Zwischenbilanz des Pilotprojekts
Herzogenaurach / Münster/ El Salvador, 9. Juni, 2006 – Das Sportlifestyle Unternehmen PUMA und die Kampagne für „Saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign) ziehen im Rahmen des im Dezember gestarteten Pilotprojektes eine Halbzeitbilanz.
Das erste Audit wurde durch die unabhängige Monitoring-Gruppe GMIES durchgeführt. Als positiv stuft GMIES ein, dass in der Fabrik alle Arbeiter und Arbeiterinnen über einen gültigen Arbeitsvertrag verfügen und das Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge ordnungsgemäß abführt. Die Überstunden werden freiwillig geleistet und die Arbeiter/Arbeiterinnen gut behandelt. In der weltweiten Zulieferindustrie sind diese Rahmenbedingungen nicht selbstverständlich.
In der überprüften Fabrik wurden auch Problembereiche identifiziert. So belegt der Bericht, dass es in der entsprechenden Fabrik in der Vergangenheit Unregelmäßigkeiten bei Entlassungen gab und dass das Management der Fabrik der Bildung von Gewerkschaften offensichtlich nicht positiv gegenüber steht. Die Verhaltenskodizes von PUMA und der CCC enthalten jeweils klare Forderungen im Hinblick auf die Gewerkschaftsfreiheit.
Weiterhin wurde festgestellt, dass die Firma den in El Salvador gesetzlich festgelegten Mindestlohn bezahlt, dieser laut einer GMIES-Studie jedoch nicht ausreicht, um den Grundbedarf einer Familie zu decken, wie in dem Verhaltenskodex der CCC gefordert wird. Außerdem haben Analysen des Trinkwassers weiteren Handlungsbedarf ergeben. Darüber hinaus wurde von GMIES festgestellt, dass die Pausen der Arbeitnehmer nicht bezahlt werden. Das salvadorianische Arbeitsrecht enthält hierzu widersprüchliche Angaben. Dieser Sachverhalt ist noch zu klären.
Gemeinsam mit GMIES und der Leitung des Zulieferbetriebs haben es sich PUMA und die Kampagne für „Saubere Kleidung“ zur Aufgabe gemacht, konstruktive Lösungen zu entwickeln, um beispielsweise zu garantieren, dass zukünftig Entlassungen nur in voller Übereinstimmung mit dem Arbeitsgesetz erfolgen dürfen. Eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der teilnehmenden Fabrik soll in den nächsten Wochen durch gezielte Schulungen und Workshops sowohl für die Arbeiter und Arbeiterinnen als auch für das Management stattfinden. Unangekündigte Kontrollen beim Zulieferer haben das Ziel, die Umsetzung der erarbeiteten Verbesserungsvorschläge in den nächsten Monaten zu garantieren.
Hintergrund des Pilotprojektes ist die Überprüfung von Arbeitsbedingungen, die Umsetzung und Ausweitung einer unabhängigen Kontrolle sowie die Verifizierung der Einhaltung von Sozialstandards in zwei Zulieferbetrieben des Sportlifestyle Unternehmens sowie deren Sublieferanten in El Salvador. Wesentlich ist hierbei die Beteiligung lokaler Organisationen. Das Projekt baut auf den Verhaltenskodizes von PUMA und der Kampagne für „Saubere Kleidung“ auf und untersucht schwerpunktmäßig die Bereiche Gewerkschaftsfreiheit, Recht auf Kollektiv-Verhandlungen, Entlohnung und Überstunden sowie den Aspekt Frauendiskriminierung. In Kürze wird die salvadorianische Frauenorganisation ORMUSA ein Fokus-Gruppeninterview mit Arbeiterinnen zur Untersuchung der genderspezifischen Aspekte der Arbeit durchführen.
Bisher konnte das Projekt nur mit einer Fabrik durchgeführt werden. Der zweite Zulieferbetrieb hatte überraschenderweise die Geschäftsbeziehungen zu PUMA nicht aufgenommen, mit der Folge, dass das Projekt mit diesem Hersteller nicht realisiert werden konnte. Für PUMA und die CCC ist ohne Teilnahme mindestens eines weiteren Zulieferers die erfolgreiche Durchführung des Projektes nicht gewährleistet. PUMA bemüht sich darum aktiv um die Ausweitung des Pilotprojektes auf einen weiteren Zulieferer.
Die am Projekt beteiligte Fabrik steht momentan vor einer wirtschaftlich ungesicherten Zukunft, da der bisherige Hauptauftraggeber die Geschäftsbeziehung einstellen will. PUMA kann diese Auftragslücke nicht alleine schließen. Es muss deswegen auch erörtert werden, welche Verbesserungsmaßnahmen im Zulieferbetrieb noch umgesetzt werden können. Für diese Fabrik müssen damit gegebenenfalls Alternativen gefunden werden. Bis 23. Juni werden PUMA und CCC entscheiden, ob und in welcher Form das Projekt fortgeführt werden kann. Hierfür ist ausschlaggebend, dass die vollständige Realisierung des Projekts in zwei Zulieferfabriken zugesichert werden kann.


