Grüne Modefirmen unter der Lupe

Göttin des Glücks OG

Wien, Österreich

Göttin des Glücks ist das erste und bisher einzige österreichische Modelabel, das ausschließlich Fairtrade zertifizierte Biobaumwolle verarbeitet und in der gesamten Produktionskette den Kriterien des fairen Handels entspricht. Das 3-köpfige Designerkollektiv produziert in Wien Wohlfühlmode für Frauen und Männer unter dem Motto "Danke mir geht’s gut“.  Die nachhaltige Produktion der angebotenen Produkte prägt die Firmenphilosophie des Labels. GDG setzt auf langjährige Geschäftsbeziehungen mit Partner*innen im In- und Ausland und übernimmt selbst nur einen geringen Anteil in den jeweiligen Produktionsschritten. Der überwiegende Anteil der Produktionskette wird von Partnerunternehmen übernommen.

Zahlen und Daten zum Unternehmen

Besitzer*in

Dessislava Stoytcheva, Lisa Muhr, Igor Sapic

Anzahl der Mitarbeitenden

6

Art der Kleidung/Zielgruppe

Oberbekleidung, Röcke/Kleider, Unter- und Nachtwäsche, Kleidungsaccessoires für Männer und Frauen

Produktionsländer

Rohstoffproduktion: Indien (85 %), Mauritus (20 %), Österreich (5 %)
Stoffproduktion und Färben: Mauritus (60 %), Indien (35 %), Österreich (5 %)
Schnitt, Nähen und Konfektion: Mauritus (55 %), Indien (40 %), Österreich (5 %)
Veredlung des fertigen Kleidungsstücks: Mauritus (55 %), Indien (40 %), Österreich (5 %)

Verkaufsstellen

Verkaufsstellen

Siegel und Standards

Ergebnisse der Untersuchung

Transparenz

Transparenz

Göttin des Glücks hat den Fragebogen umfassend ausgefüllt. Ein eigener Verhaltenskodex ist auf der Homepage des Unternehmens veröffentlich und wird in alle Sprachen der Produktionsländer übersetzt. Das Unternehmen liefert Informationen zur Struktur der Zulieferkette und den Produktionsländern. Göttin des Glücks  gibt selbst an, dass kurze Informationen über die Nachhaltigkeit auf den jeweiligen Produkten/Verpackungen vorhanden sind und beschreibt diese ausführlich auf der Homepage und geht hier explizit auf die Unterschiede der unterschiedlichen Zertifizierungen ein. Die Jahresberichte von Transfair und FLO (Fairtrade Certified Cotton Siegel) sind jeweils öffentlich zugänglich, in diesen werden jedoch ausschließlich Erfolgsbilanzen in den Bereichen Finanzen und teilnehmende Produzent*innen beschrieben. Eine Rückverfolgung im Internet der gesamten Produktionskette eines einzelnen Kleidungsstücks ist für Kund*innen durch den Fairtrade Code möglich.

Soziale Kriterien

Soziale Kriterien

Die sozialen Kriterien, die Göttin des Glücks in der gesamten Lieferkette anwendet, entsprechen dem Kodex von GOTS sowie den Kriterien von Fairtrade. So werden die IAO-Kernarbeitsnormen berücksichtigt und es gibt CSR-Training Programme für die Mitarbeiter*innen. Diese Normen beinhalten die Organisationsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen und verbieten Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Diskriminierung. Für die Arbeitsschritte nach dem Baumwollan- und -abbau werden keine existenzsichernden Löhne für die Arbeiter*innen und die abhängigen Familienangehörigen gefordert. Als Minimalanforderung gilt die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns. Göttin des Glücks gibt jedoch an, dass alle Zulieferbetriebe freiwillig einen höheren Lohn als den gesetzlichen Mindestlohn (bis zu 1,5fach) an ihre Mitarbeiter*innen ausschütten und zusätzliche Pensionsfonds, Krankenversicherungen für die gesamte Familie und Urlaubszuschüsse gewähren. Die Fairtrade Zertifizierung garantiert darüber hinaus faire Baumwoll-Preise, die über den Weltmarktpreisen liegen und es gibt eine Sozialprämie für Gemeinschaftsprojekte, die soziale, wirtschaftliche oder ökologische Entwicklung fördern. Des Weiteren gibt es Trainings für die Arbeiter*innen, teilweise Kinderkrippen und Betriebsküchen in den Betrieben und die Produktion wird gemeinsam mit den Zulieferern abgestimmt, um eine Überlastung zu vermeiden.

Ökologische Kriterien

Ökologische Kriterien

Bei Göttin des Glücks wird ausschließlich GOTS zertifzierte Biobaumwolle verwendet. Die GOTS-Zertifizierung weist hohe ökologischen Standards auf und gilt hier als ein „Best Practice“ Beispiel. Im Baumwollanbau gelten die ebenfalls hohen ökologischen Kriterien des Fairtrade-Siegels.

Monitoring & Zertifizierung

Monitoring & Zertifizierung

Die jährlichen unabhängigen Audits für die ökologischen Kriterien von Fairtrade und GOTS werden plangemäß durchgeführt, parallel dazu führt Kooperationspartnerin EZA Fairer Handel AUSTRIA (Österreichs größte Importgesellschaft für Produkte aus fairem Handel) bei allen Lieferanten (Agenten, Direktlieferanten und Subproduzenten) eigene Audits durch und hält regelmäßigen Kontakt vor Ort mit ihnen. Zusätzlich dazu lässt Göttin des Glücks bei jeder Kollektion Stichproben auf GVO (Gen)- Freiheit in Österreich durchführen.

Kommentar der CIR

Kommentar der CIR

Göttin des Glücks hat den Fragebogen umfassend beantwortet. Von der Herstellung der Rohfasern bis zur Konfektion sind alle Produktionsschritte transparent und unterliegen hohen ökologischen und sozialen Standards. Das Unternehmen ist engagiert, glaubwürdige Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu unternehmen, jedoch wird nur ein Teil der Audits für die Zulieferer vom Unternehmen selbst gezahlt, andere Zulieferer zahlen selbst für die Audits. Eine Kombination aus GOTS und Fairtrade zertifizierter Produktion erscheint sinnvoll. So deckt GOTS zwar nicht den Anbau von Baumwolle ab, dafür aber die weiteren Produktionsschritte in Bezug auf ökologische Standards. Für die Überprüfung des Baumwollanbaus sorgt FairTrade, das hier faire Arbeitsbedingungen und langfristige Handelsbeziehungen in der Baumwollproduktion bescheinigt und den Umstieg auf biologischen Anbau fördert. Nach jedem Audit wird ein Verbesserungsplan erstellt. Außerdem berücksichtigt das Unternehmen, dass die eigene  Beschaffungspolitik Auswirkungen auf die Zulieferer hat. Die Forderungen nach einem existenzsichernden Lohn sind bei GOTS unklar formuliert. Als Minimalanforderung gilt die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns. Für die glaubhafte Überprüfung der Einhaltung sozialer Kriterien in der weiteren Lieferkette, nach der Rohstoffproduktion, wäre die stärkere Einbindung von lokalen Akteuren, Gewerkschaften und NROs, wie im Rahmen einer glaubhaften MSI, erforderlich. Geschäftsführerin Lisa Muhr engagiert sich mit zahlreichen Vorträgen, Workshops und Kooperationsprojekten in Schulen, an Universitäten und in vielen Netzwerkprojekten für eine Veränderung des Kaufverhaltens der Konsument*innen - weg von ausbeuterischer Massenware hin zu verantwortungsbewussten und nachhaltigen Kaufentscheidungen und ist Lehrbeauftragte an einer österreichischen Fachhochschule.

Die Befragung der Unternehmen wurde bereits 2011 durchgeführt.

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