SIEGEL UND STANDARDS

Global Organic Textile Standard

Gründung & Ziel

Der Global Organic Textile Standard ist ein Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. GOTS erfordert die Verwendung von unterschiedlichen Labeln, je nach Materialmit einem Mindestanteil an biologischem Material von bis zu 70 %. Siegel-Inhaberin ist die Global Standard gGmbH, die von einem Zusammenschluss verschiedener Organisationen gegründet wurde: Dazu gehören der IVN/Deutschland gemeinsam mit der Soil Association (England), der Organic Trade Association (USA) und der Japan Organic Cotton Association (Japan).

Soziales

  • Der Standard erfordert die Einhaltung aller ILO-Kernarbeitsnormen, aber hat keine eindeutige und verpflichtende Aussage zu existenzsichernden Löhnen.
  • Das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird nicht gefördert.
  • Es gibt keine Kriterien für Aus- und Weiterbildungsangebote für Arbeitnehmer*innen und das Management, aber Kriterien zu Schulungen im Umgang mit Chemikalien.
  • Die Einhaltung der Kriterien wird für die gesamte Wertschöpfungskette mit Ausnahme des Transports gefordert. Dies gilt auch für Subunternehmer und Lieferanten.
  • Es werden Wirkungsanalysen für die sozialen Kriterien durchgeführt.
  • Der Standard enthält keine Kriterien für Preisprämien oder garantierte Abnahmepreise.

Ökologie

  • Das Verbot zur Verwendung von gefährlichen Chemikalien reicht über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. So sind z. B. alle Chemikalien der Detox-Verpflichtung verboten.
  • Der Gebrauch von gentechnisch veränderten Organismen ist grundsätzlich verboten
  • Der Standard umfasst Kriterien zur Bewertung der Umweltrisiken.
  • Der Standard erfordert vollständiges Monitoring des Wasserverbrauchs (einschließlich des Abwasservolumens) sowie Ziele und Verfahren, um den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten.
  • GOTS stellt ein kostenloses Programm zur Messung von Wasser- und Energieströmen zur Verfügung, als Hilfe zur Einhaltung der Standardkrite¬rien. Ebenso ist die Positivliste mit allen zugelassenen Hilfsmitteln für zertifizierte Unternehmen kostenlos, so dass verbotene Substanzen sich leicht substituieren lassen.

Transparenz

  • Die Organisationsstruktur und Finanzierung sind öffentlich zugänglich.
  • Das Einkommen basiert auf unterschiedlichen Gebühren: Lizenzgebühren (z. Zt. € 120 jährlich pro zertifiziertem Betrieb) sowie Registrierungsgebühren für Chemikalien.
  • Konformitätsprüfungen hinsichtlich der Kriterien des Standards werden durch unabhängige Dritte durchgeführt.
  • Zertifizierte Unternehmen unterziehen sich jedes Jahr einem vollständigen Betriebsaudit.
  • Die Prüfer*innen werden nicht dazu aufgefordert, während des Prüfprozesses Informationen externer lokaler Interessengrup¬pen wie Gewerkschaften und NROs einzuholen.
  • Jedem Audit vor Ort folgt eine Verifizierung durch den Zertifizierer (Vier-Augen-Prinzip).
  • Es existiert ein Rückverfolgungssystem, mit dem Informationen über die Glieder der Lieferkette verfügbar sind.
  • Label dürfen nur angebracht werden, wenn die gesamte Liefer- und Produktionskette zertifiziert ist.

Kommentar CIR

GOTS weist anspruchsvolle ökologische Standards auf und gilt hier als ein Best-Practise-Beispiel im Bereich Öko-Textil. Die Sozialstandards sind jedoch unzureichend. Existenzsichernde Löhne sowie das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen werden nicht aktiv gefördert. Problematische Arbeitsbedingungen stellte das Südwind-Institut bei seiner Untersuchung „Make in India“ in westindischen Textilbetrieben fest, die teilweise GOTS zertifiziert waren. Für die glaubhafte Überprüfung der Einhaltung sozialer Kriterien ist eine stärkere Einbindung von lokalen Akteur*innen erforderlich. Auch eine größere Transparenz der Auditberichte, die bisher vertraulich behandelt werden, ist notwendig.

Stand: August 2017

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