Kritischer Konsum

Einkauf & Verantwortung

ETI - Ethical Trading Initiative

ETI - Ethical Trading Initiative
Die Ethical Trading Initiative (ETI) wurde 1998 als Zusammenschluss von Unternehmen, NROs und Gewerkschaften gegründet, um gegen Ausbeutung in der Produktion von Konsumgütern vorzugehen. Die Richtlinien sind auf alle Konsumgüter anwendbar und werden auch für Produkte wie Baumaterialien oder Ausschreibungen der öffentlichen Hand ausgelegt. ETI zertifiziert keine Produkte oder Fabriken, sondern evaluiert eine zufällige Stichprobe von 20 % der Jahresberichte teilnehmender Unternehmen. Die Berichte werden vom paritätisch besetzten ETI-Ausschuss bewertet, dabei werden Anforderungen für Verbesserungen gestellt. Wenn Unternehmen nicht genug Fortschritte erzielen oder ihren Verpflichtungen als Mitglied nicht nachkommen, kann ihre Mitgliedschaft beendet werden. Derzeit hat ETI 67 Mitglieder, darunter Tchibo und H&M.

Bewertung

Skala: = anspruchsvoll; = gut; = mittelmäßig; = unzureichend; = mangelhaft; = kein Fokus. Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2016/2017.

Die Sozialstandards bei ETI sind gut. ETI bezieht die gesamte Zulieferkette mit ein und sieht die Verantwortung für die Umsetzung der Standards bei den Mitgliedsunternehmen, daher werden auch Einkaufspraktiken und Managementsysteme betrachtet. Die ETI führt jedoch keine Verifizierungen durch. Der Beschwerdemechanismus, die Korrekturmaßnahmen und die Weiterbildungen können zu einem kontinuierlichen Lern- und Verbesserungsprozess auf den Plantagen und in den Fabriken führen. Doch scheint es, dass z. B. der Beschwerdemechanismus in der ETI generell keine Priorität hat. Eine Übersicht zu laufenden Verfahren fehlt. Einige Unternehmen nutzen ihre ETI-Mitgliedschlaft v. a. zum Schutz vor negativen Schlagzeilen, ohne sich an den Lernprozessen aktiv zu beteiligen.

Welche Kriterien erfüllt das Label

Glaubwürdigkeit
Organisationsstruktur
  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich. Eine ausgewogene Vertretung von verschiedenen Interessengruppen in Entscheidungsgremien ist vorhanden.
  • Gewerkschaften sind in den Entscheidungsgremien vertreten.
Wirksamkeit, Monitoring und Risikoanalysen
  • Das System prüft die Wirkung, aber nicht anhand festgelegter anspruchsvoller Indikatoren.
  • Es wird eine Wirkungsanalyse durchgeführt, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind.
Nachhaltigkeitsaudits
  • Audits (Überprüfungen) werden als Second-Party-Audits durchgeführt.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Verbraucherkommunikation
  • Audit-Berichte (Prüfberichte) sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, es gibt jedoch eine veröffentlichte allgemeine Zusammenfassung des Berichts und/oder der Audit-Ergebnisse (Prüfergebnisse).
Soziales
Living wage / decent income
  • Die Zahlung eines existenzsichernden Lohns ist verpflichtend, und für die Umsetzung dieses Kriteriums sind ausreichende Instrumente vorhanden. Um die Lohnzahlungen beurteilen zu können, werden in den Audits auch die Arbeitszeiten und die Stücklöhne geprüft.
  • Der Standards gilt für alle Arbeitskräfte, auch für Saisonarbeiter*innen und Subunternehmer.
Freedom of Association and collective bargaining / complains mechanism
  • Alle ILO-Kernarbeitsnormen sind verpflichtend.
  • Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen werden durch vielfältige Maßnahmen aktiv unterstützt.
  • Unabhängige Beschwerdemechanismen existieren, sind jedoch nicht Bestandteil des Audit-Prozesses (Überprüfungsprozess).
Business Practice and Ethical Issues
  • Es gibt Aus- und Weiterbildungsangebote für Arbeitnehmer*innen im Umgang und Kontakt mit Chemikalien und Sicherheit am Arbeitsplatz.
  • Der Standard empfiehlt verantwortungsbewusste Einkaufspraktiken von den Unternehmen.