Das Tagebuch Oscar Romeros.
Das Tagebuch Oscar Romeros.

El Salvador eröffnet Pilgerweg für Erzbischof Romero

El Salvador erinnert mit einem Pilgerweg an den vor mehr als 30 Jahren ermordeten Erzbischof Oscar Arnulfo Romero. Präsident Mauricio Funes eröffnete bereits im Oktober die Strecke, auf der Pilger*innen und Tourist*innen in etwa zwei Tagen die wichtigsten Stationen des Lebens und Wirkens Romeros besuchen können. Ergänzt wird dieser Weg durch eine Städtetour mit zehn Haltestellen in der Hauptstadt von thematischem Interesse.

Immer wieder pilgern Gläubige aus dem ganzen Land in Romeros Geburtsstadt Ciudad Barrios im Osten des Landes, um auf seinen Spuren zu wandeln und um in der Kirche vor dem großen Wandbild, das an ihn und seine außergewöhnlichen Taten erinnert, zu beten. Doch nicht nur Einheimische wollen den „unbequemen Streiter für Gerechtigkeit“ posthum ehren. Auch religiös Interessierte aus der ganzen Welt finden sich immer öfter unter den Besucher*innen. Das Tourismusministerium nahm das gestiegene Interesse nun zum Anlass, einen offiziellen Pilgerweg ins Leben zu rufen. Erste Station ist die Geburtsstadt. Weitere Orte, an denen Romeros gedacht wird, sind sein Grab in der Krypta der großen Kathedrale von San Salvador, sowie die kleine Kapelle neben dem Krebshospital La Divina Providencia im Stadtteil Sisimiles. Am 24. März 1980 wurde er hier aus einem vor dem Kapelleneingang vorfahrenden Volkswagen von einem Auftragskiller erschossen. Der Täter entkam. In seinem nur wenige Meter weit entfernten Wohnhaus ist heute ein kleines Museum eingerichtet. In einer Glasvitrine sind hier die blutverschmierten Messgewänder ausgestellt, die Romero bei seiner Ermordung trug. Daneben werden seine Bibel, der Hirtenstab, Fotos, Führerschein und Reisepass gezeigt. Im zweiten Raum, seinem ehemaligen kleinen Schlafzimmer, das nur ein schmales Oberlicht als Fenster hat, sind Romeros private Gegenstände zu besichtigen: Sein Bett, sein Schaukelstuhl, sein Tonbandgerät, auf dem er seine Erlebnisse des Tages diktierte, seine Kleidung, das Rasierzeug – alles ist penibel hergerichtet. „Der Raum wurde kaum verändert. Monseñor rechnete jede Sekunde damit, dass man ihn töten würde“, sagt Aurora Bárcenas (70), die die Besucher*innen durch das bescheidene 2-Zimmer-Häuschen führt. „Er war auf das vorbereitet, was passieren würde, und hat deshalb stets alles ordentlich weggeräumt.“

Der Weg sei ein Tribut an Romero, "der über Jahrzehnte den Kampf des Volkes für den Frieden repräsentiert" habe und "für die Verteidigung der Gerechtigkeit und Gleichheit stand", sagte Funes laut einem Bericht der Tageszeitung "La Prensa Grafica".

Als Erzbischof von San Salvador schärfte Oscar Romero seinen Blick für die soziale Not in seinem Heimatland und die politischen Verhältnisse, welche für diese verantwortlich waren. Nach einem Massaker an Demonstrant*innen, die gegen Fälschungen bei den Präsidentschaftswahlen protestierten, und nach der Ermordung des befreiungstheologisch geprägten Jesuitenpaters Rutilio Grande – eines Freundes Romeros – wandelten sich die Positionen des Erzbischofs zunehmend. Er definierte die Kirche als Anwältin der Armen und Entrechteten und ergriff konsequent Partei für diese. „Die Kirche würde ihre Liebe zu Gott und ihre Treue zum Evangelium verraten, wenn sie aufhörte, die Stimme derer zu sein, die keine Stimme haben“, brachte Romero die Dinge für sich auf den Punkt. Eine Haltung, die ihm auch in Kreisen des katholischen Klerus bei weitem nicht nur Freunde einbrachte.

© 2017 Christliche Initiative Romero e.V.