Kritischer Konsum

Einkauf & Verantwortung

Gäa

Gäa
Gäa e. V. geht auf die Umweltbewegung der 1980er-Jahre in der ehemaligen DDR zurück und wurde 1989 als ökologischer Anbauverband in Dresden gegründet. Ziel des Verbands ist die Förderung der ökologischen Landwirtschaft, vor allem in den neuen Bundesländern. Betriebe sollen durch möglichst in sich geschlossene landwirtschaftliche Kreisläufe Dauerfruchtbarkeit der Böden sowie den Erhalt von Pflanzenarten und Tierrassen fördern. Der Name stammt aus der altgriechischen Mythologie und leitet sich von „Gaia“ (Urmutter Erde) ab. Aktuell sind ca. 380 Bäuerinnen und Bauern Mitglied, vor allem kleinere Garten- und Familienbetriebe, Genossenschaften aber auch Unternehmen aus Verarbeitung und Handel, so beispielsweise Bio Company und die Gläserne Molkerei, die die Milch für die Eigenmarke Bio Company liefert.

Bewertung

Skala: = anspruchsvoll; = gut; = mittelmäßig; = unzureichend; = mangelhaft; = kein Fokus. Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2016/2017.

Die ökologischen Richtlinien der Gäa erfüllen hohe Ansprüche mit weitreichenden Kriterien zu artgerechter Tierhaltung, Fütterung, Transport und Schlachtung. Die Sozialstandards erfüllen nur Mindeststandards, existenzsichernde Löhne werden nicht gefordert. Gäa berichtet transparent und glaubwürdig über die Einhaltung des Standards. Obwohl Gäa ein Anbauverband ist, werden verschiedene Interessengruppen in den Entscheidungs- und Zertifizierungsprozess einbezogen. Die zertifizierten Betriebe befinden sich vorwiegend in Deutschland.

Welche Kriterien erfüllt das Label

Glaubwürdigkeit
Organisationsstruktur
  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich. Eine ausgewogene Vertretung von verschiedenen Interessengruppen in Entscheidungsgremien ist vorhanden.
Wirksamkeit, Monitoring und Risikoanalysen
  • Es wird eine Wirkungsanalyse durchgeführt, aber die Ergebnisse sind nicht öffentlich zugänglich.
  • Den auditierten Unternehmen wird die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten (human rights due diligence) und die systematische Risikobewertungen empfohlen, aber die Umsetzung nicht sytematisch geprüft.
Nachhaltigkeitsaudits
  • Audits (Überprüfungen) werden von Dritten durchgeführt oder es findet eine unabhängige Verifizierung statt.
Stakeholder participation
  • Den Prüfer*innen wird empfohlen während des Prüfprozesses Informationen externer lokaler Interessengruppen wie Gewerkschaften und NROs einzuholen.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Verbraucherkommunikation
  • Es wird eine vollständige Rückverfolgbarkeit von Produkten und Inhaltsstoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet, aber die Informationen sind nicht öffentlich zugänglich.
  • Audit-Berichte (Prüfberichte) sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, es gibt jedoch eine veröffentlichte allgemeine Zusammenfassung des Berichts und/oder der Audit-Ergebnisse (Prüfergebnisse).
  • Ein Produkt kann nur zertifiziert werden, wenn zumindest 95 % des Rohmaterials geprüft ist.
Ökologie
Use of chemicals and pesticides
  • Der Einsatz gefährlicher Chemikalien ist untersagt.
  • Der Einsatz synthetischer Chemikalien ist untersagt.
Eco-friendly production
  • Der Standard fordert einen integrierten Ansatz zum Bodenschutz mit einem Maßnahmenpaket wie Wechselwirtschaft oder anderen Maßnahmen wie Konturpflügen, Windschutz oder Direktsaat.
  • Der Einsatz von GVO (gentechnisch veränderten Organismen) ist in der gesamten Lieferkette untersagt (einschließlich als Futtermittel in tierischen Produkten).
  • Das Zertifizierungssystem verlangt die Durchführung einer regelmäßigen UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung).
Water/Energy Use and Emissions
  • Die Überwachung des Wasserverbrauchs ist verpflichtend und die effiziente Nutzung von Wasser wird empfohlen.
  • Die Überwachung des Energieverbrauchs und/oder von Treibhausgas(THG)-Emissionen ist erforderlich.
Soziales
Living wage / decent income
  • Der Standards gilt für alle Arbeitskräfte, auch für Saisonarbeiter*innen und Subunternehmer.
Freedom of Association and collective bargaining / complains mechanism
  • Alle ILO-Kernarbeitsnormen sind verpflichtend.
  • Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen werden durch einzelne Aktivitäten gefördert.
  • Unabhängige Beschwerdemechanismen existieren und die Meldungen fließen in den Audit-Prozesses (Überprüfungsprozess) ein.
Business Practice and Ethical Issues
  • Es gibt Aus- und Weiterbildungsangebote für Arbeitnehmer*innen im Umgang und Kontakt mit Chemikalien und Sicherheit am Arbeitsplatz.
  • Der Standard fordert verantwortungsbewusste Einkaufspraktiken von den Unternehmen.