SIEGEL UND STANDARDS

SAI platform (FSA Programm)

Gründung & Ziel

Das Programm „SAI Platform“ ist eine Unternehmensinitiative der Lebensmittelindustrie, die von Nestlé, Unilever und Danone im Jahr 2002 gegründet wurde. Ihr Hauptziel ist die Sicherung einer stetigen, wachsenden und sicheren Versorgung mit agrarischen Rohstoffen.
Zentrale Aktivitäten des Programms sind der Aufbau von Kapazitäten ihrer Mitgliedsunternehmen sowie die Kom¬munikation über nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken gegenüber der Lebensmittelindustrie und weiteren Inter¬essengruppen. Die Plattform entwickelt Methoden und Leitlinien, die Mitgliedsunternehmen dabei helfen sollen, nachhaltige Beschaffung und landwirtschaftliche Praktiken zu etablieren, beispielsweise durch eine Einschätzung der Nachhaltigkeit des jeweiligen Anbaubetriebes (Farm Sustainability As¬sessment, FSA). Das FSA ist frei verfügbar, enthält drei Stufen von Kriterien (erforderliche, grundlegende und fortgeschrittene Kennzei¬chen) und bezieht sich vorwie¬gend auf die Aktivitäten der Zulieferer.
Derzeit hat die Plattform mehr als 90 aktive und assoziierte Mitglieder, vor allem große Marken und Händler wie Unilever, Coca-Cola, Cargill, McDonalds und Tesco.

Soziales

  • Die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen, schriftliche Arbeitsverträge sowie die Einhaltung relevanter Gesetze wird lediglich empfohlen.
  • Existenzsichernde Löhne werden nicht empfohlen.
  • Es werden keine Mindestpreise oder Preisgarantien empfohlen, weil FSA keine Kriterien bezüglich des Handels aufstellt.

Ökologie

  • Es wird empfohlen, die Nutzung gefährlicher Chemikalien schrittweise abzustellen.
  • Die Nutzung von gentechnisch veränderten Organismen ist nicht verboten. Es wird empfohlen, entsprechende Produkte zu kennzeichnen.
  • Kriterien zum integrierten Pflanzenschutz und zur Fruchtfolge werden empfohlen, sofern sie sich wirtschaftlich lohnen.
  • Umweltauswirkungsstudien sind nicht vorgesehen
  • Die Kontrolle des Wasserverbrauchs und ein Wasser-Management-Plan werden empfohlen
  • Es wird empfohlen, klimaschädliche Treibhausgase mit Hilfe eines sogenannten Cool Farm Tool zu reduzieren.

Glaubwürdigkeit

  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich.
  • Eine ausgewogene Beteiligung von unterschiedlichen Interessengruppen in Entscheidungsgremien ist nicht gewährleistet.
  • Die Finanzierungsstruktur der Initiative ist nicht öffentlich zugänglich. Mitgliedsbeiträge kosten zwischen € 3.750 und € 30.000, je nach Umsatz des Unternehmens.
  • Es gibt kein System, das die eigene Wirksamkeit evaluiert (Wirksamkeitsanalyse).
  • Nur wenn Unternehmen öffentliche Aussagen über die Leistungskriterien (Bronze, Silber, Gold) ihrer Zulieferer treffen wollen, erfolgt eine Überprüfung durch unabhängige Dritte.
  • Kein System zur Rückverfolgbarkeit der Endprodukte entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Kommentar CIR

Die SAI-Plattform ist eine klassisch unverbindliche b2b-Initiative. Das FSA macht lediglich Empfehlungen bezüglich sozialen und ökologischen Kriterien, die nur überprüft werden, wenn Mitgliedsunternehmen öffentliche Aussagen über ihre Zulieferer treffen möchten. Die empfohlenen Kriterien sind weder anspruchsvoll noch ist die Initiative besonders glaubwürdig. Die eigene Wirksamkeit wird nicht gemessen, es gibt keine Transparenzkriterien bezüglich der Rückverfolgbarkeit des Endprodukts und externe Interes-sengruppen wie Gewerkschaften oder NROs werden lediglich über Beratungsgremien einbezogen, aber nicht an Entscheidungen beteiligt.

Stand: Augsut 2017

SIEGEL UND STANDARDS

© 2017 Christliche Initiative Romero e.V.