Artikel ARD dokumentiert Missstände aus der presente 3/2004
adidas leugnet Vorwürfe
ARD dokumentiert Missstände bei adidas
Vor laufender Kamera beklagten Arbeiterinnen, dass sie der unmenschliche Arbeitsdruck dazu bringe, Aufputsch- und Schmerzmittel einzunehmen, dass sie nur zwei Mal am Tag zur Toilette gehen dürften und dass sie von den Löhnen keinesfalls ihre Grundbedürfnisse befriedigen könnten. Es wurde auch eine Frau interviewt, die sich prostituieren muss, weil die Löhne in den Weltmarktfabriken – 151 Dollar im Monat – nicht ausreichen für sie und ihre drei Kinder. Obwohl adidas im eigenen Verhaltenskodex schreibt, dass „Grundlöhne mindestens den Lebensunterhalt und darüber hinaus einige zusätzliche Ausgaben abdecken müssen“, verlangt adidas von den Produktionsstätten lediglich, dass die Mindestlöhne gezahlt werden. Damit ist es so gut wie ausgeschlossen, dass die Lebenshaltungskosten und einige zusätzliche Ausgaben abgedeckt werden können.
Kein Leben in Würde
In El Salvador bräuchte man zwei bis drei Mindestlöhne, um die Grundbedürfnisse befriedigen zu können. Die geringen Löhne verdammen die ArbeiterInnen – trotz Vollzeitbeschäftigung, die obendrein die Gesundheit ruiniert – zu einem Leben in bitterer Armut. Der adidas-Sozialverantwortliche kam im Report- Bericht auch zu Wort: Er rechtfertigte den Konzern. Es sei „eine ökonomische Notwendigkeit, dass adidas-Salomon unter kostenoptimalen Gesichtspunkten produziert.“ adidas hat eine Stellungnahme zu dem Fernsehbericht verfasst, worin der Konzern die eigenen Kontrollen betont sowie die durch die Fair Labor Association, kurz FLA. Beide seien auf die von Report genannten Missstände nicht gestoßen. Auch gebe es in der Fabrik Hermosa seit Sommer 2003 keine Produktion für adidas mehr, die Firma Chi-Fung produziere seit Anfang 2003 nur mit zwei Prozent der Produktionskapazität für adidas.
Produziert hier nicht adidas?
Die ArbeiterInnen vor Ort berichten allerdings etwas ganz anderes: Im Jahr 2004 fertigten drei von 12 Produktionslinien der Fabrik Chi-Fung annähernd durchgängig mit jeweils 55 Arbeiterinnen für adidas. In der Firma Hermosa werden – entgegen der Aussage von adidas – adidas-Produkte hergestellt. Dabei handelt es sich wohl um eine Untervergabe der Aufträge, die die Firma Chi-Fung von adidas erhalten hat, an Hermosa. Dass adidas nicht weiß, dass Hermosa adidas-Produkte herstellt, wirft viele Fragen auf: Wie kann adidas für die Einhaltung des eigenen Kodex sorgen, wenn der Konzern nicht einmal weiß, wo seine Produkte hergestellt werden? Und: Als wie gut kann ein Kontrollsystem angesehen werden – das ja auch die Geschäftsbücher zu überprüfen hat – Stichworte: Lohnzahlung, Arbeitsstunden – wenn es nicht einmal heraus bekommt, dass ein Teil der Aufträge in einer ganz anderen Fabrik gefertigt werden?
Hoher Arbeitsdruck und Überwachung
Zu folgenden Punkten, die ebenfalls in dem Bericht von REPORT aufgeworfen wurden, nimmt adidas keine Stellung: hoher Arbeitsdruck, Überwachung der ArbeiterInnen mit Kameras, Zurechtweisen der ArbeiterInnen über Lautsprecher, Beschränkung der Toilettengänge und damit zusammenhängende Gesundheitsschäden, da die ArbeiterInnen zu wenig trinken und einer extremen Hitze in den Fabriken ausgesetzt sind. Mit seiner Stellungnahme versucht der Konzern, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Die CIR hat einen ausführlichen Kommentar hierzu verfasst, der viele der adidas-Aussagen widerlegt – und aufzeigt, welche Schritte adidas unternehmen müsste, um für eine wirkliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu sorgen.


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