Metro AG - Der Fall Denim

Massive Arbeitsrechtsverletzungen

Näherin zu Tode gearbeitet – Schwangere entlassen – Über 90 Arbeitsstunden pro Woche – Löhne veruntreut – ArbeiterInnen unterstützen!

Die Metro AG feiert am 13. Mai bei der Aktionärsversammlung ihre massiven Gewinne des Jahres 2008 in Höhe von 403 Millionen Euro. NäherInnen, die für die Metro AG in Bangladesch fertigten, zahlen mit ihrer Gesundheit und sogar ihrem Leben den hohen Preis dafür. Dies ergaben Recherchen des National Labor Committees, mit dem die CIR seit vielen Jahren eng zusammen arbeitet.

Exzessive Überstunden

Die ArbeiterInnen in der Fabrik R.L. Denim Ltd. in Chittagon, Bangladesch, sind gezwungen Schichten von 13 bis 15 Stunden am Tag zu leisten und dies an 7 Tagen in der Woche. In der neunmonatigen Hauptsaison von Mai bis Januar gehen die Schichten von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Es gibt eine 30minütige Pause um 13 Uhr sowie eine 10minütige Pause um 19 Uhr. Zwei Wochen bevor die Auslieferung an die Metro AG ansteht, müssen die NäherInnen 20 Stunden arbeiten und zwar von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr früh am nächsten Tag. Wenn die ArbeiterInnen gezwungen werden die ganze Nacht zu arbeiten, haben sie lediglich eine zusätzliche Pause von 15 Minuten um 22 Uhr. NäherInnen müssen bis zu 97 Stunden in der Woche arbeiten: Dies überschreitet die von der Regierung Bangladeschs festgelegte maximale Überstundenzahl um 425 Prozent.

Das Arbeitssoll in der Fabrik ist extrem hoch: Die NäherInnen müssen in einer Stunde an 60 Jeans jeweils bis zu sechs Gürtelschlaufen nähen. Das bedeutet die ArbeiterInnen haben knapp 12 Sekunden Zeit, um eine Schlaufe anzunähen. Falls die NäherInnen das Soll nicht erfüllen, müssen sie noch länger in der Fabrik arbeiten – ohne dass die Überstunden bezahlt werden.

Achtzehnjährige zu Tode gearbeitet

Im Zulieferbetrieb R.L. Denim in Bangladesch starb die 18 Jahre alte Fatema Akter in Folge des Akkordmarathons. Anfang Dezember 2008 wollte sich Fatema krank melden, der Aufseher schlug ihr stattdessen ins Gesicht und schickte sie an ihren Arbeitsplatz zurück. Einige Tage später fühlte sich Fatema erneut sehr schlecht, so dass ihr sogar der Aufseher gestattete, sich auf ein Stück Karton auf dem Boden zu legen. Das Management unternahm nichst, um der inzwischen Ohnmächtigen zu helfen. Erst als die ArbeiterInnen forderten, dass Fatema in ein Krankenhaus gebracht werde, rief das Management eine kleine Motorrad-Rikscha, die sie in ein Hospital schaffte. Am selben Tag, um 17 Uhr, stellten die Ärzte des Krankenhauses Fatemas Tod fest. Fatema arbeitete in der Linie D in der Fabrik R.L. Denim für die Metro AG. Ihre Identitätsnummer war 532.

Ein anderer Arbeiter, 17 Jahre alt, hatte so hohes Fieber und starke Schmerzen in den Beinen, dass er darum bat, nach Hause gehen zu dürfen.Dies wurde ihm nicht erlaubt. Am Nachmittag fühlte er sich so schwach, dass er sich auf den Boden legen musste. Er verlor das Bewusstsein. Über 12 ArbeiterInnen bestätigten, dass der Manager, Herr Tapash, auf den Ohnmächtigen zulief und ihn brutal trat. Der ohnmächtige junge Mann bewegte sich jedoch nicht. Nach einiger Zeit brachte die Fabrikleitung den Ohnmächtigen ins städtische Krankenhaus.

Schwangere entlassen

Schwangere Arbeiterinnen wurden, teilweise kurz vor der Geburt ihres Kindes, von der Fabrikleitung entlassen, um den 16-wöchigen Mutterschutz, den das Arbeitsrecht Bangladeschs vorschreibt, nicht bezahlen zu müssen.

Die ArbeiterInnen verdienen extrem niedrige Löhne. Eine Hilfskraft verdient in einer 48-Stunden-Woche 24 Dollar, eine NäherIn zwischen 30 und 36 Dollar. Mit Überstunden kommen die ArbeiterInnen auf 50 bis 73 US-Dollar im Monat.

Aber damit nicht genug: Die ArbeiterInnen berichten, dass sie systematisch um einen Teil ihres Lohns betrogen werden: Etwa 30 Prozent des Lohns werden nicht ausgezahlt.

© 2010 Christliche Initiative Romero e.V.