So war die Herbsttagung 2017

„Jetzt fühle ich mich gewappnet, in der Wirtschafts-Vorlesung an der Uni auch mal das Thema Menschenrechte anzusprechen“, so lautete das Feedback einer Teilnehmerin an unserer Herbsttagung zum Thema „Europas Rohstoffhunger“ am 21. Oktober.

Die Tagung lockte rund 70 Teilnehmende an besagten Samstag in die ESG in Münster. Der Raum war voll, junge Gesichter und langjährige Unterstützer*innen der CIR blickten gespannt auf Moderatorin Isabell Ulrich und wurden willkommen geheißen von ihr und Anne Nibbenhagen, Geschäftsführerin der CIR.

Es folgten zunächst Einführungsvorträge zum Thema imperiale Lebensweise und Rohstoffe. Christian Wimberger (CIR) erzählte, woher die Rohstoffe für die deutsche Industrie kommen. Antonia Reichwein (Germanwatch) weitete den Blick für die deutsche Rohstoffpolitik, die auf Versorgungssicherheit ausgerichtet ist, aber menschenrechtliche, ökologische und soziale Maßstäbe hinten anstellt. Eine für viele Teilnehmende neue Perspektive auf die Rohstoffproblematik vermittelte Prof. Dr. Markus Wissen (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin) mit seiner wissenschaftlichen Betrachtung von imperialer Lebensweise. Führt uns die Gleichzeitigkeit von Krisenbewusstsein, -anpassung und –verschärfender Handlung zur Benutzung von Sicherheit suggerierender SUVs?

Aktivist*innen aus Nicaragua und El Salvador berichteten nach einer kleinen Pause über Bergbau in ihren Ländern. Heizel Torres vom Centro Humboldt zeigte, wie Unternehmen in Nicaragua gesetzliche Vorgaben umgehen, um an Bergbaukonzessionen gelangen und notwendige Umweltanalysen im Vorfeld nicht durchzuführen. Sie gab Einblicke in die Verstrickungen von wirtschaftlichen Interessen von Einzelpersonen in der Regierung mit den Machenschaften der Unternehmen. Außerdem ging es um konkrete Protestaktionen in nicaraguanischen Gemeinden. Bettina von Reden (TransFair e.V.) zeigte als eine mögliche Handlungsalternative die Zertifizierung Fairtrade Gold auf. Pedro Cabezas von CRIPDES schilderte schließlich wie Bergbaukonzerne in El Salvador besiegt werden konnten und im März 2017 ein weltweit einzigartiges Bergbauverbot verabschiedet wurde.

„Vor allem schätze ich immer Begegnungen mit Vertreter*innen von vor Ort, also wie hier mit Heizel Torres und Pedro Cabezas, besonders in dem  entsprechenden Workshop“, so Evelyn Kähler, Teilnehmerin von Workshop 1 zu „Solidarische Aktionen und kritische Kampagnen“. In Workshop 2 ging es um kritische Bildungsmaterialien zum Thema IT – die Teilnehmenden lernten u.a. von Susanne Jordan (Nager IT), wie sie eine faire Maus auseinanderbauen können und spielten das interaktive Brettspiel „JUSTICE – Das Leben eines Smartphones“. Dass für die 42 Zukunftstechnologien zunehmend menschenrechtlich bedenkliche Rohstoffe wie Lithium und seltene Erden abgebaut werden und ein starker Anstieg des Rohstoffverbrauchs erwartet wird, zeigten Merle Groneweg und Hannah Pilgrim in Workshop 3.

Wir von der CIR möchten an dieser Stelle noch einmal allen danken, die diese Tagung einzigartig gemacht haben – Teilnehmende, Referent*innen und natürlich unseren beiden Gästen aus El Salvador und Nicaragua.  Wir freuen uns auf die nächste Tagung mit Ihnen, die wohl im kommenden Jahr, wieder im Herbst, stattfinden wird.

Wir möchten uns auch herzlich bei der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen für die Finanzierung der Tagung bedanken.

Übrigens finden Sie hier auch einige Präsentationen und weitere Links der Referent*innen:

Wer stillt unseren Rohstoffhunger? – Ein Überblick (Christian Wimberger)

Rohstoffpolitik - Zwischen Industrieinteressen und dem Schutz von Menschenrechten (Antonia Reichwein)

Was ist Imperiale Lebensweise? über Konsum und globale Produktionsverhältnisse (Prof. Dr. Markus Wissen)

Rohstoffreiches Nicaragua – menschenrechtliche und ökologische Auswirkungen vor Ort (Heizel Torres)

Fairtrade Gold (Bettina von Reden)

Sind Bergbaukonzerne unbesiegbar? – Erfahrungen aus El Salvador (Pedro Cabezas)

Industrie 4.0 - neue Technologien, neue Rohstoffbedarfe [Kurzversion] (Merle Groneweg und Hannah Pilgrim)

Studie: Ressourcenfluch 4.0 - Die sozialen und ökologischen Auswirkungen von Industrie 4.0 auf den Rohstoffsektor (PowerShift)

Endlich wieder eine CIR-Herbsttagung!

Dieses Jahr ist es wieder so weit: die CIR veranstaltet am 21. Oktober in der ESG Münster nach vierjähriger Pause wieder eine Herbsttagung - dieses Mal zum Thema Rohstoffabbau, Menschenrechte und Konsum. 

Vielleicht haben Sie schon mal in der presente von den Auswirkungen des Bergbaus gelesen? Oder Sie fragen sich, warum Fairtrade jetzt auch Gold zertifiziert? Jetzt wollen Sie sich weiter informieren, um politisch aktiv zu werden? Dann sind Sie genau richtig!

Worum geht es?

Dieses Mal dreht sich die Herbsttagung um den Themenkomplex Rohstoffabbau, Menschenrechte und Konsum. Wir werden dabei nicht nur ÜBER die Auswirkungen des Rohstoffabbaus sprechen, sondern auch MIT Aktivist*innen aus Mittelamerika, die gemeinsam mit betroffenen Gemeinden Widerstand gegen den Raubbau leisten:

Unsere Südgäste

Pedro Cabezas von der Entwicklungsorganisation CRIPDES aus El Salvador hat zusammen mit seinen Mitstreiter*innen ein gesetzliches Bergbauverbot in El Salvador erwirkt – das erste weltweit.

Heizel Torrez von der Umweltorganisation Centro Humboldt aus Nicaragua betreut von Bergbauprojekten betroffene Gemeinden und trifft dabei immer wieder auf Kleinschürfer, die unter widrigen Bedingungen nach Gold suchen und von transnationalen Konzernen zurückgedrängt werden.

Mit diesen und weiteren Expert*innen können Sie darüber diskutieren, welche Rolle Deutschland als rohstoffintensive Volkswirtschaft aber auch die Konsument*innen spielen. Welche Wege führen aus der Gewalt und der Umweltzerstörung, die der Bergbau vielerorts im globalen Süden verursacht? Sind Zertifizierungen wie der neue Fairtrade-Gold-Standard die Lösung?

Unsere Referent*innen

Programm der Herbsttagung

Mehr lesen

© 2017 Christliche Initiative Romero e.V.