Metro AG

Satte Gewinne fürs Unternehmen – Hungerlöhne für ArbeiterInnen
Handelsriese gerät wegen massiver Verletzung von Arbeitsrechten in die Kritik
„Das Sündenregister von Metro ist skandalös“, stellt Sandra Dusch Silva, Referentin der entwicklungspolitischen Organisation, fest. „Nicht nur Hungerlöhne kennzeichnen die Situation bei den ZulieferInnen in Ländern des Südens, sondern ebenso illegale Entlassungen, extreme Kurzzeitverträge von einem Monat und Schwangerschaftstests im Vorfeld von Einstellungen.“
Für Dusch Silva, die selbst auf der Hauptversammlung des Konzerns über Stimmrecht verfügt, ist es keine Frage: „Angesichts all dessen kann man als AktionärIn nicht ruhigen Gewissens für eine Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand stimmen.“ Sie fordert, eine solche Entlastung auf der Hauptversammlung 2010 zu verweigern. Die Christliche Initiative Romero sieht darüber hinaus die Metro Group in der Pflicht, in ihren Zulieferbetrieben endlich effektive Schritte zu existenzsichernden Löhnen zu unternehmen.
In der Kritik steht die Metro Group nicht zuletzt auch wegen des Geschäftsgebarens ihrer Vertriebslinie Media Markt: Um auf den chinesischen Markt zu expandieren, ist Media Markt eine Handels-Joint-Venture mit dem mexikanischen Elektronik- und Computerhersteller Foxconn eingegangen. Foxconn hat an seinem Standort in Ciudad Juarez mehr als 300 ArbeiterInnen entlassen, weil diese sich weigerten, exzessive Überstunden zu leisten. Am Produktionsstandort Guadalajara verstößt Foxconn gegen mexikanische Gesetze, indem es seine ArbeiterInnen zu Ketten-Kurzzeitarbeitsverträgen nötigt. Darüber hinaus wurden hier 50 ArbeiterInnen entlassen, ohne dass ihnen die gesetzlich vorgeschriebene Abfindung gezahlt wurde. „In diese Praktiken ist die Metro Group über die Zusammenarbeit mit Foxconn verstrickt. So etwas ist letztlich nur schamlos zu nennen“, kritisiert Sandra Dusch Silva.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Metro für Negativschlagzeilen gesorgt: In der Zulieferfabrik RL Denim in Bangladesch war eine junge Arbeiterin vor Erschöpfung gestorben. Der Fall war durch die Christliche Initiative Romero aufgedeckt worden.
Weckruf für Metro
Der Fall R. L. Denim habe für Metro wie ein „Weckruf“ fungiert. Zukünftig werde für die Kontrolle der Arbeitsrechte das Vier-Augenprinzip gelten, so dass nicht mehr nur der Einkauf die Umsetzung beaufsichtige, sonder auch der Comlpiance-Bereich des Konzerns.
Forderung der Kampagne für Saubere Kleidung erfüllt
Bei einem Treffen zwischen der CCC und Verdi mit Vertretern der Metro Group am gestrigen Donnerstag verkündete der Metro-Vorstand Frans Muller, Metro werde wieder Aufträge in der Fabrik R.L. Denim in Chittagong, Bangladesch platzieren. Metro hatte die Lieferbeziehungen „eliminiert“ (Vorstandsvorsitzender Cordes bei der Aktionärsversammlung am 13. Mai 2009), nachdem gravierende Arbeitsrechtsverletzungen bekannt geworden waren. Ein internationales Bündnis, darunter die CCC, Verdi und die Supermarktinitiative in Deutschland, Bundstagsabgeordnete, NLC und die Steelworkers-Gewerkschaft in USA, Unite – the Union in GB, Gewerkschaften und NRO aus Bangladesch und viele andere hatten in Briefen an Metro erklärt, dass der Rückzug des Konzerns aus der Fabrik nicht akzeptabel sei. Vielmehr müsse sich Metro seiner Verantwortung stellen und für die Arbeitsrechte in der Fabrik sorgen, die seit 2003 für Metro fertigte.
Eine Studie des NLC von Anfang Mai hatte aufgedeckt, dass die ArbeiterInnen geschlagen und die Löhne nicht ausgezahlt wurden; sie mussten sieben Tage und bis zu 97 Stunden pro Woche arbeiten. Eine Frau war gestorben, weil sie den Akkordmarathon nicht mehr aushielt und nicht zum Arzt durfte. Daraufhin brach sie am Arbeitsplatz zusammen. Metro stellte einen Zusammenhang zwischen dem Tod der Arbeiterin und den Arbeitsbedingungen in der Fabrik in Abrede, für CCC und Ver.di, basierend auf den NLC-Recherchen – ist dieser jedoch naheliegend. Muller räumte ein, bei Metro habe es große Versäumnisse gegeben. Der Fall R. L. Denim habe für Metro wie ein „Weckruf“ fungiert. Zukünftig werde für die Kontrolle der Arbeitsrechte das Vier-Augenprinzip gelten, so dass nicht mehr nur der Einkauf die Umsetzung beaufsichtige, sonder auch der Comlpiance-Bereich des Konzerns. Metro werde ab sofort wieder Aufträge in R. L. Denim platzieren, das Auftragsvolumen entspreche dem früheren. Zusammen mit dem Fabrikbetreiber werde sich Metro um noch ausstehende Zahlungen, nicht erteilten Mutterschutz und andere Probleme kümmern. Zukünftig solle dort gesetzeskonform gearbeitet werden. Sollten dafür die Kosten für den Einkauf der Produkte steigen, sei Metro bereit, diese zu tragen.
Verdi und CCC zeigten sich zufrieden mit den von Metro in Aussicht gestellten Schritten. Im Fabrikalltag muss sich nun zeigen, wie weit es zu Verbesserungen für die ArbeiterInnen kommt.
Keine Übereinstimmung konnte beim Kontrollmodell gefunden werden: Metro hält an Kontrollen durch die BSCI fest. Die CCC kritisiert BSCI, weil es keine Multistakeholder-Inititative ist, an der NRO und Gewerkschaften gleichberechtigt beteiligt sind. Auch setzt BSCI fast ausschließlich auf Fabrikkontrollen, lässt aber die Einkaufspraxis der Auftraggeber wie Metro außer Acht.
CCC und Verdi werten die Rückkehr von Metro nach R. L. Denim und die Bemühungen, sich nun für die Umsetzung der Arbeitsrechte dort zu kümmern, als wichtigen Erfolg der Zivilgesellschaft. Damit wurde verhindert, dass die ArbeiterInnen von R. L. Denim – nach den Jahren der Arbeitsrechtsverletzungen – nun ein zweites Mal mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bestraft wurden.
Massive Arbeitsrechtsverletzungen
Näherin zu Tode gearbeitet – Schwangere entlassen – Über 90 Arbeitsstunden pro Woche – Löhne veruntreut – ArbeiterInnen unterstützen!
Exzessive Überstunden
Die ArbeiterInnen in der Fabrik R.L. Denim Ltd. in Chittagon, Bangladesch, sind gezwungen Schichten von 13 bis 15 Stunden am Tag zu leisten und dies an 7 Tagen in der Woche. In der neunmonatigen Hauptsaison von Mai bis Januar gehen die Schichten von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Es gibt eine 30minütige Pause um 13 Uhr sowie eine 10minütige Pause um 19 Uhr. Zwei Wochen bevor die Auslieferung an die Metro AG ansteht, müssen die NäherInnen 20 Stunden arbeiten und zwar von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr früh am nächsten Tag. Wenn die ArbeiterInnen gezwungen werden die ganze Nacht zu arbeiten, haben sie lediglich eine zusätzliche Pause von 15 Minuten um 22 Uhr. NäherInnen müssen bis zu 97 Stunden in der Woche arbeiten: Dies überschreitet die von der Regierung Bangladeschs festgelegte maximale Überstundenzahl um 425 Prozent.
Das Arbeitssoll in der Fabrik ist extrem hoch: Die NäherInnen müssen in einer Stunde an 60 Jeans jeweils bis zu sechs Gürtelschlaufen nähen. Das bedeutet die ArbeiterInnen haben knapp 12 Sekunden Zeit, um eine Schlaufe anzunähen. Falls die NäherInnen das Soll nicht erfüllen, müssen sie noch länger in der Fabrik arbeiten – ohne dass die Überstunden bezahlt werden.
Achtzehnjährige zu Tode gearbeitet
Im Zulieferbetrieb R.L. Denim in Bangladesch starb die 18 Jahre alte Fatema Akter in Folge des Akkordmarathons. Anfang Dezember 2008 wollte sich Fatema krank melden, der Aufseher schlug ihr stattdessen ins Gesicht und schickte sie an ihren Arbeitsplatz zurück. Einige Tage später fühlte sich Fatema erneut sehr schlecht, so dass ihr sogar der Aufseher gestattete, sich auf ein Stück Karton auf dem Boden zu legen. Das Management unternahm nichst, um der inzwischen Ohnmächtigen zu helfen. Erst als die ArbeiterInnen forderten, dass Fatema in ein Krankenhaus gebracht werde, rief das Management eine kleine Motorrad-Rikscha, die sie in ein Hospital schaffte. Am selben Tag, um 17 Uhr, stellten die Ärzte des Krankenhauses Fatemas Tod fest. Fatema arbeitete in der Linie D in der Fabrik R.L. Denim für die Metro AG. Ihre Identitätsnummer war 532.
Ein anderer Arbeiter, 17 Jahre alt, hatte so hohes Fieber und starke Schmerzen in den Beinen, dass er darum bat, nach Hause gehen zu dürfen.Dies wurde ihm nicht erlaubt. Am Nachmittag fühlte er sich so schwach, dass er sich auf den Boden legen musste. Er verlor das Bewusstsein. Über 12 ArbeiterInnen bestätigten, dass der Manager, Herr Tapash, auf den Ohnmächtigen zulief und ihn brutal trat. Der ohnmächtige junge Mann bewegte sich jedoch nicht. Nach einiger Zeit brachte die Fabrikleitung den Ohnmächtigen ins städtische Krankenhaus.
Schwangere entlassen
Schwangere Arbeiterinnen wurden, teilweise kurz vor der Geburt ihres Kindes, von der Fabrikleitung entlassen, um den 16-wöchigen Mutterschutz, den das Arbeitsrecht Bangladeschs vorschreibt, nicht bezahlen zu müssen.
Die ArbeiterInnen verdienen extrem niedrige Löhne. Eine Hilfskraft verdient in einer 48-Stunden-Woche 24 Dollar, eine NäherIn zwischen 30 und 36 Dollar. Mit Überstunden kommen die ArbeiterInnen auf 50 bis 73 US-Dollar im Monat.
Aber damit nicht genug: Die ArbeiterInnen berichten, dass sie systematisch um einen Teil ihres Lohns betrogen werden: Etwa 30 Prozent des Lohns werden nicht ausgezahlt.



Diese Website wird mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union betreut. Die darin vertretenen Standpunkte geben die Ansicht der Christlichen Initiative Romero wieder und stellen somit in keiner Weise die offizielle Meinung der Europäischen Gemeinschaft dar.
Das DZI bescheinigt der Christlichen Initiative Romero einen verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern.