Honduras - Oscar Rodriguez Maradiaga

"Nicht nachvollziehbar"

Christliche Initiative Romero kritisiert Einladung an Oscar Rodríguez Maradiaga

Münster, 13. Januar 2010. Mit Unverständnis hat die Christliche Initiative Romero (CIR) auf die Einladung des honduranischen Kardinals Oscar Rodríguez Maradiaga durch das Bistum Münster reagiert. Die in Münster ansässige entwicklungspolitische Organisation kritisiert Rodríguez’ rechtfertigende Haltung zum Militärputsch, mit dem am 28. Juni vergangenen Jahres der rechtmäßige Präsident Honduras’, Manuel Zelaya, aus seinem Amt und seinem Land entfernt wurde. „Vor dem Hintergrund, dass Oscar Rodríguez Maradiaga als Erzbischof von Tegucigalpa durch sein Verhalten die illegitime Aktion der Putschisten gestützt hat, ist seine Einladung nach Münster nicht nachvollziehbar“, stellt Thomas Krämer-Broscheit als Geschäftsführer der Christlichen Initiative Romero fest. „Auch finden wir es nicht verständlich, dass im Rahmen von Rodríguez' Besuch im Bistum durch die Gastgeber offenbar keinerlei kritische Nachfrage zu seiner Positionierung zum Militärputsch erfolgt ist.“

Der 67-jährige Rodríguez, der Vorsitzender der honduranischen Bischofskonferenz sowie von Caritas International ist, war am Wochenende unter anderem Ehrengast beim Neujahrsempfang des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Münster.

Ihre Kritik an der Einladung hat die CIR in einem Brief an den Bischof des Bistums, Dr. Felix Genn, formuliert. Man habe den Vorsitzenden der honduranischen Bischofskonferenz in den vergangenen Jahren als streitbaren Verteidiger der Armen kennen und schätzen gelernt, als kirchlichen Würdenträger, der in seinem Denken und Handeln nah bei den Menschen und ihren Nöten ist, stellt die Christliche Initiative Romero in ihrem Schreiben an Dr. Genn fest. Rodríguez’ Einsatz gegen die Durchsetzung der Marktlogik in allen gesellschaftlichen Bereichen finde die volle Unterstützung der Organisation, ebenso seine Forderung nach einer „Globalisierung der Solidarität“.

Nicht konform gehe man aber mit Rodríguez’ Haltung zum Putsch. Der Kardinal hatte seinerzeit den gestürzten Präsidenten Zelaya aufgefordert, nicht nach Honduras zurückzukehren, und später unter anderem in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, es sei „absurd“, den Staatsstreich als Militärputsch zu sehen. Die Haltung Oscar Rodríguez Maradiagas zum Putsch in Honduras sehe man als äußerst problematisch an, so die CIR in ihrem Brief an den münsterschen Bischof.

Die Christliche Initiative Romero verweist in ihrem Brief an Dr. Felix Genn darauf, dass die internationale Staatengemeinschaft seinerzeit den Militärputsch in Honduras mit deutlichen Worten verurteilt habe, sowie auf Berichte über Menschenrechtsverletzungen im Zuge des Staatsstreiches. „Das deutsche Auswärtige Amt stellt in einer Einschätzung zu Honduras fest, dass sich infolge des Sturzes die katholische Kirche unter der Führung von Kardinal Rodríguez sehr deutlich auf die Seite der neuen Machthaber gestellt und damit ihre in staatspolitischen Fragen neutrale Position aufgegeben habe“, erklärt CIR-Geschäftsführer Thomas Krämer-Broscheit hierzu. Sein Fazit: „Die Einladung an Rodríguez ist eine äußerst unglückliche Angelegenheit gewesen. Das hätte in unseren Augen sensibler gehandhabt werden müssen.“

Der Protest der Christlichen Initiative Romero zieht derweil weitere Kreise: Inzwischen hat sich auch das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit mit Sitz in München der Kritik der CIR an der Einladung Rodríguez’ durch das Bistum Münster angeschlossen.

© 2010 Christliche Initiative Romero e.V.