Gewalt in Mittelamerika - Honduras
"Es ist die Zeit der Angst - Angst von Frauen vor der Gewalt von Männern." Foto: Honduras Delegation

Gewalt auf der Tagesordnung

In Honduras hat Gewalt gegen Frauen viele Gesichter

Das Leben der Menschen in Honduras ist durch Gewalt geprägt. Der Sturz des Präsidenten Manuel Zelaya am 28. Juni 2009 durch das Militär und die fehlende strafrechtliche Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen unter der illegitimen De-facto-Regierung und dem neuen Präsidenten Porfirío Lobo haben die Situation verschärft. Straflosigkeit und Korruption, eine hohe Gewaltbereitschaft und die unverhältnismäßige Gewaltanwendung der offiziellen Sicherheitskräfte beeinträchtigen die Einhaltung der Menschenrechte und erzeugen ein Klima der Angst und Unsicherheit. Gewalt gegen Frauen ist an der Tagesordnung und durchzieht die honduranische Gesellschaft in allen Lebensbereichen. 

Markant ist die ökonomische Ausbeutung der Maquila-Arbeiterinnen. Auf dem honduranischen Arbeitsmarkt finden sich kaum alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen. Auch wenn der geringe Verdienst, die schlechten Arbeitsbedingungen und die damit einhergehenden Verletzungen der grundlegenden Arbeits- und Menschenrechte nicht tragbar sind, bietet die Arbeit in den Bekleidungs- und Elektronikfabriken für manche Frauen die Möglichkeit, ihre ökonomische Unabhängigkeit zu stärken. Von den Männern ist dieses Heraustreten aus der traditionellen Hausfrauenrolle in dem machistisch geprägten Land nicht gern gesehen und bedingt einen Anstieg häuslicher Gewalt, ausgeführt durch Ehemänner, Verwandte und Bekannte. Im Fokus der honduranischen Frauen- und Nichtregierungsorganisationen stehen daher der Kampf gegen häusliche Gewalt und die Durchsetzung von Frauen- und Arbeitsrechten.

Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Zunehmend ist in Honduras ein Anstieg der Tötungsdelikte mit weiblichen Opfern zu beobachten. Diese extremste Form von Gewalt gegen Frauen sind geschlechterdifferenzierende, systematische Morde, so genannte feminicidios. Das Frauenrechtszentrum aus Tegucigalpa (Centro de Derechos de Mujeres, CDM) regisitrierte zwischen 2002 und 2010 mehr als 1500 Tötungsdelikte. Im Durchschnitt werden sechs Frauen pro Woche Opfer tödlicher Gewalt, Tendenz steigend. 41 Prozent der Frauen sind zwischen 16 und 30 Jahre alt. Das Frauenzentrum setzt sich gemeinsam mit anderen honduranischen Frauen- und Nichtregierungsorganisationen für die Einführung effizienter Maßnahmen ein, um einen weiteren Anstieg der Morde zu verhindern. Sie fordern die honduranischen Behörden auf, finanzielle Mittel für die Verfolgung von Straftaten bereitzustellen, Gesetzesänderungen herbeizuführen und mehr Informationen über Frauenmorde in die Öffentlichkeit zu tragen. 

Die derzeitige Gesetzeslage ist unbefriedigend. Ende der 1990-er Jahre wurde ein Gesetz gegen häusliche Gewalt verabschiedet. Im Jahr 2000 folgte ein Gleichstellungsgesetz für die Frau. Die gegenwärtigen Gesetze privatisieren die Gewalt gegen Frauen. Deswegen versuchen die Frauenorganisationen, ein Umdenken voranzutreiben und für ein Leben ohne Gewalt einzutreten. 


Lesen Sie hier im Interview wie Adalinda Gutiérrez aus Honduras sowohl in ihrer eigenen Familie als auch in ihrem Land gegen Gewalt gegen Frauen kämpft. 

© 2010 Christliche Initiative Romero e.V.