SIEGEL UND STANDARDS

Naturland (fair)

Gründung & Ziel

Der Naturland e. V. ist ein basisdemokratischer Bauernverband, der 1982 in Gräfelfing bei München gegründet wurde. Die Richtlinien von Naturland verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der nachhaltiges Wirtschaften, praktizierten Natur- und Klimaschutz, Sicherung und Erhalt von Boden, Luft und Wasser sowie den Schutz der Verbraucher*innen umfasst. Die Betriebe müssen komplett nach den Richtlinien umgestellt werden. „NATURLAND Lebensmittel“ beinhaltet die Regeln der EG-Öko-Verordnung (EU-Bio) und geht über diese hinaus. Die freiwillige Zertifizierung „NATURLAND fair“ zeichnet Produkte aus, die zusätzlich aus fair gehandelten Zutaten bestehen. „NATURLAND Textil“ kennzeichnet Bio-Textilien und andere Naturfasern. Das Siegel deckt alle Schritte von der Produktion der Naturfaser bis zum Endprodukt ab.

Soziales

  • Die Grundrechte der Menschen nach UN-Konventionen und ILO-Kernarbeitsnormen sind einzuhalten.
  • Der Standard gilt für die gesamte Wertschöpfungskette (Ausnahme: Transport) sowie für Saisonarbeiter*innen und Subunternehmen.
  • Es werden gesetzliche Mindestlöhne bzw. Industriestandards/Tariflöhne gefordert, allerdings keine existenzsichernden Löhne.
  • Das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird nicht aktiv gefördert.
  • Es bestehen schriftliche Arbeitsverträge und Kriterien zu Weiterbildung bzw. Berufsbildung der Angestellten (Schulungen).
  • Naturland fair: Faire Erzeugerpreise werden durch partnerschaftlich ausgehandelte Mindestpreise oder durch fixe Zuschläge erreicht.

Ökologie

  • Die Verwendung chemisch-synthetischer Stickstoffdünger und Pestizide sowie gefährliche Chemikalien nach der REACH-Liste sind verboten.
  • Die Nutzung gentechnisch veränderter Organismen ist untersagt.
  • Es bestehen Kriterien zum Schutz der Landschaft und Förderung der Biodiversität, inklusive Anforderungen zur Fruchtfolge.
  • Die Möglichkeiten zur Sammlung und Speicherung von Wasser sind voll auszuschöpfen. In Regionen mit knappen Wasserressourcen ist der Wasserverbrauch (mittels Wasserzähler) zu messen und ein Wassermanagementplan zu erstellen.
  • Die Richtlinien halten zu bewusstem Umgang mit Energieressourcen an (z. B. beim Beheizen von Gewächshäusern).
  • keine systematische Erfassung der Emissionen von klimarelevanten Treibhausgasen.

Glaubwürdigkeit

  • Es gibt eine ausgewogene Vertretung verschiedener Interessengruppen innerhalb zentraler Entscheidungsgremien.
  • Die Einhaltung der Richtlinien wird mindestens einmal jährlich durch Inspekteure externer und staatlich zugelassener Kontrollstellen durchgeführt.
  • Die Häufigkeit der Kontrollen basiert zum Teil auf einer Risikobewertung der Unternehmen. Während der Prüfung sollen Informationen externer Interessengruppen eingeholt werden.
  • Ein internes Qualitätssicherungs-System ermöglicht die vollständige Rückverfolgbarkeit der einzelnen Zutaten entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
  • Naturland fair: Auf Produkten aus mehreren Zutaten ist der Anteil der fair gehandelten Inhaltsstoffe vermerkt. Rohwaren, wie Tee, Kaffee oder Milch müssen zu 100% fair gehandelt sein. Mischprodukte müssen insgesamt mindestens zu 50% aus fairen Zutaten bestehen.
  • Naturland Textil: Mindestens 95% des Endproduktes muss aus Naturfasern bestehen.
  • Label dürfen auf Endprodukten angebracht werden.

Kommentar CIR

Die ökologischen Standards von Naturland sind anspruchsvoll, die sozialen Kriterien sind nur befriedigend. Weder wird die Zahlung existenzsichernder Löhne gefordert, noch das Recht auf Vereinigungsfreiheit aktiv unterstützt. Zudem wird die Einhaltung von Grenzwerten bei CO2-Emissionen nicht gefordert. Positiv zu werten ist die Glaubwürdigkeit und die Weiterentwicklung der Kriterien in einem demokratischen Prozess, bei dem verschiedene Interessengruppen einbezogen werden. Naturland fair zertifiziert auch regionale Produkte und inländischen Handel. Ein Wirkungsmonitoring existiert nicht, aber Naturland unterstützt die Erarbeitung von Wirksamkeitsberichten und -studien im Bereich Öko-Landbau und Fairer Handel. Naturland gilt als Best-Practise-Beispiel im Bereich Ökologie.

Stand: August 2017

SIEGEL UND STANDARDS

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