Honduras

Erneut Attentat auf Trans*Aktivistin in Honduras

Wir solidarisieren uns mit der Trans*-Aktivistin Paola Flores, auf die am 20. Januar 2020 ein Attentat verübt wurde und mit ihrer Organisation Asociación LGBT* Arcoíris de Honduras. Wir fordern sofortige Ermittlungen gegen die Täter sowie effektiven Schutz von Menschenrechtsverteidiger*innen insbesondere aus der Trans*Community.

24. Januar 2020 / Ökumenisches Büro München

Foto: Asociación Arcoriris

Paola Flores,Trans*Menschenrechtsverteidigerin der Asociación LGBT* Arcoíris de Honduras wurde am 20. Januar 2020 von Unbekannten mit einer Schusswaffe verletzt. Sie war am frühen Abend mit einer Kollegin der Organisation Cozumel Trans im Zentrum der Hauptstadt Tegucigalpa etwas einkaufen gegangen. Als die beiden ein Taxi nahmen, um nach Hause zu fahren, bemerkten sie, dass ein Motorrad sie verfolgte. Auf Höhe der staatlichen Universität beschlossen sie, aus dem Taxi auszusteigen, um sich in ein nahegelegenes Restaurant an dem gegen 19 Uhr noch sehr belebten Boulevard zu retten. Die beiden Frauen rannten schnell los. Der Beifahrer des Motorrads schoss auf sie und traf Paola Flores ins rechte Bein. Danach flüchteten die Täter rasch. Paola und ihre Begleiterin erkannten sie nicht, bisher wurde niemand festgenommen. Das Universitätskrankenhaus Hospital Escuela weigerte sich zunächst, Paola zu behandeln – eine Erfahrung, die Trans*Personen in Honduras sehr oft machen. Dank der Fürsprache einer Krankenschwester, die mit Asociación Arcoíris zusammenarbeitet, wurde sie schließlich doch aufgenommen und die Wunde versorgt.

 

Wann die Kugel entfernt wird, die nahe einer Arterie und nahe am Knochen steckenblieb, wissen wir derzeit nicht. Paola Flores erstattete noch in derselben Nacht Anzeige gegen Unbekannt wegen versuchten Mordes. Paola Flores gehört zu den wenigen Trans*Aktivistinnen der „älteren“ Generation über 30, die bisher in Honduras überlebt haben. 2009 war sie zusammengeschlagen, mit Benzin übergossen und angezündet worden und dem Tod nur knapp entronnen. Nach zwei Monaten im Koma, neun Monaten im Krankenhaus und einem Jahr im Exil in Mexiko kehrte sie zurück und nahm ihre Arbeit für die Rechte der Community wieder auf. Die meisten Mitglieder der Trans*Frauengruppe von Arcoíris sind inzwischen tot oder geflüchtet. Paolas Kollegin in der Leitung der Trans*Frauengruppe von Arcoíris, die bekannte Aktivistin Bessy Ferrera wurde am 8. Juli 2019 in Tegucigalpa erschossen. Allein 2019 wurden in Honduras mindestens 40 Mitglieder der LGBT*Community ermordet, davon neun Trans*Frauen. Von Juli 2009 bis Juli 2019 registrierte die staatliche Ombudsstelle für Menschenrechte CONADEH 325 Morde an LGBT*. Die nicht-tödlichen Übergriffe summieren sich auf viele hundert pro Jahr.

Hohe Straflosigkeit

Über 300 Fälle liegen bei den Staatsanwaltschaften, ohne dass es jemals zu Prozessen oder gar Verurteilungen käme. Die Straflosigkeit für Hassverbrechen beträgt in Honduras weit über 90 Prozent. Das staatliche Sekretariat für Menschenrechte forderte am Tag nach den Schüssen auf Paola Flores und ihre Kollegin die anderen zuständigen staatlichen Institutionen auf, das zu tun, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich wegen des Attentast auf Paola Flores zu ermitteln. Auch das Hochkommisariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen in Honduras OACNUDH verurteilte das Attentat und äußerte große Besorgnis wegen der Schutzlosigkeit der LGBT*-Community und vor allem der Trans*Frauen in Honduras. Nach dem Ende der Internationalen Mission gegen Korruption und Straflosigkeit (MACCIH) am 19. Januar 2020, deren Mandat von der honduranischen Regierung nicht verlängert wurde, ist OACNUDH allerdings nun selbst unter Druck des honduranischen Regimes unter Präsident Juan Orlando Hernández. Die Leiterin des Hochkommissariats soll das Land Ende des Monats vorzeitig verlassen.

Porträt von Kirsten Clodius

Ich bin für Ihre Fragen da:

Kirsten Clodius
Referentin für Honduras, Nicaragua, Kleidung, Frauenrechte, LGBTI*
clodiusnoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-18

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