SIEGEL UND STANDARDS

Business Social Compliance Initiative

Gründung & Ziel

Die Business Social Compliance Initiative (BSCI) ist eine Unternehmensinitiative, die 2003 von der Foreign Trade Association (FTA) gegründet wurde. Die Initiative soll Unternehmen dabei helfen, Arbeitsbedingungen in ihren globalen Lieferketten zu verbessern. Die Teilnehmer des Programms sind Markenhersteller sowie Unternehmen aus dem Einzelhandel und der Importbranche, die Produkte auf dem europäischen Markt verkaufen. Um an der BSCI teilzunehmen, müssen Unternehmen zunächst Mitglied bei der FTA werden.  Aktuell zählt BSCI mehr als 1.900 Mitglieder, darunter Aldi, EDEKA, Lidl und REWE. Die Überprüfungen von BSCI sind grundsätzlich nicht auf einen bestimmten Sektor, eine Produktgruppe oder eine Dienstleistung beschränkt. Ein Mitgliedsunternehmen muss im industriellen Bereich 2/3 seiner Zulieferer aus Risikoländern für den BSCI Prozess zur Verfügung stellen. Im Agrar-Sektor müssen beteiligte Unternehmen gewährleisten, dass am BSCI Prozess teilnehmende Zulieferer 10% des Kaufvolumens des Unternehmens ausmachen oder mindestens 15 Zulieferer in dem BSCI Prozess beteiligt sind.

Soziales

  • Der BSCI-Verhaltenskodex basiert u. a. auf den ILO-Kernarbeitsnormen, beinhaltet aber keine Forderung nach existenzsichernden Löhnen.
  • Sozialstandards gelten auch für Saison- und Zeitarbeiter*innen sowie Beschäftigte über Subunternehmen.
  • Das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird nicht aktiv gefördert, aber BSCI unterstützt den Aufbau einer unabhängigen Beschwerdestelle.
  • Aus- und Weiterbildungsangebote für Arbeiter*innen sind vorgesehen, allerdings ohne die Beteiligung lokaler Interessengruppen (Schulungen).

Ökologie

  • kein Fokus, siehe hierfür BEPI.

Glaubwürdigkeit

  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich.
  • Eine ausgewogene Vertretung unterschiedlicher Interessengruppen in Entscheidungsgremien wird nicht garantiert.
  • Die Einhaltung der Standards wird anhand von Audits kontrolliert und bewertet. Erstkontrollen erfolgen vor Ort, inklusive einer Überprüfung der Produktionsstätten, einer Einsicht in Unternehmensdokumente und Interviews mit einem Teil der Arbeiter*innen, auch außerhalb des Arbeitsplatzes.
  • Die Unternehmen werden in einem Rankingsystem von A–E eingestuft und zu kontinuierlichen Verbesserungen in den verschiedenen Bereichen angehalten. Bei einer Benotung von A oder B ist die Überprüfung zwei Jahre lang gültig. In dieser Zeit können auch unangekündigte Kontrollen durchgeführt werden. Bei einer Benotung von C–E ist die Kontrolle bis zur Folgeüberprüfung gemäß eines Korrekturplans innerhalb von 12 Monaten nötig.
  • Mehr als 20.000 Auditergebnisse stehen BSCI-Mitgliedern in einer internen Datenbank zur Verfügung.
  • BSCI veröffentlicht nur zusammengefasste Ergebnisse von Audits, aber keine Auditberichte.

Kommentar CIR

BSCI ist eine der großen Unternehmensinitiativen. Einflussreiche und bekannte Unternehmen aus den Bereichen Lebensmittel und Textilien sind Teil der Initiative. Die Sozialstandards erfüllen nur geringe Ansprüche. Existenzsichernde Löhne werden nicht gefordert, das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen nicht aktiv unterstützt. Die Umsetzung der sozialen Kriterien obliegt vorrangig den Zulieferern. BSCI berücksichtigt nicht die negativen Auswirkungen der Beschaffungspolitik ihrer Mitgliedsunternehmen auf die Arbeitsbedingungen.

Stand: August 2017

SIEGEL UND STANDARDS

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