Bergbau in Lateinamerika
Cerrejon-Mine in Kolumbien. Foto: Sebastian Roetters (powershift)

Überblick

Kohle aus Kolumbien, Gold aus Mittelamerika oder Kupfer aus Chile. Zahlreiche Rohstoffe, die wir zur Strom- oder Wärmeerzeugung benötigen, als Schmuck tragen oder in Hightech-Produkten verbauen, stammen aus Lateinamerika.

Dabei spielt der Abbau und Export von Rohstoffen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der meisten lateinamerikanischen Länder. Das Versprechen von Wohlstand und Entwicklung begründet ein (neo)extraktivistisches Wirtschaftsmodell. Doch kann es auch eingelöst werden? Immer wieder stehen Bergbauunternehmen weltweit in der Kritik: In Lateinamerika werden (indigene) Gemeinden von ihrem Grund und Boden vertrieben, obwohl in vielen Ländern die vorherige Befragung der Einwohner*innen (consulta previa) gesetzlich vorgeschrieben ist.

Profit vor Menschenrechten

Der erhoffte Reichtum bleibt für die meisten Betroffenen aus, auch wenn Bergbauunternehmen immer wieder aufwändige Propaganda betreiben, um die ansässige Bevölkerung für sich zu gewinnen. Scheitert diese Strategie, wird nicht selten Gewalt als Mittel eingesetzt, um die Unternehmensinteressen durchzusetzen. Oftmals sogar in Komplizenschaft mit dem staatlichen Sicherheitsapparat. Allein in 2014 wurden weltweit 116 Umweltaktivist*innen umgebracht, drei Viertel davon in Lateinamerika. Und Honduras ist trauriger Spitzenreiter. Nicht verwunderlich, dass der Bergbau zu den anfälligsten Sektoren für Korruption überhaupt gehört. Das Observatorio de Conflictos Mineros de América Latina (OCMAL) identifiziert derzeit 206 Bergbaukonflikte. Auf der Website des Netzwerkes findet man eine Karte, in der die Minenkonflikte in den verschiedenen Ländern Lateinamerikas markiert sind.

Widerstand von unten

Trotz dieser bedrückenden Faktenlage wird der Protest aus der Zivilgesellschaft gegen Bergbauprojekte immer lauter. In El Salvador wurde aufgrund des hohen zivilgesellschaftlichen Drucks ein Moratorium für Bergbauprojekte ausgesprochen, per Gerichtsentscheid wurde in Guatemala dem verantwortlichen Konzern die Lizenz für die Goldmine in La Puya entzogen. Volksbefragungen oder der unermüdliche Einsatz der Betroffenen für eine bergbaufreie Gemeinde bestätigen den Slogan, den man allerorts liest: "Si a la vida, no a la minería!" (Ja zum Leben, Nein zum Bergbau!)

Sieg über Bergbauindustrie in El Salvador

Parlament verabschiedet gesetzliches Bergbauverbot

"Wasser ist wertvoller als Gold!" - Demonstration vor dem Parlament einige Tage vor der Verabschiedung des Gesetzes. Foto: ADES.

30.03.2017 - Bis vor kurzem hat kaum einer erwartet, dass das Parlament das Anti-Bergbaugesetz noch verabschieden würde, für das soziale Bewegungen jahrelang leidenschaftlich gekämpft haben. Dann ging aber alles sehr schnell: Vor einigen Wochen hatte die Kommission für Umwelt und Klimawandel des Parlaments einen Gesetzentwurf erarbeitet. Gestern verabschiedete dann das Plenum einstimmig das elf Artikel umfassende Gesetz. Einen kurzen Moment lang unterbrachen die linke Regierungsbank der FMLN und die rechte Oppositionspartei ARENA ihr Streitigkeiten, um „eine einstimmige Entscheidung für den Schutz der Wasservorkommen zu treffen“, so der Twitter-Account des Parlaments. Das Gesetz begründet das Verbot der Erkundung und des Abbaus von Metallen im Tage- und Untertagebau sowie die Nutzung der im Goldbergbau verwendeten Chemikalien Zyanid und Quecksilber unter anderem folgendermaßen: "Der metallische Bergbau stellt ein Attentat gegen die Gesundheit der Einwohner El Salvadors dar und birgt ernsthafte Risiken für die Umwelt, indem er durch die Auswaschung von Schwermetallen und hochgiftige Abfälle (...) Wälder, Böden und Wasservorkommen gefährdet."

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Brasilien: Thyssenkrupp macht sich aus dem Staub

Deutscher Industriekonzern verkauft Stahlwerk in Rio de Janeiro. Anwohner und Fischer klagen weiter auf Entschädigung.

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Ecuador verliert Klage gegen Ölkonzern und muss Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen

Foto: Tiputini - Yasuni (http://flic.kr/p/aYw4b2) von Sara y Tzunki auf Flickr.com lizensiert unter CC-BY-NC 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/)

Das Schiedsgericht der Weltbank hat zu Gunsten des Ölkonzerns Occidental Petroleum (Oxy) entschieden. Der US-amerikanische Konzern hatte geklagt, dass sich Ecuador nicht an das bilaterale Investitionsschutzabkommen gehalten habe. Ecuador hatte 2006 den Vertrag mit Oxy gekündigt und verstaatlichte dessen Ölförderanlagen, da dieses illegal Aktien veräußert hatte. Das Gericht gibt dem Konzern Recht - Ecuador muss nun eine Summe von 1,1 Milliarden US-Dollar berappen. Die Höhe der Zahlungen entspricht dabei nur 60 Prozent des vom Konzern geforderten Betrags.

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Nicaragua: Keine Goldmine für B2 Gold

Foto: Movimiento M4

CIR-Partnerorganisation CENIDH feiert die Entscheidung als Erfolg der ländlichen Bevölkerung

„Undurchführbar“ lautet das Urteil der nicaraguanischen Regierung. Gemeint ist das von der kanadischen Firma B2 Gold geplante Bergbauprojekt in der Gemeinde Rancho Grande, in der Nähe der Stadt Matagalpa. Als Begründung wurden die negativen Auswirkungen auf Umwelt, die dort lebenden Menschen und die Qualität der Wasserquellen benannt. Das Umweltministerium überreichte B2 Gold, die seit 2 Jahren Erkundungsarbeiten in Rancho Grande durchgeführt hat, die Konzessionskündigung.

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Guatemala: Schließung der Goldmine El Tambor

Yolanda Oquelí von der La Puya Bewegung blockiert die Einfahrt der Mine. Foto: Guatemalan Human Rights Commission via wagingnonviolence.org

Nach drei Jahren Kampf gibt Richterin den Gemeinden Recht

Als die Richterin Angelica Noemi Tellez Hernandez am 15. Juli 2015 ihr Urteil verkündete, war die Freude bei den Gemeinden aus San Jose del Golfo und San Pedro Ayampuc groß. Seit drei Jahren haben sie sich in der La Puya-Bewegung friedlich, Tag und Nacht, für die Beendigung des Minenprojekts eingesetzt. Die amerikanische Firma Kappes, Cassiday & Associates (KCA) hatte die Mine in Betrieb genommen, ohne vorher die gesetzlich vorgeschriebene Zustimmung der betroffenen Gemeinden einzuholen. Damit hat sie gegen nationales und internationales Recht verstoßen. Nun solle die Firma binnen 15 Tagen alle Projekte in El Tambor beenden, ordnete Tellez Hernandez an.

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Schutz für El Salvador statt für Investoreninteressen!

Durch den Goldbergbau kontaminierte Gewässer in El Salvador. Foto: Johanna Fincke

Jetzt Petition an die Weltbank gegen rücksichtslosen Bergbau unterschreiben

Der australisch-kanadische Bergbaukonzern OceanaGold verklagt den Staat El Salvador auf 301 Millionen US-Dollar. Der Grund: Die Regierung verweigerte dem transnationalen Konzern nach einer Explorationsphase, eine Abbaukonzession zu erteilen. Nun entscheidet das Schiedsgericht der Weltbank. Was zählt mehr: Das Recht der Bevölkerung El Salvadors auf Gesundheit und sauberes Trinkwasser oder das Profitstreben von OceanaGold?

Unterstützen Sie die Online-Petition und üben Sie so Druck auf den Schiedsgerichtshof der Weltbank aus, die richtige Entscheidung zu treffen!

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Pulverfass Goldabbau in Nicaragua

Foto: CENIDH

Ein Kommentar von Juan Carlos Acre Campos von der CIR-Partnerorganisation CENIDH

Mai 2015- Der Goldbergbau wird in Nicaragua zu einem immer deutlicheren Zündstoff. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den Bergbaukonzernen und Kleinschürfer*innnen. Die staatliche Repression gegen die Protestierenden forderte in zwei Regionen Verletzte, zweifelhafte Festnahmen und einen Toten. Juan Carlos Acre Campos von der CIR-Partnerorganisation CENIDH beleuchtet in einem Kommentar die Hintergründe der aktuellen gewaltsamen Auseinandersetzungen.

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