Grüne Mode - Siegel und Standards

I shop fair?
Mehr Licht im Dschungel der Siegel und Standards
Immer mehr KonsumentInnen achten beim Einkauf von Textilien auf Nachhaltigkeit. Ökologisch korrekt und fair hergestellt soll die Kleidung sein, ohne Einsatz von Pestiziden oder 90 Stunden-Wochen der NäherInnen. Doch woran erkennen wir entsprechende Textilien? Zahlreiche Siegel und Standards sind mit dem zunehmenden Trend des ethischen Konsums ins Leben gerufen worden – aber was verbirgt sich hinter den bunten Logos und wohlklingenden Standards?
Als Ergänzung zu den Unternehmensprofilen der „Grünen Modefirmen“ geben wir einen Überblick darüber, wofür die gängigen Siegel, Standards und Initiativen, die in den Profilen genannt werden, eigentlich stehen. Eine Erläuterung zu allen relevanten Begriffen finden Sie in unserem Glossar.
So haben Sie beim nächsten Einkauf einen besseren Einblick in die wirkliche Bedeutung der zahlreichen Anhängsel am Kleidungsstück. Gleichzeitig lernen Sie relevante Kategorien und Kriterien kennen und können so andere (und zukünftige) Labels ebenso kritisch einschätzen und hinterfragen.
Produktsiegel: Fairer Handel, Sozial- und Umweltlabel
Firmen benutzen Labels oft als reine Marketinginstrumente. Dies entspricht aber nicht der eigentlichen Idee. Der Grundgedanke eines Labels ist es, einem Produkt einen zusätzlichen Wert zu verleihen, der über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht, z. B. qualitativ hochwertiger, ökologisch nachhaltig oder sozial verantwortlich. Den VerbraucherInnen soll durch das Label eine Orientierungshilfe bei der Kaufentscheidung gegeben werden. Es gibt Siegel, deren Vergabe und Einhaltung von unabhängigen Zertifizierungsunternehmen geprüft werden (z. B. Naturland). Andere werden teilweise gar nicht oder nur von den VergeberInnen selbst geprüft. Die InitiatorInnen der Label und Gütesiegel bestehen größtenteils aus TextilherstellerInnen, die jährlich eigene Textilmuster zur Überprüfung einsenden.
Es gilt: Je näher ein Hersteller dem Label-Vergabeverband steht, umso kritischer sollte man bezüglich der Aussagekraft des Labels sein.
Viel Lärm um Nichts
Leider kommt es gerade im ökologischen Bereich immer wieder vor, dass ein Label nicht hält, was es verspricht. Oder aber, dass Versprechungen gemacht werden, die nicht überprüft werden oder in den Richtlinien des Labels gar nicht erst festgelegt wurden. So halten zum Beispiel viele KonsumentInnen den sog. Grünen Punkt für ein relevantes Umweltzeichen. Dabei besagt er nichts anderes, als dass der Hersteller eines Produktes für die Entsorgung der Verpackung eine Gebühr entrichtet hat.
Die Kriterien, die die Glaubwürdigkeit und Qualität eines Labels bestimmen, sind:
- unabhängige Vergabe und Kontrolle des Labels
- Frequenz und Qualität der Kontrolle des Labels
- Kriterien der Zertifizierung
Von großer Bedeutung ist auch, dass die Kriterien, nach denen ein Label vergeben wird, ebenso wie die Vergabe- und Kontrollstelle für den Konsumenten leicht nachvollziehbar und transparent gemacht werden
Textilvereinigungen
In den letzten Jahren haben sich im Textilbereich viele gemeinnützige Vereinigungen gegründet. Sie verständigen sich auf Verhaltensregeln für die Herstellung fairer oder ökologischer Bekleidung und sollen den Unternehmen als Lernplattformen dienen. Häufig organisieren sie sich in sogenannten Multi-Stakeholder-Initiativen (MSIs). MSIs sind Partnerschaften zwischen verschiedenen Interessensgruppen, die an Produktion und Konsum von Textilien beteiligt sind, z.B. Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen (NROs) und Unternehmen.
Zu den wichtigsten Sozialstandardinitiativen gehören die Fair Wear Foundation (FWF), die Ethical Trading Initiative (ETI) und die Fair Labor Association (FLA). Auch die Business Social Compliance Initiative (BSCI) ist eine Sozialstandardinitiativen, im Gegensatz zu den vorherigen aber keine MSI.
Zu den zentralen Ökostandardinitiativen gehören GOTS, IVN Best, Euroblume, Der Blaue Engel und Oeko-Tex 100.
Die Vielfalt der Fertigungsschritte macht bereits deutlich, dass die Produktion von „korrekten Klamotten“ umfassend kontrolliert werden muss. Lassen sich ökologische Kriterien durch Produkttest (z.B. Gentechnik bei Baumwolle) oder Vor-Ort-Kontrollen (z.B. Einsatz von Chemikalien) prüfen, ist es bei sozialen Kriterien ungleich schwieriger. Eine Fabrik kann für einen Kontroll-Besuch schnell aufgeräumt werden, sich kritisch äußernde ArbeiterInnen werden eingeschüchtert oder nach Hause geschickt, Arbeitszeitkonten und Lohnlisten sind leicht zu fälschen und alleine die Notwendigkeit eines Dolmetschers zwischen ArbeiterInnen und dem internationalen Inspekteur ermöglicht viele Manipulationsmöglichkeiten. Daher ist es elementar, dass lokale Organisationen und unabhängige Arbeitnehmervertretungen involviert sind. Zudem ist Kontrolle erst ein kleiner Schritt. Denn wenn Mängel festgestellt werden, muss auch Abhilfe geschaffen werden, was nicht selten auf einem anderen Blatt steht...
Im Vergleich zeigt sich, dass nur wenige Initiativen die verschiedenen Aspekte von Ökologie und Soziales gleich stark berücksichtigen. Ebenso sind nicht alle Standards gleich streng in ihren Kriterien.
Folgende Textilvereinigung zeigt sich im vorliegenden Vergleich als führend in punkto Soziales: Fair Wear Foundation (FWF). Das firmenunabhängige Siegel IVN Best garantiert international den höchsten ökologischen Standard.



Diese Website wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union betreut. Die darin vertretenen Standpunkte geben die Ansicht der Christlichen Initiative Romero wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Europäischen Gemeinschaft dar.
Das DZI bescheinigt der Christlichen Initiative Romero einen verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern.