Kritischer Konsum

Einkauf & Verantwortung

Fairtrade

Fairtrade
Fairtrade ist ein weltweit einheitliches Siegel, dass Produkte aus fairem Handel kennzeichnet. Dabei wird zwischen dem Produkt- und Programmsiegel unterschieden. So beinhaltet z.B. Schokolade, die das Fairtrade-Kakaoprogramm-Siegel trägt, Fairtrade-Kakao, kann jedoch österreichischen Zucker einsetzen. Eine mit dem Fairtrade-Produktsiegel ausgelobte Schokolade muss sowohl Fairtrade-Kakao als auch Fairtrade-Zucker enthalten. Fairtrade beinhaltet neben einer Reihe von Sozialstandards auch manche Umweltmaßnahmen, wie z.B. solche zur guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft und dem Verbot von gentechnisch veränderten Organismen.

Bewertung

Skala: = anspruchsvoll; = gut; = mittelmäßig; = unzureichend; = mangelhaft; = kein Fokus. Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2016/2017.

Insgesamt ist es ein anspruchsvoller Standard. Durch die Bioaufschläge ist der Anteil an bio- und fair-zertifizierten Produkten hoch. Existenzsichernde Löhne werden gefordert und das Recht auf Vereinigungsfreiheit
und Kollektivverhandlungen aktiv unterstützt. Durch langfristige Lieferbeziehungen sowie die Zahlung eines Mindestpreises werden die negativen Auswirkungen der Beschaffungspolitik sowie die Abhängigkeit vom Weltmarktpreis reduziert. Die Interessen von Produzentenorganisationen aus dem Globalen Süden, von Gewerkschaften und anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen fließen in Entscheidungen ein. Problematisch an der Produktzertifizierungen sind für die Kleinbäuerinnen und -bauern die hohen Kosten und die Tatsache, dass keine komplette Umstellung stattfindet. Durch die Fokussierung auf den Massenmarkt werden zunehmend Produkte auch auf Plantagen angebaut. Die Rechte von Wanderarbeiter*innen und auch von Leiharbeiter*innen lassen sich mit den bisherigen Instrumenten nicht glaubwürdig schützen. Der Anteil der Mengenbilanzierung steigt. Dies kann zu Verunsicherung der Konsument*innen führen und Strukturen fördern, die dem Grundgedanken des Fairen Handels nicht entsprechen.

Welche Kriterien erfüllt das Label

Glaubwürdigkeit
Organisationsstruktur
  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich. Eine ausgewogene Vertretung von verschiedenen Interessengruppen in Entscheidungsgremien ist vorhanden.
  • Gewerkschaften sind in den Entscheidungsgremien vertreten.
Wirksamkeit, Monitoring und Risikoanalysen
  • Das Zertifizierungssystem prüft die Wirkung seiner Arbeit unter Berücksichtigung anspruchsvoller Indikatoren.
  • Es wird eine Wirkungsanalyse durchgeführt, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind.
  • Den auditierten Unternehmen wird die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten (human rights due diligence) und die systematische Risikobewertungen empfohlen, aber die Umsetzung nicht sytematisch geprüft.
Nachhaltigkeitsaudits
  • Audits (Überprüfungen) werden von Dritten durchgeführt oder es findet eine unabhängige Verifizierung statt.
Stakeholder participation
  • Arbeitskräfte müssen als Teil des Audit-Prozesses (Überprüfungsprozesses) befragt werden. Alle oder zumindest einige der Befragungen müssen an einem anderen Ort als der Produktionsstätte oder ohne Beisein von Personen der Management-Ebene erfolgen.
  • Den Prüfer*innen wird empfohlen während des Prüfprozesses Informationen externer lokaler Interessengruppen wie Gewerkschaften und NROs einzuholen.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Verbraucherkommunikation
  • Die Produkte sind rückverfolgbar vom Anbau bis zum Verkauf und die Informationen sind öffentlich zugänglich.
  • Ein Produkt kann nur zertifiziert werden, wenn zumindest 95 % des Rohmaterials geprüft ist.
Ökologie
Use of chemicals and pesticides
  • Der Einsatz gefährlicher Chemikalien wird eingeschränkt und es liegen Empfehlungen zum schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung solcher Substanzen vor.
  • Das Zertifizierungssystem verlangt integrierten Pflanzenschutz oder andere Wege zur systematischen Reduktion des Einsatzes von Chemikalien (Pflanzenschutz- & Düngemittel).
Eco-friendly production
  • Der Standard fordert zumindest eine Maßnahme zum Bodenschutz wie Wechselwirtschaft oder andere Maßnahmen wie Konturpflügen, Windschutz oder Direktsaat.
  • Der Standard empfiehlt zumindest drei Maßnahmen und verlangt, dass zumindest eine davon auf den Schutz der Artenvielfalt ausgerichtet ist (z.B. Hecken, Mischkulturanbau, Brachlandkultur, …).
  • Der Einsatz von GVO (gentechnisch veränderten Organismen) ist in der gesamten Lieferkette untersagt (einschließlich als Futtermittel in tierischen Produkten).
  • Das Zertifizierungssystem empfiehlt die Durchführung einer regelmäßigen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP).
Water/Energy Use and Emissions
  • Die Überwachung des Wasserverbrauchs ist verpflichtend und die effiziente Nutzung von Wasser wird empfohlen.
  • Die Überwachung des Energieverbrauchs und/oder von Treibhausgas(THG)-Emissionen ist erforderlich.
Soziales
Living wage / decent income
  • Die Zahlung eines existenzsichernden Lohns ist verpflichtend, aber es gibt keine ausreichenden Instrumente für die Umsetzung dieses Kriteriums oder diese werden erst entwickelt.
  • Der Standards gilt für alle Arbeitskräfte, auch für Saisonarbeiter*innen und Subunternehmer.
Freedom of Association and collective bargaining / complains mechanism
  • Alle ILO-Kernarbeitsnormen sind verpflichtend.
  • Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen werden durch vielfältige Maßnahmen aktiv unterstützt.
  • Unabhängige Beschwerdemechanismen existieren und die Meldungen fließen in den Audit-Prozesses (Überprüfungsprozess) ein.
Business Practice and Ethical Issues
  • Es gibt Schulungen zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie zu Arbeitsrechten.
  • Der Standard fordert verantwortungsbewusste Einkaufspraktiken von den Unternehmen.
  • Es gibt ein garantiertes Minimum für Ab-Hof-Preise.