Gewalt in Mittelamerika

- "Gewalt gegen Frauen ist nicht normal. Keine weiteren Toten. Es reicht!", fordern Demonstrantinnen in Masaya, Nicaragua. Foto: CIR/Archiv
Gewalt ist Alltag in Mittelamerika
Taten gegen Frauen nehmen alarmierende Ausmaße an
Frauen in Mittelamerika leben gefährlich: Jeden Tag sind sie von Gewalt bedroht - durch ihre Väter, Verwandte, Freunde, Ehemänner, aber auch durch fremde Männer. Die Gewalt kann dabei verschiedene Formen annehmen: Frauen werden beschimpft, degradiert, eingeschüchtert, kontrolliert und verfolgt, sowohl im häuslichen als auch im sozialen Umfeld. Nicht selten untersagen Männer den Frauen den Kontakt zu Freunden und ihrer Familie. Frauen werden so von der Gesellschaft isoliert. Oft ist dieses verachtende Verhalten von der Anwendung körperlicher und sexueller Gewalt begleitet, von Schlägen, Missbrauch, Vergewaltigung bis hin zu Mord.
Ursachen liegen in der Gesellschaft
Die Zahl der Gewalttaten in den ProjektpartnerInnenländern der Christlichen Initiative Romero - El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua - ist alarmierend. Die Geschlechtergewalt resultiert aus der patriarchialen Kultur des Machismo. Der Machismo manifestiert die ungleichen Machtstrukturen ausgehend von einer sozialen Ordnung, die konstruiert ist. Frauen sind Männern untergeordnet, und diese nutzen Gewalt, um ihre Macht zu behaupten und die Ungleichheit aufrecht zu erhalten. Frauen, die ihre Rechte einfordern und aus der antiquierten Frauenrolle heraustreten, werden von vielen Männern als Bedrohung wahrgenommen. Dazu trägt bei, dass die mittelamerikanischen Frauen immer öfter zum Familieneinkommen beitragen und dadurch unabhängiger werden. Viele Männer dagegen können ihrer Rollenerwartung des Ernährers nicht mehr gerecht werden. Gewalt dient ihnen als Mittel, um ihre Stellung in der Gesellschaft und als Familienoberhaupt zu wahren.
Die Gewalt lässt sich allerdings nicht nur auf den Machismo zurückführen. Die mittelamerikanischen Gesellschaften sind aufgrund der jahrelangen Bürgerkriege stark brutalisiert. Die Befriedung ist trotz Friedensvereinbarungen nicht in der Gesellschaft angekommen. Die Gewaltbereitschaft ist nicht nur gegenüber Frauen sehr hoch. Ein großes Problem sind auch gewaltbereite Jugendbanden (Maras).
Die extremste Form der Gewalt gegen Frauen ist deren Tötung. Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt Ciudad Juárez im nordmexikanischen Bundesstaat Chihuahua Anfang der 1990-er Jahre, als eine Serie von Morden an jungen Frauen, die bis heute anhält, begann. Mord und physische und psychische Gewalt bestimmen den Alltag vieler Frauen in Zentralamerika. Der Frauenmord ist nicht nur die extremste Form der Gewalt, sondern auch der Misogynie. Misogynie stellt eine gefährliche Frauenfeindlichkeit unter Männern dar, die sich gerade gegen junge Frauen richtet, die nicht den traditionellen Rollenbildern entsprechen.
Der Staat versagt
Gefördert wird dies durch die passive politische Haltung der mittelamerikanischen Staaten. Ihre Aufgabe ist, die Bürger und deren Leben zu schützen. Doch selten verfolgen sie Frauenmorde und gegen Frauen verübte Straftaten mit entsprechender Härte. Das Patriarchiat und der Machismo durchziehen nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die staatlichen Institutionen. Die Täter werden geschützt, und somit rechnen die meisten gewalttätigen Männer damit, für ihre Taten nicht belangt zu werden. Die Hemmschwelle, Gewalt auszuüben, sinkt dadurch erheblich.
Männer, die Frauen misshandeln, tun dies, um ihre Macht durch Gewalt zu bestätigen oder wiederherzustellen. Die Ausübung von Macht und Überlegenheit sind auch zentrale Motive von Vergewaltigungen. In der Öffentlichkeit wird dann oft zum Beispiel die Kleidung von Frauen als aufreizendes und eindeutiges Angebot zu sexueller Aktivität definiert. Diese Argumentationsweise führt zu einer Stigmatisierung der Frauen. Die Schuld an der erfahrenen Gewalt wird ihnen selbst zugeschrieben. Dies legitimiert das Gewaltverhalten von Männern und traumatisiert die betroffenen Frauen erneut. Aus strukturellen Problemen in der Gesellschaft und der Politik werden Einzelfälle gemacht. Damit wird die Verantwortung der Männer und des Staates abgeschoben.














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