Glossar - ILO-Kernarbeitsnormen

ILO-Übereinkommen und Kernarbeitsnormen

Die ILO-Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (International Labour Organization) wurden 1998 beschlossen. Damit bekennen sich alle Mitgliedsstaaten der Organisation ausdrücklich zu den Kernarbeitsnormen, selbst wenn sie nicht alle darin enthaltenen Normen einzeln ratifiziert haben.

Vier Grundprinzipien bestimmen das Selbstverständnis und das Handeln der ILO: Vereinigungsfreiheit sowie das Recht auf Kollektivverhandlungen, die Beseitigung der Zwangsarbeit, die Abschaffung der Kinderarbeit, Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf. Diese Grundprinzipien haben in
acht Übereinkommen, die auch als Kernarbeitsnormen bezeichnet werden, ihre konkrete Ausgestaltung erfahren:

  • Übereinkommen 87: Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechts
  • Übereinkommen 98: Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen
  • Übereinkommen 29: Zwangsarbeit
  • Übereinkommen 105: Abschaffung der Zwangsarbeit
  • Übereinkommen 100: Gleichheit des Entgelts
  • Übereinkommen 111: Diskriminierung (Beschäftigung und Beruf)
  • Übereinkommen 138: Mindestalter
  • Übereinkommen 182: Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit

Übereinkommen 29, 87, 98, 100, 105, 111, 135 und 138:

  • Allen Beschäftigten müssen ausreichende Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen zugesichert werden.

ILO-Konventionen über einen Mindestlohn (Nr. 26/1928 und Nr. 131/1970):

  • Demnach sollen Mindestlöhne zumindest die Grundbedürfnisse (Nahrung, Bekleidung und Unterbringung) der Beschäftigten und ihrer Familienangehörigen decken.
  • Ferner wurde in der „Erklärung der ILO über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit und ihre Folgemaßnahmen“ (ILO 1998) und in Dokumenten zur Decent-Work-Agenda und zum Existenzlohn diese Position bekräftigt.

ILO-Übereinkommen über die Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit in gewerblichen Betrieben (Nr. 001/1921):

  • 48 Wochenarbeitsstunden und maximal 12 freiwillige Überstunden werden als angemessene Arbeitszeiten angesehen. In diesem Sinne sind die Arbeitszeiten gesundheits- und sozialverträglich zu gestalten, was insbesondere überlange Arbeitszeiten ausschließt.

Das Better Working Programme der ILO

Das Better Work Programme ist eine Initiative ILO und der International Finance Corporation der Weltbank-Gruppe, welche in 8 Ländern (Kambodscha, Jordanien, Haiti, Bangladesch, Indonesien, Lesotho, Nicaragua, Vietnam)  aktiv ist. Im Mittelpunkt des Programms steht die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Textilsektor u.a. mittels der Stärkung von Gewerkschaften. Kooperiert wird dabei mit Fabriken, Regierungen und Gewerkschaften (IndustriALL Global Union und The International Trade Union Confederation (IUTC)).  In den teilnehmenden Fabriken wird ein Gremium aus Management und Gewerkschaft gebildet und geschult. Nach einer Selbst-Diagnose der Umstände durch dieses Gremium erfolgen Trainings und sogenannte Peer Learnings (Seminare mit VertreterInnen verschiedener Fabriken, um voneinander zu lernen) im Bereich Gesundheit und Sicherheit u. ä. Nach einigen Monaten erfolgt eine erste Überprüfung der Aktivitäten. Nach diesem Prozess erstatten die Fabriken den Einkäufer*innen Bericht über die Fortschritte. Die Veröffentlichung der teilnehmenden Fabriken auf der Website des Programms ist in Planung.

Die Teilnahme eines Unternehmens an diesem Programm bedeutet nicht, dass in allen Zulieferfabriken ein Prozess zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen angestoßen ist, u.a. da das Programm nur in den genannten 8 Ländern aktiv ist und sich zudem auf einzelne Fabriken beschränkt. Einzelne Erfolge sind so leider nicht repräsentativ.

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