presente 20 Jahre CIR

Das Erbe von Erzbischof Romero

Alternativen „Globalisierung” im Sinne der Solidarität

Im Jahr 1985 übernimmt die CIR den Namen des ermordeten Erzbischofs von San Salvador, Oscar Arnulfo Romero. Bischof Romero lebt eine engagierte Barmherzigkeit, die sich an den Opfern der herrschenden Gesellschaftsordnung orientiert und nach einer Gesellschaft sucht, in der alle Platz haben. Romero führt auch heute Menschen zusammen, die sich von ihm zu einer alternativen “Globalisierung” im Sinne der Solidarität inspirieren.

“Es ist sehr bezeichnend, dass die Achtziger Jahre, in denen die Schreckensherrschaft am schlimmsten wütete, mit einem Mord an einem Erzbischof begannen, der den ‚Stummen seine Stimme’ geliehen hatte, und mit der Ermordung von sechs Jesuiten zu Ende gingen, die sich der gleichen Aufgabe verschrieben hatten. Die Täter waren in beiden Fällen von den Siegern des ‚Kreuzzugs für Demokratie’ ausgebildete und bewaffnete Truppen. Man sollte im Auge behalten, dass die führenden kritischen Intellektuellen in Mittelamerika zweimal getötet wurden – sie wurden ermordet und zum Schweigen gebracht.” [Noam Chomsky, 2000]

Dem Komplott des Schweigens und Verschweigens, gerade in den Zeiten des totalisierten Marktgesetzes, wird die CIR widersprechen können, wenn sie an der Option für die Armen festhält. Die Option für die Armen ist keine Option von Reichen für die Armen, keine Option derer "da oben" für die "da unten", keine Option der in die Gesellschaft Integrierten für die aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen. Die Option für die Armen ergibt sich vielmehr aus der Option für das Überleben der Menschheit. Die Bedrohung des totalisierten Marktes betrifft die gesamte Menschheit, und nicht nur eine bestimmte Gruppe der Menschheit. Aber eben die Armen werden davon zuerst bedroht. Sie sterben, bevor sie gelebt haben. Die bloße Existenz der Armen beweist, dass die gegenseitige Anerkennung aller Menschen zerbrochen ist und dass insofern die menschlich-gesellschaftlichen Beziehungen insgesamt deformiert sind.

Die gegenseitige Anerkennung der Menschen hängt daran, dass die Menschen sich gegenseitig als körperliche und bedürftige Subjekte anerkennen. Nur wenn sie einander das reale und konkrete Leben möglich machen, suchen sie nach einer Gesellschaft, in der niemand ausgeschlossen wird.

Für die CIR kann es keine angeblich neutrale Erkenntnis geben. Und die Option ist für die CIR ein politisch bewusster Akt. Dieser Akt zielt darauf, das eigene gesellschaftliche Gewicht durch Projektunterstützung, Öffentlichkeitsarbeit und Reflexion in das Spiel der gesellschaftlichen Kräfte einzubringen, und zwar zugunsten einer befreienden politischen Praxis in der Geschichte.

© 2010 Christliche Initiative Romero e.V.