Kritischer Konsum

Einkauf & Verantwortung

FFL - Fair for Life

FFL - Fair for Life
Fair for Life wurde von der Bio-Stiftung Schweiz und dem Institut für Marktökologie entwickelt und enthält eine breite Palette an Kriterien zu Sozial-, als auch eine kleinere Palette zu Umweltstandards. Bio-Landwirtschaft ist dabei kein Muss, konventionelle Bäuerinnen und Bauern müssen jedoch ein Konzept zur Verbesserung ihrer Umweltperformance (z.B. Reduktion des Pestizideinsatzes) darlegen.

Bewertung

Skala: = anspruchsvoll; = gut; = mittelmäßig; = unzureichend; = mangelhaft; = kein Fokus. Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2016/2017.

Die ökologischen und sozialen Standards sind ausreichend. Doch ist die Forderung nach existenzsichernden Löhnen vage. Durch die Zahlung eines Mindestpreises wird die Abhängigkeit vom Weltmarktpreis reduziert. Die Interessen von Gewerkschaften und anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen fließen in Entscheidungen nicht hinreichend ein. Die Verantwortung für die Einhaltung der Standards liegt weitgehend bei den Fabrikbesitzer*innen und Zulieferern. Die vollständige Rückverfolgbarkeit sowie die Veröffentlichung der zertifizierten Betriebe ist gut. Hinweis: Der Standard wird 2017 überarbeitet.

Welche Kriterien erfüllt das Label

Glaubwürdigkeit
Organisationsstruktur
  • Gewerkschaften sind in Beratungsgremien vertreten, aber nicht in den Entscheidungsgremien.
Wirksamkeit, Monitoring und Risikoanalysen
  • Es wird eine Wirkungsanalyse durchgeführt, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind.
  • Den auditierten Unternehmen wird die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten (human rights due diligence) und die systematische Risikobewertungen empfohlen, aber die Umsetzung nicht sytematisch geprüft.
Nachhaltigkeitsaudits
  • Audits (Überprüfungen) werden von Dritten durchgeführt oder es findet eine unabhängige Verifizierung statt.
Stakeholder participation
  • Arbeitskräfte müssen als Teil des Audit-Prozesses (Überprüfungsprozesses) befragt werden. Alle oder zumindest einige der Befragungen müssen an einem anderen Ort als der Produktionsstätte oder ohne Beisein von Personen der Management-Ebene erfolgen.
  • Den Prüfer*innen wird empfohlen während des Prüfprozesses Informationen externer lokaler Interessengruppen wie Gewerkschaften und NROs einzuholen.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Verbraucherkommunikation
  • Es wird eine vollständige Rückverfolgbarkeit von Produkten und Inhaltsstoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet, aber die Informationen sind nicht öffentlich zugänglich.
  • Audit-Berichte (Prüfberichte) und Audit-Ergebnisse (Prüfergebnisse) werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
  • Ein Produkt kann nur zertifiziert werden, wenn zumindest 95 % des Rohmaterials geprüft ist.
Ökologie
Use of chemicals and pesticides
  • Der Einsatz gefährlicher Chemikalien ist untersagt.
  • Das Zertifizierungssystem verlangt integrierten Pflanzenschutz oder andere Wege zur systematischen Reduktion des Einsatzes von Chemikalien (Pflanzenschutz- & Düngemittel).
Eco-friendly production
  • Der Einsatz von GVO (gentechnisch veränderten Organismen) ist in der gesamten Lieferkette untersagt (einschließlich als Futtermittel in tierischen Produkten).
  • Das Zertifizierungssystem verlangt die Durchführung einer regelmäßigen UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung).
Water/Energy Use and Emissions
  • Die Überwachung und effiziente Nutzung von Wasser ist verpflichtend.
  • Die Überwachung des Energieverbrauchs und/oder von Treibhausgas(THG)-Emissionen ist erforderlich.
Soziales
Living wage / decent income
  • Der Standards gilt für alle Arbeitskräfte, auch für Saisonarbeiter*innen und Subunternehmer.
  • Die Zahlung eines existenzsichernden Lohns ist verpflichtend, und für die Umsetzung dieses Kriteriums sind ausreichende Instrumente vorhanden. Um die Lohnzahlungen beurteilen zu können, werden in den Audits auch die Arbeitszeiten und die Stücklöhne geprüft.
Freedom of Association and collective bargaining / complains mechanism
  • Alle ILO-Kernarbeitsnormen sind verpflichtend.
  • Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen werden durch einzelne Aktivitäten gefördert.
  • Unabhängige Beschwerdemechanismen existieren und die Meldungen fließen in den Audit-Prozesses (Überprüfungsprozess) ein.
Business Practice and Ethical Issues
  • Es gibt Aus- und Weiterbildungsangebote für Arbeitnehmer*innen im Umgang und Kontakt mit Chemikalien und Sicherheit am Arbeitsplatz.
  • Der Standard fordert verantwortungsbewusste Einkaufspraktiken von den Unternehmen.