SIEGEL UND STANDARDS

Der Blaue Engel

Gründung & Ziel

Der Blaue Engel wurde 1978 auf Initiative des Bundesministers des Inneren ins Leben gerufen. Siegel-Inhaber ist das Bundesumweltministerium, vergeben wird das Siegel von der RAL gGmbH (gemeinnützige Tochter des RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V.). Das Umweltbundesamt stellt die Geschäftsstelle der Jury Umweltzeichen, die für die Beschlüsse des Blauen Engels zuständig ist, und er¬arbeitet die Kriterien.
Produkte aus zahlreichen Bereichen wie Bauen, Computer, Papier und Textilien werden gekennzeichnet. Bei der Vergabe des Zeichens wird der gesamte Lebenszyklus des Produktes in Betracht gezogen. Die Produktgruppen werden derzeit in vier verschiedene Schutzziele eingeordnet. Seit 2009 ist gesondert gekennzeichnet, ob das Produkt Klima, Gesundheit, Wasser oder Res-sourcen schützt. Das produktbezogene Logo enthält einen detaillierten Hinweis zu den relevanten Eigenschaften des Produkts, wie z. B. „weil energieeffizient“. Aktuell findet man das Umweltzeichen auf 12.000 Produkten von 1.500 Unternehmen.

BLAUER ENGEL FÜR TEXTILIEN

Das staatliche Umweltlabel hat seit 2011 auch einen Standard für Textilien entwickelt, der sowohl Natur- als auch Synthetik-Fasern abdeckt. Es gibt für Textilien noch keinen Lizenznehmer und damit keine Kleidung, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind.

Soziales

  • Der Standard erfordert die Einhaltung aller ILO-Kernarbeitsnormen.
  • Keine weiteren sozialen Kriterien.

Ökologie

  • Die Verwendung von gefährlichen Chemikalien, die auf der REACH-Liste aufgeführt werden, ist verboten und auch alle Chemikaliengruppen, die im Zentrum der Detox-Verpflichtung stehen.
  • Der Gebrauch von gentechnisch veränderten Organismen ist verboten.
  • Der Standard beinhaltet keine Kriterien zu Verfahren des integrierten Pflanzenschutzes, keine Kriterien hinsichtlich des Wasserverbrauchs und des Abwasservolumens.
  • Nur Naturfasern aus biologischem Anbau sind erlaubt. Mindestens 85 Gewichtsprozent aller im Erzeugnis enthaltenen Fasern müssen den für die betreffenden Fasern festgelegten Kriterien entsprechen.
  • Der Standard umfasst Grenzwerte zu CO2–Emissionen in der Textilveredelung pro kg Textilien.

Glaubwürdigkeit

  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich.
  • Die Jury Umweltzeichen ist ein unabhängiges Beschlussgremium mit Vertreter*innen aus verschiedenen relevanten gesellschaftlichen Gruppen. Es beschließt die Produktgruppen und die jeweiligen Vergabekriterien, die vom Umweltbundesamt erarbeitet werden.
  • Finanzierung: Einmalige Bearbeitungsgebühr von 250 Euro bei der Beantragung des Blauen Engels; gestaffeltes Jahresentgelt zwischen 270 und 6.000 Euro.
  • Der Nachweis erfolgt über Selbsterklärungen sowie zum Teil über Prüfberichte und/oder Zertifikate wie EU-Bio. Hinsichtlich der Sozialstandards ist eine Selbsterklärung ausreichend.
  • Das Label darf auf Endprodukten angebracht werden.

Kommentar CIR

Der Blaue Engel ist das älteste Umweltzeichen und hat einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Der Fokus liegt auf ökologischen Kriterien. Wichtige Kriterien wie die Festlegung von Grenzwerten für klimaschädliche Emissionen sind Teil des Standards. Der Blaue Engel berichtet transparent über die Einhaltung und Weiterentwicklung des Standards. Es gibt spezifische Standards für unterschiedliche Produktgruppen, so auch für Textilien. Die Sozialstandards erfüllen nur geringe Ansprüche: Existenzsichernde Löhne werden nicht gefordert, das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird nicht aktiv unterstützt. Die sozialen Kriterien beschränken sich auf die ILO-Kernarbeitsnormen. Die Selbstverpflichtung reicht nicht aus, um die Einhaltung sozialer Standards in den Zulieferbetrieben zu garantieren. Unabhängige Kontrollen unter Einbeziehung lokaler Akteur*innen fehlen.

Stand: August 2017

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