Projekte - Nicaragua
Die Aktivistinnen aus dem Centro de Mujeres in Masaya. Mit Öffentlichkeitsarbeit tragen sie dazu bei, dass die Gewalt keine Privatangelegenheit bleibt.

Das Schweigen brechen, die Opfer schützen!

Die aktuellen Zahlen sind schockierend: Häusliche Gewalt ist nach einer aktuellen Studie des Europarats weltweit die Hauptursache für den Tod oder die Gesundheitsschädigung bei Frauen zwischen 16 und 44 Jahren. Sie rangiert damit noch vor Krebs oder Verkehrsunfällen.

In Nicaragua ist laut UN-Bericht jede dritte Frau Gewalt in ihrer Familie ausgesetzt. Das staatliche Kinder- und Jugendsekretariat sagt, dass es sich bei jedem sechsten Fall familiärer Gewalt um “an Kindern und Jugendlichen verübte Sexualdelikte” handelt.

Diesen erschreckenden Zahlen soll nun mit einem vielfältigen Programm begegnet werden. Drei nicaraguanische Frauenorganisationen und die Menschenrechtsorganisation CENIDH bündeln ihre Ressourcen und werden gemeinsam auf unterschiedlichen Ebenen Präventions- und Interventionsarbeit leisten. 

Dies ist überaus nötig, denn die kulturellen Muster, in denen alles Männliche überhöht wird, führen im Zusammenspiel mit ökonomischer Frustration und sozialem Abstieg dazu, dass die von Männern ausgeübte Gewalt in Nicaragua weiterhin ansteigt.

Hinzu kommt, dass sich die Täter einer weit verbreiteten Straflosigkeit erfreuen und keinerlei Konsequenzen ihres Handelns spüren. Familiäre Gewalt wird gemeinhin als Privatproblem angesehen und die Schuld bei den Opfern gesucht. Selbst wenn sich eine Frau mal traut Anzeige zu erstatten und aus der generellen Tabuisierung ausbricht, wird sie vor Gericht scheitern:  Das Versagen örtlicher Justizsysteme, verursacht durch Unterfinanzierung, Korruption und Unwissenheit, führt dazu, dass der Täter in den meisten Fällen nicht verurteilt wird.

Das Schweigen zu brechen, die Menschen aufzuklären, Täter und Opfer klar zu benennen und Unterstützung zu bieten, das sind notwendige Aktivitäten um einen Ausweg aus der Gewalt zu finden. Seit Anfang Oktober werden nun über hundert Frauen aus unterschiedlichen Gemeinden geschult, um als ehrenamtliche und lokale Promotorinnen Opfer von familiärer Gewalt zu begleiten und zu unterstützen. Gleichzeitig vermitteln sie Kontakte zu kostenloser, professioneller rechtlicher und psychologischer Hilfe.

Außerdem werden Selbsthilfegruppen aufgebaut, damit die Betroffenen sich gegenseitig stützen und gemeinsam Auswege aus ihrer Situation finden. Die Öffentlichkeit wird über Radiospots, Plakate und Informationsschriften sensibilisiert, um das Thema Gewalt zu politisieren und zu enttabuisieren und damit sich das bei Männern tief verankerte Bild von Frauen und Kindern langfristig ändert. Zudem bieten die Organisationen Schulungen für staatliche Funktionsträger, insbesondere in Justiz und Polizei, an.

Ein intensiver Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Organisationen – dem Frauenkollektiv in Masaya, dem Landfrauenkommitee in León, der Frauenbewegung MEC in Managua und dem nationalen Menschenrechtszentrum CENIDH wird das dreijährige Projekt abrunden.

Bitte helfen sie unseren Partnerorganisationen bei diesem Projekt mit einer Spende.

Im Centro Mujeres de Masaya lernen die Polizisten wie mit Opfern von Gewalt umgegangen werden sollte.
Das Frauenkollektiv in Masaya schult Polizisten im Umgang mit Opfern von Gewalt.
Das Team der Menschenrechtsorganisation CENIDH: Sie unterstützen betroffene Frauen und Kinder beim Gang zum Gericht.
Das Team der Menschenrechtsorganisation CENIDH: Sie unterstützen betroffene Frauen und Kinder beim Gang zum Gericht.
Die Aktivistinnen aus dem Frauenkollektiv Masaya. Mit Öffentlichkeitsarbeit tragen sie dazu bei, dass die Gewalt keine Privatangelegenheit bleibt.
Die Aktivistinnen aus dem Centro de Mujeres in Masaya. Mit Öffentlichkeitsarbeit tragen sie dazu bei, dass die Gewalt keine Privatangelegenheit bleibt.

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