... und diskutieren
Ein weiterer zentraler Programmpunkt war die Podiumsdiskussion am 10.Juli von 14.15 Uhr bis 15.45 Uhr mit dem provokativen Titel „ Mit grüner Mode retten wir die Welt“. Das Symposium wurde gemeinsam von thekey.to und der Christliche Initiative Romero (CIR) veranstaltet und von Sandra Dusch Silva, Mitarbeiterin der CIR und Verantwortliche für das Thema „Nachhaltiger Konsum“ und Bernd Hausmann, Gründer von Glore (globally responsible), dem 1. Concept Store für ökologische und faire Mode, moderiert. Teilnehmer der kontroversen Diskussion waren Mark Stermanns, Dozent an der Universität Zürich mit einem Arbeitsschwerpunkt auf CSR in der Bekleidungsindustrie, Robert Hertel, Geschäftsführer des Hanftextilienherstellers HempAge, Cecilia Palmer, Designerin und Gründerin des grünen Modelabels Pamoyo, Philipp Gloeckler, Geschäftsführer des Online-Marktplatzes avocadostore für nachhaltige Produkte und Dannie Quilitzsch, Kommunikationsexpertin der Internetplattform Utopia für strategisch und nachhaltigen Konsum.
Gleich die Einstiegsfrage „ob man denn mit grüner Mode die Welt retten könnte“ sorgte für gespanntes Zuhören seitens des Publikums und unterschiedliche Statements der fünf Podiumsteilnehmer. Während Gloeckler die Frage mit einem klaren „Nein“ beantwortete, stellte der Unternehmer Hertel hingegen fest, dass grüne Mode durch das Vermeiden von Pestiziden sogar Menschenleben rette. Stermanns wollte nicht von Weltrettung sprechen, machte aber deutlich, dass Herstellung und Kauf von sozial und ökologisch nachhaltigen Textilien, ein Beitrag zu Verbesserungen der Lebensbedingungen von Menschen weltweit sei.
Darüber dass nachhaltiger Konsum einer von vielen wichtigen Schritten sei, war man sich aber letztendlich doch einig. Während des Gesprächsverlaufs wurde deutlich, dass bewussteres Konsumverhalten alleine nicht ausreicht. Besonders Stermanns betonte, dass Konsumenten politisch aktiver sein und ihre Konsumentenmacht gezielt nutzen sollten, um Druck auf die Firmen auszuüben.
Karrotten-Pöbel?
Ein Beispiel für ein solches aktives Engagement wurde von Gloeckler vorgestellt. Er hat 2009 in Berlin den ersten „carrotmob“ veranstaltet. Im Vorfeld dieses Carrotmobs konkurrierten mehrere kleine Kiezläden darum, wer von ihnen am nachhaltigsten und CO2-schonendsten wirtschaften kann. Dem Gewinner “drohte” der Carrotmob. Hunderte Kunden stürmten den Laden und kauften alles, was nicht niet und nagelfest ist. Der Ladenbesitzer verpflichtete sich dazu, einen gewissen Prozentsatz des ungewöhnlichen hohen Umsatzes für die nachhaltige Gestaltung seines Geschäftes zu nutzen.
Auch das Thema der oft verwirrungsstiftenden Siegel und Zertifikate bezüglich Öko- und Sozialstandards wurde anregend diskutiert und warf beim interessierten Publikum die Frage auf, warum es keine Bestrebungen gäbe, alle Siegel zusammenzuführen.
Auf die kritische Frage der Moderatorin Sandra Dusch Silva, ob man sich denn als Otto-Normal-Verbraucher zertifizierte Kleidung leisten kann, reagierten die Teilnehmer übereinstimmend: „Qualität habe eben seinen Preis“, so Quilitzsch. Auch Hertel meint, dass der soziale Aspekt sich im Preis des Kleidungsstücks widerspiegelt. Die Designerin Palmer nahm diese Aussagen zum Anlass, um ein zentrales Problem der grünen Modebranche anzusprechen. Durch das schier unendliche Angebot an Billigtextilien durch Discounter und Modeketten, habe sich der Verbraucher daran gewöhnt, für ein T-Shirt kaum mehr als fünf Euro zu zahlen. Auf diesen Zug kann ein Hersteller, der fair-produzierte und ökologische Mode herstellt, nicht aufspringen.
Und die Zukunft?
Zum Abschluss der Diskussion gaben die ReferentInnen einen persönlichen Ausblick auf die Entwicklungen in der grünen Modebranche in den nächsten zehn Jahren. Die Einschätzungen waren hierbei erstaunlich unterschiedlich. So glaubt Cecilia Palmer daran, dass die grüne Mode schnell „erwachsen wird“ und sich zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt, während Robert Hertel zwar überzeugt ist, dass sich immer mehr kleine grüne Labels gründen werden, die Großen in der konventionellen Bekleidungsindustrie ihrer Verantwortung im Sinne ökologischer und sozialer Standards jedoch weiterhin nicht ausreichend nachkommen werden.
Es bleibt abzuwarten, welche Vision sich bewahrheiten wird…