Oscar Arnulfo Romero – Romero-Delegation 2010
In El Salvador viele Erfahrungen gesammelt: TeilnehmerInnen der Delegationsreise

Auf den Spuren Oscar Romeros

Persönliche Eindrücke der Delegationsreisenden

Zwei Wochen lang hat im März 2010, organisiert von der Christlichen Initiative Romero, eine Delegation aus Deutschland El Salvador bereist. Vor dem Hintergrund des 30. Todestages Monseñor Oscar Romeros am 24. März wollte sich die Gruppe in dessen Heimatland auf eine spirituelle und politische Spurensuche begeben. Die Teilnehmer*innen der Delegationsreise haben für die Website der Christlichen Initiative Romero ein Tagebuch mit persönlichen Eindrücken und Gedanken verfasst. Auf diese Weise bieten wir Ihnen Einblicke in das, was die Gruppe aus Deutschland in El Salvador erlebt hat.

El Salvador im Rückblick

Das ganze Land ist ein Vulkan.
Tief dunkel unter unseren Tritten
wirkt Urgewalt und bricht sich Bahn,
vernichtet wahllos Äcker, Hütten... –
und niemand weiß, woher und wann.
Das ganze Land ist ein Vulkan.
Wenn Vulcanellen dich erreichen,
das wirft dich aus der sichren Bahn...,
wirst selbst Vulkan, kannst nur noch schleichen –
du nennst es zynisch: Montezumas Rache.
Das ganze Land ist ein Vulkan.
Wie Dummheit, Gier, Gewalt und Wut
lawinengleich auf Menschen kam
und sich in blindem Hass entlud –
in El Mozote zählte man 2000 Tote.
Das ganze Land ist ein Vulkan,
liegt stumm, verbrannt und voller Leichen...
Der Aufstand wuchs und brach sich Bahn
und konnte Frieden nicht erreichen –
nur Waffenruhe gegen Amnestie.
Das ganze Land ist ein Vulkan.
Wie kann auf Lava Liebe blühen,
durch Leid und Unrecht brechen Bahn,
dass Gram und Dunkel endlich fliehen?
Erlebt! – und kaum gewusst, warum und wie.
Dr. Andreas Hämer, Großrosseln

24. März 2010 – 30. Todestag Oscar Arnulfo Romeros

Als wir um 6.30 Uhr von unserem Hotel zu Fuß zur Kapelle La Divina Providencia aufbrechen, ist es angenehm mild, ein wunderschöner Morgen. Vor der Kapelle sind schon viele Menschen versammelt: SchülerInnen in Uniform, unterschiedlich gekleidete Erwachsene, darunter etliche, denen man ansieht, dass sie nicht aus El Salvador stammen. Und natürlich Händler, die ihre Früchte, Getränke, Romero-T-Shirts und Plakate anbieten. In der Kapelle übt die Band die Lieder für den Gottesdienst. Auf 7 Uhr war die Messe angesetzt – es ist kurz vor 8 Uhr, als das Eingangslied gesungen wird.

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22. März 2010 – Besuch bei den „Hermosas”

Wir sind in der Werkstatt der „Hermosas“ – einer Frauengruppe, die als ehemalige Maquila-Näherinnen eine Kooperative gründen wollen. Vor fünf, sechs Jahren waren sie nach der Gründung einer Gewerkschaft aus ihrem salvadorianischen Betrieb namens Hermosa, der unter Maquilabedingungen Exportkleidung herstellte, entlassen worden.

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22. März 2010 – Barbarische Kriminalität

Bis jetzt ist es zwar anstrengend, aber ich bin froh, dass ich gefahren bin. Vieles ist anders hier als vor 30 Jahren. Aber das Land entkommt seiner Geschichte und seinen Gegensätzen nicht. Wir haben unter anderem El Mozote, sieben Busstunden von der Hauptstadt entfernt, besucht, wo das Militär vor 30 Jahren im Rahmen einer mit den USA abgestimmten Kampagne „Verbrannte Erde“ 1400 Dorfbewohner, Männer, Frauen, Kinder barbarisch zusammengetrieben und abgeschlachtet hat.

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21. März 2010 – Romero Gedenkmarsch

Wir sind gerade vom Strand zurückgekehrt, von der Costa del Sol, eineinhalb Stunden von San Salvador weg. Ein großer Teil des Strandes ist mit Privathäusern und Hotels unterschiedlicher Qualitäten zugebaut. An einigen Stellen sehen wir Menschentrauben, die an bezahlten Strandzugängen mit kleinen Vergnügungseinrichtungen Einlass suchen. Wir kommen an einem öffentlichen größeren Strand an, mit vielen überdachten Restaurants, teils direkt auf dem Strand, teils über dem Strand auf Stelzen in luftiger Höhe gebaut. Wir machen in einem dieser schwebenden Restaurants Rast.

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18. und 19. März 2010 – Ein Leben ohne Waffen

Gewalt in El Salvador. Meine Reise begann einige Tage vor der Delegationsreise in Nicaragua. Als ich dem Taxifahrer in Managua erzählte, dass ich in einigen Tagen nach El Salvador weiterreisen würde, meinte er nur: „Das ist ein gefährliches Land, es gibt viel Gewalt.” Und so begrüßte mich beim Ankommen an der Stadteinfahrt von San Salvador auch ein Schild, das mir seitdem oft begegnet ist: „San Salvador, nuestra capital – libre de armas”. Ja, frei von Waffen, das ist ein Traum, den hier viele Menschen haben – und den etliche andere fürchten.

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17. März 2010 – Besuch im Centro Bartolome de las Casas

Vor der Kirche El Rosario stiegen wir aus unserem Bus aus. El Rosario – ein eigenartiger Kirchenbau, der eher an ein Parkhaus erinnert. Die bunten Fenster, von außen gar nicht wahrnehmbar, verströmten ein wunderbares Licht in den Farben des Regenbogens. Als 1979 bei einer Demonstration das Militär vor der Kirche auf DemonstrantInnen schoss, flüchteten die Verletzten in die Kirche. Die Soldaten ließen sie nicht wieder heraus, so dass sie in der Kirche starben. Ein Gedenkstein im Boden erinnert an sie.

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16. März 2010 – „Sie haben Recht”

Juan Rojas von IPES, der uns gestern zur Saatgutsegnung mitgenommen hat, erzählte heute Morgen von der Gründung von IPES, dem Institut für Permakultur, einer politisch und religiös unanabhängigen Einrichtung zur Erforschung und Verbreitung nachhaltiger Landwirtschaft.

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16. März 2010 – Besuch in El Mozote

Eine kleine Frauengruppe unterhält hier am Ort des Massakers von 1981 eine Erinnerungsstätte. Eine Frau dieser Gruppe erzählt uns, was ihr von der einzigen Überlebenden – Rufina Amaya – berichtet wurde. Ich schreibe hier nur eine Szene auf, die eine Ahnung vermittelt von der unendlichen Grausamkeit, die den Bewohner*innen von El Mozote angetan wurde.

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15. März 2010 – Frühlingsfest mal anders

Über vierstündige Fahrt nach Morazan, genauer: zu einem Weiler namens El Rodeo bei Cacaopera. Dort wurden wir zu einem typischen Mittagessen empfangen: zwei Tortillafladen, auf unterschiedliche Art aus Mais zubereitet, Reis und Huhn (den Hühnern müssen, wie Erika konstatierte, wohl längere Lebenszeiten als sonst üblich vergönnt gewesen sein). Anschließend wurden wir Zeug*innen eines Frühlingsfestes mit Saatweihe-Ritual. Allein die Vorbereitungen waren faszinierend…

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13. März 2010 – Ein abgebrochenes Leben

Termin am Museo Monseñor Romero, dem kleinen Wohnhaus auf dem Gelände des Hospitals La Divina Providencia in San Salvador, in das Romero als Erzbischof zog, weil er den erzbischöflichen Palast für Rechtsberatung, Treffen von Basisgruppen und anderes zur Verfügung gestellt hatte. Im Haus sind verschiedene Dinge seines persönlichen Besitzes ausgestellt, unter anderem der aufgeschlagene Kalender, in dem die ganze Woche vom 23. März 1980 an gefüllt ist – Termine am 25., 26., 27…. März, die er nicht mehr wahrnehmen konnte. Selten kommt die Wirklichkeit des Todes so nah – so radikal, unerbittlich, gnadenlos. Man steht vor einem abgebrochenen Leben.

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