu bauen, können sie sich nicht leisten. Ihre Ernten sind besonders betroffen, da ihre Felder wegen der ungerechten Landverteilung an viel zu steilen Hängen liegen. Das Kanalsystem des Landes ist so rückständig, dass es größere Wassermassen nicht mehr zu fassen vermag. Die um sich greifende Bodenversiegelung in San Salvador und Umgebung tragen Übriges dazu bei, die Situation zu verschärfen: Niederfallender Regen kann vom Erdreich nicht mehr aufgenommen werden.

Nicht zuletzt für die Frauen hat die Katastrophe fatale Folgen: Um Wasser zu holen und Feuerholz zu sammeln, sind sie jetzt gezwungen, weite Wege zurückzulegen. Unsere Partnerinnen von ORMUSA berichten, dass es hierbei bereits zu Überfällen und Vergewaltigungen gekommen ist.

Dringend notwendig sind für die Hurrikan-Opfer dreierlei: Die Versorgung mit sauberem Wasser muss gewährleistet sein. Die vom Hurrikan Betroffenen benötigen Lebensmittel und Saatgut, um die nächste Aussaat vorbereiten zu können. Die Opfer leiden unter Traumata. Die Todesangst und die Ohnmacht, die sie gegenüber der Naturgewalt erleben mussten, lähmt sie. Um ihre Handlungsfähigkeit zurückzuerlangen, ist psychologische Hilfe unabdingbar.

Von mehreren Partnerorganisationen aus El Salvador haben die CIR Hilferufe erreicht. Sie arbeiten direkt mit den Betroffenen, versuchen dort zu helfen, wo es am nötigsten ist. Da die Christliche Initiative Romero seit vielen Jahren mit diesen Organisationen kooperiert, wissen wir: Die Unterstützung ist effektiv und kommt bei den Richtigen an. Die CIR hat ihren PartnerInnen deshalb sofortige Hilfe zugesagt. Hierfür sind wir auf Spenden angewiesen.

Wenn Sie die Nothilfe der Christlichen Initiative Romero unterstützen wollen, spenden Sie bitte unter dem Stichwort „Hurrikan IDA“ auf das Konto der CIR: Konto-Nr. 3 11 22 00, Darlehnskasse Münster  (BLZ 400 602 65).

Mit herzlichen Grüßen aus El Salvador

Maik Pflaum
El-Salvador-Referent d
er Christlichen Initiative Romero