Adidas - Hauptversammlung 2014
Estela Ramírez und Maik Pflaum (Übersetzung, CIR) während ihres kritischen Redebeitrags auf der Adidas-Hauptversammlung 2014.

Adidas-Hauptversammlung 2014

Ehemalige Adidas-Näherin kritisiert  Arbeitsrechtsverletzungen

Ein wichtiger Adressat der Arbeit von Estela Ramírez als Gewerkschafterin ist stets Adidas, denn: „Sie berühren zwar keine einzige Nähmaschine, aber sie sind die wahren patrones, da sie der Regierung die Hände binden und den Großteil des Reichtums, den wir produzieren, für sich beanspruchen“, pflegt sie zu sagen. In El Salvador liegt der aktuelle Mindestlohn im Textilsektor bei 202 Dollar. Für eine Familie ist es unmöglich, ihre Grundbedürfnisse abzudecken. Nach Berechnungen der Regierung müsste eine Arbeiter*in 589 Dollar verdienen, um ihre Familie mit den nötigsten Gütern in den Bereichen Lebensmittel, Wohnung, Bildung usw. zu versorgen. Obwohl die Frauen in den Fabriken für Adidas in Vollzeit schuften, müssen sie und ihre Männer in ihrer „Freizeit“ im informellen Sektor arbeiten, wodurch sie ihre Kinder noch mehr vernachlässigen. Die Arbeitsrechtsverletzungen, die in den offiziellen Zulieferbetrieben von Adidas begangen werden, sind wohl nur die Spitze des Eisbergs. Die Fabriken geben nämlich Aufträge weiter an Subunternehmen bis hin zu sog. geheimen Werkstätten, die sich vollkommen gesetzlichen Regelungen entziehen.

Estela Ramírez beteiligte sich an der Adidas Hauptversammlung am 8. Mai 2014 in Fürth mit einer kritischen Wortmeldung. In ihrem kurzen Vortrag machte sie Adidas verantwortlich für die Hungerlöhne und die Gewerkschaftsverfolgung in den "Maquilas" (Weltmarktfabriken). An den Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer richtete sie direkt die Frage, wann Adidas endlich höhere Abnahmepreise an die Zulieferbetriebe bezahle. Da dieser nicht auf die Frage reagierte und auch der CSR-Beauftragte Glenn Bennett keine zufriedenstellende Antwort gab, stimmte sie gegen die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hatte Estela für kurze Zeit Aktion übertragen, wodurch sie stimmberechtigt war.

Redebeitrag Estela Ramírez

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