Grüne Mode - Produkte
Zündstoff in Freiburg.

Mit fairem Konsum bessere Arbeitsbedingungen schaffen? 

Interview mit Zündstoff-Gründer Sascha Klemz


Wie kamst du auf die Idee, öko-soziale Kleidung zu verkaufen?

2004 habe ich ein Praktikum bei einer kleinen NGO aus Münster namens Vamos gemacht. Damals arbeitete ich zusammen mit einer Kollegin an einer Wanderausstellung über Arbeitsrechtsverletzungen in der Sportbekleidungs-Industrie. In dieser Zeit drängte sich uns die Frage nach Alternativen auf. Über die Christliche Initiative Romero entstand dann der Kontakt zu der Textilkooperative Nueva Vida in Nicaragua. Dies war der Startschuss für die Idee, die T-Shirts der Kooperative in Deutschland zu vertreiben. Im Laufe der Zeit ist dann einfach noch mehr dazu gekommen: der Einzelhandel sowie der Internetversand mit noch anderen Marken, die für sich beanspruchen, fair, zertifiziert und ökologisch herzustellen.  

Welche Marken nehmt ihr in euer Sortiment auf und nach welchen Kriterien geschieht das?

Wir verlassen uns in erster Linie auf Selbstauskünfte und auf Zertifikate, die die Marken haben. Es ist insgesamt schwierig für uns, in dem ganzen Wust an Zertifikaten und Selbstauskünften eine Auswahl zu treffen. Ein wichtiges Kriterium ist, dass die einzelnen Marken ausschließlich öko sind und auch laut Selbstauskunft auf die Arbeitsbedingungen achten. Wir haben selbst keine festen Auswahlkriterien für den Einzelhandel, weil wir zum Teil auch wissen, dass es kleine Marken sind, die es total ernst meinen, denen aber einfach Kapazitäten fehlen, alles zu kontrollieren. Wenn jemand in Europa nähen lässt, erfüllt dies auch schon den Standard, den wir erwarten. 
Die größte und umsatzstärkste Marke in unserem Sortiment ist Kuyichi – sie macht aber nicht den größten Anteil an unserem Umsatz aus –, ansonsten vertreiben wir noch Simple Shoes und Terra plana. Aus Deutschland haben wir fairliebt und toodot, die kommen beide aus Hamburg. Dann haben wir Slowmo und treches aus Berlin. Toktok ist eine Shirt-Marke, die auf EarthPositive-Shirts von Continentel druckt. Wir haben auch Ethletic Sneakers, die im Fairtrade-Bereich bekannt sind.  

Was waren die Gründe für euch, Mitglied in der Fair Wear Foundation (FWF) zu werden, einer in den Niederlanden ansässigen Multi-Stakeholder-Initiative?

Wir sind offiziell seit Anfang 2010 Mitglied. Wir haben einen guten Eindruck von der Arbeit der Kooperative Nueva Vida in Nicaragua. Mit der Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation wollen wir die Kooperative und uns in einen Prozess bringen, die Zusammenarbeit stärker zu institutionalisieren. Wenn eine unabhängige Instanz dazwischen steht, ist dies manchmal auch einfacher nach außen zu kommunizieren. 
Mitglied der FWF sind wir über die Gruppenmitgliedschaft Clean and Unique geworden.

Was ist in dem einen Jahr eurer FWF-Mitgliedschaft bereits geschehen? 

Wir haben der FWF Arbeitspläne gegeben, in denen wir skizziert haben, wann wir zum Beispiel unser erstes Audit durchführen werden. Außerdem haben wir ihr grundlegende Informationen über unsere Lieferkette übermittelt. Die Fair Wear Foundation schaut sich in diesem Jahr noch unsere Einkaufsabteilung an. Das hört sich komisch an, da wir nur zu zweit sind – aber die FWF überprüft unsere Einkaufspraxis ebenso wie bei anderen Mitgliedsunternehmen. Anfang nächsten Jahres führen wir ein erstes Audit in Nueva Vida durch.
Bei einem Audit sind wir bis zu einer Woche in eine Fabrik. Wir schauen uns die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsplatzsicherheit an, führen an einem neutralen Ort Interviews mit Arbeiterinnen, befragen auch das Management und werfen einen Blick auf die Buchhaltung.

Wie viele T-Shirts bestellt ihr bei Nueva Vida?

Wir machen immer Sammelbestellungen, zusammen mit anderen aus Deutschland. Wir haben das letzte Mal ungefähr 20.000 Teile bestellt. Diese reichen ungefähr neun Monate. Die T-Shirts verkaufen wir über unseren Einzelhandel, an NGOs, kleine Politgruppen und auch an andere EinzelhändlerInnen.

Welche Baumwolle wird in Nueva Vida benutzt?

Sie benutzen GOTS-zertifizierte Baumwolle aus Peru von einem schwedischen Ökomodenhersteller namens Bergman/Rivera. Wir benutzen eine relativ lange Baumwollfaser. Für T-Shirts ist dies eine sehr hohe Qualität. 

Was ist deine Vision für die nächsten Jahre? 

Dass wir in drei bis fünf Jahren in Nueva Vida doppelt so viele Teile produzieren lassen wie jetzt. Es gibt gerade Bestrebungen in Nicaragua, sowohl Baumwolle anzubauen als auch diese dort zu spinnen. Ich hoffe, dass es dann bald eine integrierte Produktionskette von Kooperativen in Nicaragua gibt, mit denen wir zusammenarbeiten. Die Energiegewinnung mit regenerativen Energien in Nicaragua ist für mich persönlich ein Prozess, den ich als nächstes anstoßen will.

Sandra Dusch Silva (Christliche Initiative Romero) hat mit Sascha Klemz über die Beweggründe, ökologische und faire Kleider in Nicaragua produzieren zu lassen, gesprochen.

© 2010 Christliche Initiative Romero e.V.