Kritischer Konsum

Einkauf & Verantwortung

FWF - Fair Wear Foundation

FWF - Fair Wear Foundation
Die Fair Wear Foundation (FWF) ist eine Multi-Stakeholder-Initiative, die 1999 in den Niederlanden gegründet wurde und seit 2005 auch Mitglieder in Deutschland hat. Aktuell sind mehr als 85 Textilunternehmen, die über 120 Marken repräsentieren, Mitglied bei der FWF (u. a. Jack Wolfskin, Takko, Conti¬nental Clothing). Die Fair Wear Foundation ist in elf Produktionsländern in Europa, Afrika und Asien aktiv. Sie hat sich die Verbesserung von Arbeitsbedingungen zum Ziel gesetzt, insbesondere in Nähfabriken, in denen Bekleidung, Schuhe und andere Textilprodukte produziert werden.

Bewertung

Skala: = anspruchsvoll; = gut; = mittelmäßig; = unzureichend; = mangelhaft; = kein Fokus. Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2016/2017.

Ökologische Standards spielen keine Rolle. Der Fokus liegt auf Prozesskriterien zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Nähfabriken. Die Sozialstandards sind anspruchsvoll. Die FWF berücksichtigt die negativen Auswirkungen der Beschaffungspolitik ihrer Mitgliedsunternehmen auf die Arbeitsbedingungen durch die Brand-Performance-Prüfung. Sie zeichnet sich durch eine sehr hohe Glaubwürdigkeit aus. Die FWF gilt als Best-Practise-Beispiel im Bereich Textilien.

Welche Kriterien erfüllt das Label

Glaubwürdigkeit
Organisationsstruktur
  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich. Eine ausgewogene Vertretung von verschiedenen Interessengruppen in Entscheidungsgremien ist vorhanden.
  • Gewerkschaften sind in den Entscheidungsgremien vertreten.
Wirksamkeit, Monitoring und Risikoanalysen
  • Das System prüft die Wirkung, aber nicht anhand festgelegter anspruchsvoller Indikatoren.
  • Es wird eine Wirkungsanalyse durchgeführt, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind.
  • Die auditierten Unternehmen müssen nachweisen, dass sie die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten (human rights due diligence) einhalten oder eine systematische Risikobewertung vorgenommen haben.
Nachhaltigkeitsaudits
  • Audits (Überprüfungen) werden von Dritten durchgeführt oder es findet eine unabhängige Verifizierung statt.
Stakeholder participation
  • Arbeitskräfte müssen als Teil des Audit-Prozesses (Überprüfungsprozesses) befragt werden. Alle oder zumindest einige der Befragungen müssen an einem anderen Ort als der Produktionsstätte oder ohne Beisein von Personen der Management-Ebene erfolgen.
  • Die Prüfer*innen sind verpflichtet während des Prüfprozesses Informationen externer lokaler Interessengruppen wie Gewerkschaften und NROs einzubeziehen.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Verbraucherkommunikation
  • Ein Produkt kann nur zertifiziert werden, wenn zumindest 95 % des Rohmaterials geprüft ist.
Soziales
Living wage / decent income
  • Die Zahlung eines existenzsichernden Lohns ist verpflichtend, und für die Umsetzung dieses Kriteriums sind ausreichende Instrumente vorhanden. Um die Lohnzahlungen beurteilen zu können, werden in den Audits auch die Arbeitszeiten und die Stücklöhne geprüft.
  • Der Standards gilt für alle Arbeitskräfte, auch für Saisonarbeiter*innen und Subunternehmer.
Freedom of Association and collective bargaining / complains mechanism
  • Alle ILO-Kernarbeitsnormen sind verpflichtend.
  • Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen werden durch vielfältige Maßnahmen aktiv unterstützt.
  • Unabhängige Beschwerdemechanismen existieren und die Meldungen fließen in den Audit-Prozesses (Überprüfungsprozess) ein.
Business Practice and Ethical Issues
  • Es gibt Schulungen zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie zu Arbeitsrechten.
  • Der Standard fordert verantwortungsbewusste Einkaufspraktiken von den Unternehmen.