Kritischer Konsum

Einkauf & Verantwortung

Blauer Engel

Blauer Engel
Der Blaue Engel wurde 1978 auf Initiative des Bundesministers des Inneren ins Leben gerufen. Siegel-Inhaber ist das Bundesumweltministeri¬um, vergeben wird das Siegel von der RAL gGmbH (gemeinnützige Tochter des RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V.). Das Umweltbundesamt stellt die Geschäftsstelle der Jury Umweltzeichen, die für die Beschlüsse des Blauen Engels zuständig ist, und erarbeitet die Kriterien.
Produkte aus zahlreichen Bereichen wie Bauen, Computer, Papier und Textilien werden gekennzeichnet. Bei der Vergabe des Zeichens wird der gesamte Lebenszyklus des Produktes in Betracht gezogen. Die Produktgruppen werden derzeit in vier verschiedene Schutzziele eingeordnet. Seit 2009 ist gesondert gekennzeichnet, ob das Produkt Klima, Gesundheit, Wasser oder Ressourcen schützt. Das produktbezogene Logo enthält einen detaillierten Hinweis zu den relevanten Eigenschaften des Produkts, wie z. B. „weil energieeffizient“. Aktuell findet man das Umweltzeichen auf 12.000 Produkten von 1.500 Unternehmen.
BLAUER ENGEL FÜR TEXTILIEN
Das staatliche Umweltlabel hat seit 2011 auch einen Standard für Textilien entwickelt, der sowohl Natur- als auch Synthetik-Fasern abdeckt. Es gibt für Textilien noch keinen Lizenznehmer und damit keine Kleidung, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind.

Bewertung

Skala: = anspruchsvoll; = gut; = mittelmäßig; = unzureichend; = mangelhaft; = kein Fokus. Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2016/2017.

Der Blaue Engel ist das älteste Umweltzeichen und hat einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Der Fokus liegt auf ökologischen Kriterien. Wichtige Kriterien wie die Festlegung von Grenzwerten für klimaschädliche
Emissionen sind Teil des Standards. Der Blaue Engel berichtet transparent über die Einhaltung und Weiterentwicklung des Standards. Es gibt spezifische Standards für unterschiedliche Produktgruppen, so auch für Textilien. Die Sozialstandards erfüllen nur geringe Ansprüche: Existenzsichernde Löhne werden nicht gefordert, das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird nicht aktiv unterstützt. Die sozialen Kriterien beschränken sich auf die ILO-Kernarbeitsnormen. Die Selbstverpflichtung reicht nicht aus, um die Einhaltung sozialer Standards in den Zulieferbetrieben zu garantieren. Unabhängige Kontrollen unter Einbeziehung lokaler Akteur*innen fehlen.

Welche Kriterien erfüllt das Label

Glaubwürdigkeit
Organisationsstruktur
  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich. Eine ausgewogene Vertretung von verschiedenen Interessengruppen in Entscheidungsgremien ist vorhanden.
Wirksamkeit, Monitoring und Risikoanalysen
  • Das System prüft die Wirkung, aber nicht anhand festgelegter anspruchsvoller Indikatoren.
  • Es wird eine Wirkungsanalyse durchgeführt, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind.
Nachhaltigkeitsaudits
  • Audits (Überprüfungen) werden von Dritten durchgeführt oder es findet eine unabhängige Verifizierung statt.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Verbraucherkommunikation
  • Es wird eine vollständige Rückverfolgbarkeit von Produkten und Inhaltsstoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet, aber die Informationen sind nicht öffentlich zugänglich.
Ökologie
Use of chemicals and pesticides
  • Der Einsatz gefährlicher Chemikalien ist untersagt.
Eco-friendly production
  • Der Standard fordert einen integrierten Ansatz zum Bodenschutz mit einem Maßnahmenpaket wie Wechselwirtschaft oder anderen Maßnahmen wie Konturpflügen, Windschutz oder Direktsaat.
  • Der Einsatz von GVO (gentechnisch veränderten Organismen) ist in der gesamten Lieferkette untersagt (einschließlich als Futtermittel in tierischen Produkten).
Water/Energy Use and Emissions
  • Die Überwachung des Wasserverbrauchs ist verpflichtend und die effiziente Nutzung von Wasser wird empfohlen.
  • Die Überwachung des Energieverbrauchs und/oder von Treibhausgas-Emissionen ist erforderlich UND die Regelungen zur Durchführung und Dokumentation sind klar beschrieben (oder es wird auf eine bereits etablierte Methodik verwiesen).
Soziales
Freedom of Association and collective bargaining / complains mechanism
  • Alle ILO-Kernarbeitsnormen sind verpflichtend.