Bergbau

Erfolg im Widerstand gegen Mine in Nicaragua

Internationale Solidarität bringt Finanzierung zum Wackeln

18. Dezember 2019

Das britische Bergbauunternehmen Condor Gold setzt die Gemeinde Mina La India massiv unter Druck. Es versucht, die Menschen im Widerstand zu kriminalisieren. Doch diese organisieren weltweite Solidarität, sodass die Weltbank das Projekt nun nicht mehr finanziert. Ein Etappenerfolg, der zeigt, was internationale Zusammenarbeit bewirken kann.

Condor Gold will um jeden Preis schürfen

In Mina La India leben ca. 4.500 Menschen. Der Großteil von ihnen lebt vom Kleinen Bergbau: Die Bewohner suchen in selbst gegrabenen Tunneln nach Gold und waschen es mit Hilfe von Quecksilber aus dem Gestein. Das ist weder eine saubere noch eine gesunde Tätigkeit. Die Menschen sehen für sich aber keine alternativen Einkommensmöglichkeiten.

Foto: Christian Wimberger (CIR)

Seit einigen Jahren macht ihnen aber das britische Bergbauunternehmen Condor Gold die Goldvorkommen streitig. Die Zentralregierung vergab eine Schürflizenz an das Unternehmen, ohne die Gemeinde vorher zu befragen. Seit 2011 führt es Probeschürfungen in der Umgebung des Dorfes durch. Für die Errichtung des Tagebaus müsste fast die gesamte Bevölkerung von Mina La India umgesiedelt werden. Condor Gold setzt deshalb die Bewohner*innen massiv unter Druck, ihre Grundstücke zu verkaufen. Dabei arbeiten die Betreiber eng mit staatlichen Institutionen zusammen. Sieben Gegner*innen des Projekts standen 2017 wegen vermeintlicher Sachbeschädigung vor Gericht. Die Gemeinde reagierte mit einem Schulstreik. Daraufhin entsandte die Regierung 60 Polizist*innen, die Angst und Schrecken im Dorf verbreiteten. Die Klage wurde zwar kurz darauf fallen gelassen, das Unternehmen besteht aber weiterhin auf sein Schürfrecht.

Widerstandsbewegung richtet sich an Finanzgeber Weltbank

Wie die meisten Bergbauunternehmen erhält auch Condor Gold von großen Investoren Finanzmittel, ohne die es die Mine nicht ins Laufen bringen kann. Nachdem CIR-Referent Christian Wimberger 2017 das Dorf gemeinsam mit dem bergbaukritischen Netzwerk MONAFMI besucht hatte, suchten wir zusammen mit der britischen Organisation London Mining Network nach den Finanzquellen der Aktiengesellschaft. Es stellte sich heraus, dass die Weltbank Tochter IFC (International Finance Corporation) ca. fünf Prozent der Aktien hält. Gemeinsam mit der Online-Protestplattform SumOfUs, forderten wir mit einer Petition IFC auf, dem Unternehmen die Finanzen zu entziehen. Über 111.000 Menschen haben die Petition unterzeichnet.

Was internationale Solidarität bewirken kann

Parallel dazu bereitete MONAFMI in Nicaragua eine offizielle Beschwerde vor, die über den Beschwerdemechanismus eingereicht wurde. Eine Delegation der Entwicklungsbank besuchte 2018 die Gemeinde, um sich selbst ein Bild zu machen. Am 12. Dezember 2019 gab MONAFMI bekannt, dass die Weltbank-Tochter die Finanzierung zurückzog – ein wichtiger Etappenerfolg!

“Die Gemeinde von Santa Cruz de la India”, heißt es in der Stellungnahme von MONAFMI, “feiert den Rückzug der Investitionen […] für dieses umstrittene Bergbauprojekt von Condor Gold, das Konflikte hervorrief und Gewalt in der Region sähte.” Der Gemeinde ist bewusst, dass damit das Projekt noch nicht gestoppt ist. Aber von nun an können sie darauf verweisen, dass es die ethischen Anforderungen eines großen Investors verletzt. Der Fall zeigt, dass internationale Kampagnen Bergbauunternehmen zum Wackeln bringen können.

Aktualisierung vom 19.12.2019: Erneuter Angriff der Polizei gegen Bergbaugegner

 

Am 18. Dezember, sechs Tage, nachdem MONAFMI die Entscheidung von IFC bekannt gegeben hatte, führte die Polizei beim Sekretär des Netzwerks Olman Salazar eine Hausdurchsuchung durch. Die Polizist*innen fotografierten die Kinder von Olman und konfiszierten einen Computer. Laut MONAFMI kam es während der Befragung zu „physischen und psychischen Aggressionen“ gegen die Familienmitglieder. Der Aktivist war selbst nicht zu Hause und tauchte nach der Hausdurchsuchung unter. Olman war unter den sieben Bergbaugegner*innen, die 2017 vor Gericht gestellt wurden. Nachdem die Anklage fallen gelassen wurde, war er neun Monate lang im Exil in den USA. MONAFMI verurteilt diesen Angriff nach seiner Rückkehr als einen Akt „außerhalb von jeglicher Legalität“.

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Porträt von Christian Wimberger

Ich bin für Ihre Fragen da:

Christian Wimberger
Referent für Bergbau, öffentliche Beschaffung, Guatemala
wimbergernoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21