Die eigenen Rechte kennen

Las Melidas: Ein Ort zum Lernen

Es ist heiß an diesem Februarmorgen in El Salvador, mitten in der Trockenzeit. Ein bisschen verstreut sitzen um die dreißig Frauen unter einem überdachten Innenhof, einige haben kleine Handtücher dabei, mit denen sie sich den Schweiß aus dem Gesicht wischen. Sie sind in das Zentrum der Frauenorganisation Asociación de Mujeres Melida Anaya Montes, M.A.M. kurz „Las Melidas“ in San Salvador gekommen, um an einer Schulung teilzunehmen. Die Stimmung ist angespannt und erwartungsvoll, die Frauen unterschiedlichen Alters kennen sich untereinander nicht und schauen noch etwas zurückhaltend umher. Äußerlich erkennt man nicht, woher sie kommen. Alle haben sich für den Tag bei den Las Melidas herausgeputzt, tragen ihre neuen T-Shrits und sind geschminkt. Die dunkelbraunen, langen Haare haben sie zu kunstvollen Knoten hochgesteckt, die mit Plastikspangen zusammengehalten werden. Tatsache ist, dass die Frauen aus den unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft El Salvadors kommen. Einige sind Fabrikarbeiterinnen, andere Marktfrauen, auch Prostituierte und Angestellte des öffentlichen Dienstes haben sich im Zentrum der Melidas eingefunden. Sie alle wollen heute eines: mehr über ihre Rechte als Frau erfahren.

Die Frauen haben die Melidas über verschiedene Projekte kennengelernt. Theodora zum Beispiel lebt auf dem Land und hat an einem Kleinkreditprogramm der Las Melidas teilgenommen. Seit dem fühlt sie sich unabhängiger und selbstbewusster. Die Schulungen, an denen jede Frau teilnehmen muss, um einen Kredit zu bekommen, haben ihr gezeigt, dass sie die Dinge in die eigene Hand nehmen kann. Heute hat sie extra die lange Busfahrt auf sich genommen, um in die Hauptstadt zu kommen. Sie nimmt an der Schulung teil um den Inhalt später in ihrer Ortsgruppe an die anderen Frauen weiter zu geben. Carla fand über ihre Arbeit in der Maquila Zugang zu den Las Melidas. Die Fabrikarbeiterin wandte sich an die Frauenorganisation nach dem sie gekündigt wurde, weil sie versuchte, sich mit anderen Frauen gewerkschaftlich zu engagieren. Die schüchtern wirkende Maria, die fast noch ein Mädchen ist, erfuhr von einer Freundin von den Las Melidas, nach dem sie ihr erzählt hatte, dass ihr Mann sie schlug und schlecht behandelte. Ihre Freundin ging mit ihr zu einer psychologischen Beratungsstelle der Las Melidas.

Die Las Melidas gründeten sich nach dem Ende des Bürgerkrieges in El Salvador in den 90er Jahren. Die Frauenorganisation setzt sich aktiv für die Rechte der Arbeiterinnen in den großen Maquilas ein. Außerdem bietet sie den Frauen Rechtsbeistand und Beratung im Falle häuslicher Gewalt sowie psychologische und medizinische Beratung. Ein Bereich, der in El Salvador immer noch oft tabuisiert wird. Frauen kennen ihre rechtlichen Möglichkeiten nicht, wissen nicht, wie sie sich wehren sollen. Auch deshalb gibt es viele Schulungen in unterschiedlichen Breichen. Alle, um Frauen zu stärken, ihnen Selbstbewusstsein zu geben und sie über ihre Rechte aufzuklären. Das Themenspektrum ist reichhaltig: das Angebot reicht von Menschen – und Frauenrechten über politische Themen, Verhandlungsstrategien und partizipativen Arbeitsmethoden bis hin zu Informationsveranstaltungen zur Gemeindegesetzgebung. Die Organisation ist seit ihrer Gründung stetig gewachsen und vernetzt heute viele Frauen, die sich für gerechtere Strukturen im Arbeitssektor sowie im privaten und öffentlichen Raum einsetzen. 

Am Ende des Tages, nach vielen Informationen, einem gemeinsamen Mittagessen und ausgetauschten Erfahrungen verabschieden sich die Frauen voneinander. Am 8. März, dem Weltfrauentag, wollen sie sich wiedersehen: auf der Straße bei einer Demonstration für die Rechte der Frau.

Die CIR möchte die Arbeit der Frauenorganisation weiter unterstützen. Helfen Sie uns dabei mit Ihrer Spende.

 

© 2010 Christliche Initiative Romero e.V.