CIR


„Habt auch in der Zukunft viele bahnbrechende Ideen, die Euch auszeichnen“

Grüße von Brigitte Hauschild, Aguas Bravas,
zu 40 Jahren CIR

März 2021

40 Jahre… Herzlichen Glückwunsch

Brigitte Hauschild, Mitbegründerin der Frauen-Organisation Aguas Bravas

Foto: Bärbel Fünfsinn

Seit mindestens 25 Jahren habe ich eine intensive Beziehung zur Christlichen Initiative Romero in Münster. Die Textil-Kooperative „Julia H. de Pomares“ in Managua, in der ich seit 1988 ehrenamtlich ausgebildet und mitgearbeitet habe, hat für die CIR würdig hergestellte Taschen aus naturbelassener Baumwolle gekauft. Diese wurden dann mit einem Aufdruck „FAIRER HANDEL“ versehen.
Die einheimische Textilindustrie in Nicaragua – mehrheitlich in Kooperativen organisiert – wurde damals stark betroffen von der sich ausbreitenden Produktion in sogenannten „Zonas Francas“, in denen überwiegend Frauen in Produktionsketten zu einem miserablen Lohn beschäftigt wurden. Damals schon arbeitete die CIR bereits – nicht nur in Nicaragua – intensiv für würdige Arbeitsbedingungen und gerechten Lohn. Bis heute realisiert sie in Deutschland mit einem engagierten Team öffentliche Veranstaltungen zum kritischen Konsum, fordert die Regierung auf, Gesetze zu erlassen, die Unternehmen verpflichten, bei ihren Lieferanten, aber auch in ihren Handelsketten Menschenrechte einzuhalten. Die Bürger und Bürgerinnen werden zu kritischem und verändertem Kaufverhalten eingeladen.

Die Frauen und Männer, die in Nicaragua und anderen Ländern für Billiganbieter von Kleidung arbeiten müssen, haben dank des unermüdlichen Einsatzes der Organisationen vor Ort – in Nicaragua zum Beispiel des „Movimiento de Mujeres Maria Elena Cuadra“ (MEC) – mit Unterstützung der CIR bereits Verbesserungen im Bereich von Arbeitssicherheit und gerechteren Löhnen erreicht. Die permanente Bewusstseinsarbeit der CIR bei den Unternehmen in Deutschland sowie ihre Bemühungen im politischen Bereich trugen auch dazu bei, gesetzlich verankerte Verbesserungen zu erreichen.

Die CIR unterstützt außerdem seit vielen Jahren Nichtregierungsorganisationen (NROs) in Mittelamerika, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen engagieren. Eine davon war und ist Aguas Bravas. Diese NRO gründete ich 2007 in Nicaragua gemeinsam mit Frauen, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit erlebt haben.

Aguas Bravas geht es darum, diesen betroffenen Frauen die Möglichkeit zu geben, die Folgen dieser Gewalterfahrung in der Kindheit zu verarbeiten. Durch Selbsthilfegruppen, Einzeltherapie und Körperarbeit bauen die Frauen ihr Selbstwertgefühl wieder auf. Ein sehr wichtiger Nebeneffekt ist die bessere Prävention von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Die CIR unterstützt sie dabei. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Solidaritätsorganisation sich diesem Thema öffnet.

Ganz wichtig ist ebenfalls, dass die Solidarität der CIR mit Aguas Bravas dazu beiträgt, dass sexueller Missbrauch an Universitäten und Schulen nun ein Thema ist. Mitarbeiterinnen von Aguas Bravas halten dort nun Lehrmodule und auch von Schulen erhält Aguas Bravas Anfragen, Lehrkräfte zu sensibilisieren.

Ich schätze an der CIR besonders die partnerschaftliche Zusammenarbeit und ihre Erkenntnis, dass strukturelle Verbesserungen nur langfristig zu erreichen sind. Deshalb bedeutet „Projekt“-Finanzierung, sich auf eine dauerhafte Zusammenarbeit einzulassen. Die Offenheit und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, macht die CIR zu einer vertrauensvollen Partnerin.

Herzlichen Glückwunsch zu Eurem Jubiläum. Ihr seid in 40 Jahren sehr gewachsen, personell und im Hinblick auf die Aufgaben, denen Ihr Euch stellt.

Habt auch in der Zukunft viele bahnbrechende Ideen, die Euch auszeichnen. Viele Eurer Aktionen und Kampagnen binden die Bevölkerung aktiv ein, das finde ich toll. Arbeitet weiter zum Thema kritischer Konsum, politischer- und Unternehmensverantwortung und bleibt Eurer Solidarität mit Mittelamerika treu.

Schließlich noch ein ganz persönlicher Wunsch: Angesichts der bedrohlichen Lebensbedingungen vieler Menschen in „Krisengebieten“ nimmt die Zahl derjenigen, die aus ihren Heimatländern fliehen – auch aus Mittelamerika – dramatisch zu. Es sind Hunger, Kriege, menschenrechtsverachtende Diktaturen, klimabedingte Gründe, die Menschen zur Flucht treiben. Wendet Euch bitte zukünftig auch diesem immer dringender werdenden Thema zu, das Ihr in Eurer Satzung habt: der Hilfe für politische, rassisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge.

„Romeros Worte und Taten sind auch 40 Jahre nach seinem Todestag noch von bestechender Aktualität“. So habt Ihr über ihn 2020 geschrieben. Die CIR wird auch in den nächsten Jahren das Vermächtnis Romeros in Taten umsetzen.

Brigitte Hauschild